Workshop „Forschen und beforscht werden in der Rehabilitation“
Hotel am See in Reinsberg
Am 28. und 29. Februar 2008
Autor und Sprecher: Detlef Peters
Sprecher:
Am 28. und 29. Februar fand im „Hotel am See“ in Reinsberg, auf Initiative der „Fürst Donnersmarck Stiftung“ und der „Deutschen Vereinigung für Rehabilitation“, ein Workshop zum Thema „Forschen und beforscht werden in der Rehabilitation“ statt. Der teilnehmende Personenkreis setzte sich aus Forschern, Praktikern und Betroffenen zusammen. Die Teilnehmer wurden von Wolfgang Schrödter, Geschäftsführer der „Fürst Donnersmarck Stiftung“, begrüßt und über die Beweggründe der Initiative informiert.
Wolfgang Schrödter:
Sehr geehrte Damen und Herren, ich heiße sie sehr herzlich Willkommen, hier im Haus Reinsberg „Hotel am See“, im Namen der „Deutschen Vereinigung für Rehabilitation“ und im Namen der „Fürst Donnersmarck Stiftung“, zu diesem innovativen Austausch zum Thema „Forschen und beforscht werden in der Rehabilitation“.
Warum engagiert sich die „Fürst Donnersmarck Stiftung“ für das Thema Rehabilitationsforschung? Zweck der Stiftung ist erstens die Rehabilitation, Betreuung, Unterstützung und Förderung von Menschen mit Behinderung und zweitens Die Förderung und Unterstützung der Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Rehabilitation behinderter Menschen.
Als die Stiftung am 8. Mai 1916 errichtet wurde, war genau das die Intention des Fürsten von Donnersmarck. Er rief diese Stiftung ins Leben mit dem Ziel, eine Forschungsstätte zu schaffen für wissenschaftliche Verarbeitung und therapeutische Verwertung der im ersten Weltkrieg gesammelten ärztlichen Erfahrung. Aus diesem Grunde wurde auch die Stiftung offiziell mit der Bezeichnung „Fürst Donnersmarck Institut“ versehen.
Sprecher:
Nun richtete Prof. Dr. Karl Wegscheider, verantwortlich für den Ausschuss Rehabilitationsforschung in der „Deutschen Vereinigung für Rehabilitation“ seine Worte an die Teilnehmer. Er schilderte unter dem Thema: “Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust“, wie er als Forscher in die Lage eines Betroffenen geriet.
Prof. Dr. Karl Wegscheider:
Es ist jetzt ziemlich genau 20 Jahre her, dass ich an Kinderlähmung erkrankt bin. Ich lag damals auf der Intensiv-Station der Berliner Uni-Klinik. Die Ärzte der Station kümmerten sich rührend um mich. Da wurde ich eines Tages von zwei Pflegern die ich nicht kannte abgeholt. Ich fragte die dann wo die mich hinbringen wollten und dann sagten die, „Ja der Herr Doktor Meier hat sie angefordert“. Der Doktor ungefähr mein Alter, jüngerer Doktor mitziemlich wirrem Haar, so bisschen vernachlässigten Äußerem, legte mir überall Elektroden an ohne groß zu fragen und bevor ich ihn fragen konnte was er eigentlich da macht, schickte er Strom durch meinen Körper. Das tat fürchterlich weh und ich protestierte und sagte, was haben sie denn hier mit mir vor, ist das ne neue Therapie oder was soll das sein. Nee, sagte der um Therapie geht’s überhaupt nicht. Hier geht es um Forschung.
Sprecher:
Für die nachfolgende Gruppenarbeit, wurden die Teilnehmer in die Gruppen Forscher, Praktiker und Betroffene unterteilt. Ich selber begab mich in die Gruppe der Betroffenen und musste feststellen, dass fast alle negative Erfahrungen im Klinik- und Forschungsbetrieb gemacht hatten.
Meinungsäußerung in der Gruppe:
Das ist einfach so, dass die Mediziner viel zu viel von den Patienten verlangen, sie nicht richtig aufklären und wenn die Patienten dann nicht mitmachen oder nicht mehr können, dann werden sie fallengelassen.
Sprecher:
Die Ergebnisse der Gruppenarbeit wurden dann im großen Kreis vorgestellt und unter allen Teilnehmern diskutiert. Bei den Forschern lag einhellig die Meinung vor, dass der Beforschte, also der Betroffene auch stärker in den gesamten Forschungsprozess eingebunden werden muss.
Meinung eines Forschers:
Mehrere Arten von Forschung, mehrere Arten von Fragestellungen, mehrere Methoden und davon abhängend dann auch immer wieder die Frage, ist der Betroffene Objekt und in wie weit kann er Subjekt sein.
Sprecher:
Die Gruppenergebnisse des ersten Tages, lieferten die Basis für die Gruppenthemen des zweiten Tages. Dies Mal wurden die Gruppen gemischt zusammengestellt und bearbeiteten die Themen Respekt, Dialog und Partizipation. Erneut wurden die Ergebnisse im großen Kreis diskutiert.
Es wurde klar, dass Partizipation nicht ohne Respekt und Multilog statt Dialog funktioniert. Deutlich wurde aber auch, dass sich die Gruppen der Praktiker und Forscher all zu gerne auf die bestehende finanzielle Situation und damit auf die Mängel der Ressourcen zurückzog. So war es klar, dass das Gruppenergebnis der Gruppe Partizipation sehr schnell auf Fremdbestimmung hinauslief.
Gruppenaussage Partizipation:
Leider Gottes kamen wir von der Partizipation sehr schnell zur Fremdbestimmung und die Fremdbestimmung die hat uns dann alle etwas beklommen gemacht, denn wir fühlten uns alle fremdbestimmt und vor allem von der Politik, von Geldgebern und von Strukturen.
Sprecher:
Die Art der Veranstaltung und die gesetzten Themen und Ziele, müssen unbedingt weiter verfolgt werden. Ich hoffe schon in Kürze über eine weitere Veranstaltung dieser Art berichten zu können, da das, was in den Tagen von Reinsberg erarbeitet worden ist, nicht im Sande verlaufen darf.