Sommerthema: Barrierefreie Musikfestivals

2. August 2010

von Julienne Vautrin

Liebe Leserinnen und Leser,

Vor ein paar Jahren ging ich öfters auf Musikfestivals. Ein Freund, der immer mit dabei war, arbeitete als Ergotherapeut in einem Rehabilitationszentrum. Wenn wir Festivals in der Umgebung besuchten, hat er immer einige Jugendlichen, die im Rollstuhl saßen, mitgenommen.

Ein Festival in unserer Gegend war bei uns besonders beliebt. Tolle Musik, eine schöne familiäre Stimmung und ein richtiges Feld, das auch immer schön matschig war. Der Regen gehörte immer dazu! Die ganze Organisation um das Zelten war ziemlich chaotisch, aber schön. Was die „barrierefreie“ Toilette betrifft, hatten wir das Glück, dass sich in kleinen Dörfern immer jemand findet, der einen hilfsbereiten Einwohner kennt. So hatten wir durch einen Bekannten Zugang zu einer leicht nutzbaren Toilette bei einer älteren Dame. Für uns alle war es damals abenteuerlich. Im Schlamm mit oder ohne Rollstuhl stecken bleiben, ausrutschen und so weiter, gehörte einfach dazu. Wir haben viel gelacht, aber ich glaube, heute würde ich es uns nicht mehr zutrauen.

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil diese Erinnerungen eben wieder auftauchten, als ich meine Google Alerts durchging. Google Alerts sind die Benachrichtigungen, die ich mit den von mir angegebenen Themen regelmäßig bekomme. Dank einer Benachrichtigung fand ich auf einer Informationsplattform über Heavy Metal, wo ich ansonsten nie für mich relevante Informationen suchen würde, ein Interview von Ron Paustian, der eine Webseite zum Thema Metal und Behinderung ins Leben gerufen hat.

Unter uns, Heavy Metal ist eher nicht meine Musikrichtung. Die Fragen zum Thema Metal und Behinderung bleiben aber dieselben für jedes Musikfestival. Um Ron Paustian zu zitieren: „Die Frage lautete für mich was bieten Veranstalter, Festivals und Bands ihren speziellen Fans an? Sind wir nur eine Randgruppe oder werden wir gar nicht wahrgenommen?“.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf habe ich mich auf die Suche gemacht. Ich habe auf FestivalGuide die nächsten Highlights der Saison ausgewählt und habe dann deren Webseite mir näher angeschaut.

Wenn es überhaupt Informationen zum Thema Barrierefreiheit oder Behinderung gibt, sind sie öfters in den allgemeinen Informationen oder in den FAQs (Frequently Asked Questions, das heißt „Häufig gestellte Fragen“) zu finden. So erfährt man zum Beispiel, dass Begleitpersonen von Menschen mit Behinderung, die ein B in ihrem Behindertenausweis haben, meistens kostenlos auf das Festivalgelände reinkommen (Omas Teich, Rocken am Brocken). Die zweite Auskunft, die auch in den FAQs weitergegeben wird, betrifft die behindertengerechten Toiletten (SonneMondSterne oder Berlin Festival). Wenn keine anwesend ist, verstehe ich es absolut nicht. Eine rollstuhlgerechte Dixi-Toilette zu mieten kostet kaum mehr als ein anderes Modell auszuleihen. Leider wie es die Diskussion im Forum des Natur One Festivals beweist, bedeutet das Vorhandensein eines WCs nicht seine Benutzbarkeit. Die Veranstalter könnten sich einfache Lösungen überlegen. Ein Teilnehmer an der Diskussion erwähnt das Beispiel der Ruhr in Love, wo Dixies vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz) bewacht wurden.

Auf anderen Webseiten war es manchmal mühsam die Informationen zu finden. Vielleicht habe ich auch solch ein Gefühl, weil ich einige Seiten erfolglos durchgewühlt habe. Deshalb war ich umso mehr erfreut, als ich bei ausländischen Festivals aus der Highlight-Liste die gesuchten Informationen in fünf Sekunden fand. Der Øya Festival hat eine Rubrik Wheelchair User, also Rollstuhlfahrer. Der Sziget Festival bietet auch in seinen FAQs ausführlichere Informationen als die meisten deutschen Festivals. Da wurden auch die Zugänglichkeit des Campingplatzes, die Rampen und spezielle Bühnen erwähnt. Ich finde kurze Lageschilderungen wie auf der Webseite von Rock am Ring gut. Wenigstens hat man das Minimum an Informationen, ohne sofort anrufen zu müssen.

Ob das Festivalgelände wirklich barrierefrei ist, kann man durch Feedbacks erfahren. Das Dockville Festival hat eine kleine Rubrik Barrierefreiheit: „Wir richten die Fläche bestmöglich für Euch her und haben in der Vergangenheit auch sehr gute Erfahrungen gemacht und sehr viel positives Feedback im Bezug auf unsere barrierefreies Gelände bekommen“. Auf Foren habe ich leider wenige Feedsbacks gefunden. Öfters lautet die Antworte der Forenmitglieder: Bei dem Veranstalter nachfragen.

Trotz des Informationsmangels zum Thema im Internet, ist die Situation anders vor Ort. Werfen Sie einen Blick auf den Bericht von Kathrin Kaufmann über das Roskilde-Festival im Dänemark auf Spreeblick! Eigentlich, sobald die Hygieneeinrichtung stimmen, bleibt nur eins wichtig: Spaß haben trotz Schlamm und Regen!

Musikalische Grüße aus der Villa Donnersmarck

Julienne Vautrin

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