
Nicolai Mehring (Kamera), Mulgheta Russom, Lena Neef (v.l.n.r.)
Unser erster Drehtag für den Dokumentarfilm "Mulgheta", der den Blindenfußball Nationalspieler Mulgheta Russom aus Stuttgart portraitiert, liegt hinter uns. Wir drehten am einem Juli-Wochenende im Lichterfelder Stadion, Berlin. Dort fand ein Seminar zur Fortbildung der Blindenfußballtrainer statt. Aus ganz Deutschland, Österreich, England, der Schweiz und aus Spanien reisten hierfür interessierte Trainer an. Zusätzlich zu den Berliner Blindenfußballspielern, den Berliner Zecken, waren auch ein paar Nationalspieler eingeladen, mit denen die Trainer zusammenarbeiten konnten, darunter auch Mulgheta, der für diesen Anlass extra aus Stuttgart anreiste.
Bei idealem Sportwetter, leicht bewölkt mit erfrischender Brise, wurde mit den Spielern von 10 bis 17 Uhr verschiedene Trainingseinheiten ausprobiert und vorgestellt. Aber auch die Trainer selbst mussten mit Hilfe einer Augenbinde einmal in die Rolle der Nichtsehenden schlüpfen. Doch Sehende mit verbundenen Augen beim Fußballspiel machen nicht annähernd eine so gute Figur beim Umgang mit dem rasselnden Ball wie die "echten" Spieler, dafür bieten sie allen Umstehenden wiederum einen erheiternden Eindruck.
Mulgheta, der jedes Mal fordernd nach einem Ball fragte, während die anderen zur Kaffeepause übergingen, nutzte jede Gelegenheit um in Ruhe das Dribbeln und seine Tricks zu üben. So war es auf dem Rückweg im Bus schon erstaunlich, dass während mein Kameramann und ich zufrieden, aber völlig erschöpft aus dem Fenster starrten, Mulgheta, der den ganzen Tag Fußball spielte, energiegeladen nach Vorschlägen für die Abendplanung aufrief. Und das haben wir nach dem ersten Drehtag auf jeden Fall schon im Kasten: Mulgheta und sein unglaublicher Tatendrang.
Lena Neef
PS:
Herzlichen Dank an die Fürst Donnersmarck-Stiftung für Ihre Unterstützung bei diesem Projekt.