Liebe Leserinnen und Leser,
ich denke, Sie fragen sich schon, was meine Überschrift „billet d´humeur“ bedeutet. Wörtlich übersetzt: „launischer Zettel“. Ich möchte einfach etwas kurz loswerden.Es geht um einen Artikel in der Online-Ausgabe der Berliner Zeitung. Der Beitrag ist mir zunächst gar nicht wichtig, ich habe ihn zu erst gar nicht wahrgenommen. Was mich zum Denken gebracht hat, ist die Verbindung zwischen der Artikelüberschrift und dem Bild.
Im Artikel geht es um eine neue Studie, die berichtet, dass Einsamkeit schädlich ist. Der Titel lautet „Einsamkeit genauso schädlich wie Rauchen“. Das Bild dazu zeigt einen Menschen in einem Rollstuhl.
Das Foto ist meiner Ansicht nach pathetisch geknipst. Die Distanz ist groß zwischen dem Betrachter und der dargestellten Person. Die Farben wirken auch nicht gerade lustig. Man will ja schließlich die Einsamkeit darstellen! Aber was in den Mittelpunkt rückt ist der Rollstuhl. Er ist im Zentrum, gar nicht die Person, die wir nur von hinten sehen. Und dazu durch die Bildaufnahme wirkt dieser Rollstuhl so klein …
Nach genauerer Betrachtung habe ich gemerkt, dass eine ältere Frau (?) im Rollstuhl sitzt, dass der Alternativtext des Fotos „Altersrisiko Einsamkeit“ lautet und er ein Ergebnis der Studie erläutert. Neben Geschlecht und sozialem Status sei Einsamkeit oft abhängig vom Alter.
Letztlich kann ich nicht umhin zu sagen, dass ich die Assoziation zwischen Bild und Inhalt des Textes als fehlerhaft empfinde. Behindert = einsam? Die Frage ist, warum der Begriff Einsamkeit mit einem Rollstuhlfahrer dargestellt wird. Warum wird das Alter – so der Alternativtext – mit einer Behinderung verbunden? Gibt es kein alternatives Bildmotiv, um die abstrakte Idee Einsamkeit wiederzugeben?
Mein Kollege schlägt mir eben die Idee des leeren Stuhles vor, um die Einsamkeit zu symbolisieren. Was denken Sie? Haben Sie weitere Ideen?
Herzliche Grüße aus der Villa Donnersmarck
Julienne Vautrin







