Archiv für März, 2012

Tage des Ähnlichen

21. März 2012

von sminoer

Kära läsare!

Bis jetzt habe ich fast nur über Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland geschrieben. Aber sind die Länder wirklich so verschieden? Ja, es gibt Tage, da denke ich überhaupt nicht darüber nach, ob etwas wie zu Hause in Lund ist oder nicht. Es scheint mir auch einmal wichtig, über diese Tage der Gleichheit, des Ähnlichen zu schreiben. Heute werde ich über ein Ereignis berichten, das mir vor kurzem passierte und das mein Herz zusammenfahren ließ.

Ich bin mit einer Bewohnerin einkaufen gegangen. Sie fuhr mit dem Rollstuhl ganz normal auf dem Gehsteig. Doch unvermutet und plötzlich drehte sie sich um und fuhr rückwärts die Bordsteinkante hinunter. Ich war ein paar Schritte vor ihr und sah dann plötzlich, wie der Rollstuhl fast umkippte. Der Bordsteinkante war einfach richtig hoch. Wenn man mit einem Rollstuhl durch die Strassen fährt, sieht man die Stadt mit anderen Augen. Wo kann man gehen (oder besser fahren), wo die Straße nicht voller Löcher ist. Wo kann man Toiletten finden, die für Rollstuhlfahrer angepasst sind? Wie eng sind die Gänge in den Geschäften?

Zu Hause habe ich mehrere Jahre im Bereich der Behindertenhilfe gearbeitet. Und ich habe in der Stadt keine Fortschritte gesehen. Es gab auch dort noch Cafés und sogar Ämter, die man nicht oder nur unter Schwierigkeiten mit einem Rollstuhl betreten konnte. Genauso, wie ich es hier bemerkt habe. Ich war einmal mit einer anderen Bewohnerin in ein Café. Wir konnten genau durch die Tür gehen und das aber nur mit Hilfe von jemandem, der die Tür aufhielt. Sollte das wirklich sein?

Hälsningar

Sofia

Andere Länder, andere Ess-Sitten

9. März 2012

von sminoer

Kära läsare!

Am letzten Donnerstag gab es in der alten Mälzerei Salzkartoffeln mit Quark zum Mittagessen. Warte mal! Da fehlt doch etwas! Wo ist denn das Fleisch? Ich bin damit, was wir in Schweden das “Tellermodell” nennen, aufgewachsen. Mit dem Tellermodell legen die Schweden  fest, wie (viel)  Essen auf den Teller aufgelegt werden soll. Ein gutes Drittel des Tellers wird mit Kartoffeln, Pasta, Reis oder etwas anderes mit Kohlenhydraten gefüllt. Ein weiteres Drittel besteht aus Gemüse. Das letzte Drittel  ist Fleisch oder Fisch.

Bei unserem Mittagessen am letzten Donnerstag gab es nur Kartoffeln. Aber dabei endet es nicht. Zum Abendbrot gibt es hier fast immer nur Brot. Einerseits kann ich das verstehen, es heißt ja schließlich Abendbrot.  Aber immer nur Brot? Ich frage mich, was für Essgewohnheiten  Schulen hier in Deutschland vermitteln?  Auch wenn ich Brot sehr  gerne esse, stelle ich Tag für Tag beim Essen fest: Andere Länder, andere Sitten.

 

Hälsningar

Sofia Minör

Mein Arbeitsalltag

1. März 2012

von sminoer

Kära läsare!

Wie sieht ein normaler Tag für mich aus?  Das kann ich mit diesen drei Themen zusammenfassen: Mit den Bewohnern Kontakt haben,  dokumentieren und mich austauschen. Und nebenbei viel Kaffee  trinken.

Was mich von den drei Dingen am meisten interessiert ist die Frage, wie man mit Menschen umgeht. Zur Sozialarbeiterrolle gehört es, mit den Bewohnern stets repektvoll  umzugehen. Als Angestellte passiert es aber nicht selten, dass man mitten zwischen den Wünschen, Ansprüchen und Bedürfnissen von den Bewohnern einerseits und der Organisation andererseits steht. Dabei hilft es mir, kurz innezuhalten und zu reflektieren, für wen man was gerade tut: Für die Bewohner, für die Organisation oder für sich selbst? Es ist nicht einfach, immer ein reflektiertes Verhältnis zu entwickeln.

Auch bei der kleinsten Sache spielt Respekt eine wesentliche Rolle. Ein Beispiel: Ich habe einen eigenen Schlüssel zu den Wohnungen der Bewohner (für den Notfall, na klar), gleichzeitig will und muss ich das Privatleben der Bewohner respektieren,  aber manchmal dennoch schnelle einen Bewohner erreichen. Das geht am schnellsten, wenn ich den Schlüssel benutze. Aber so geht’s nicht, sondern bremsen – klopfen – und warten. Theoretisch klingt es vielleicht lächerlich, dass ich das schreibe, aber in der Praxis, im wirklichen Leben ist dieses Verhalten doch nicht so selbstverständlich, wei es eigentlich sein müsste.

Aber ich reflektiere nicht nur, wie man mit anderen umgeht. Ich gehe auch spazieren, spiele Spiele, macht Gedächtnistraining und unterhalte mich.

Sozialarbeit bedeutet, dass man dokumentieren muss. Es gibt zwei Computer, die fast immer im Einsatz sind. Die Alte Mälzerei gehört zu einer Organisation, und eine Organisation muss transparent arbeiten, um entsprechende Vergütungen zu erhalten. Deswegen muss alles dokumentiert werden.

Was dokumentiert wird, muss auch besprochen werden. Deswegen führen wir auch viele Gespräche. An diesen Gesprächen habe ich bis jetzt teilgenommen: Neuaufnahme-Gespräch, Team-Gespräch, Fortbildung, Abstimmungsrunde, Fallkonferenz und dazu auch Anleitergespräch.

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Sofia Minör