Schwanger. Na, und?
27. September 2010
von Julienne VautrinLiebe Leserinnen und Leser,
ich habe Ihnen vor einigen Tagen den Blog „Ma vie en fauteuil“ vorgestellt. Heute habe ich wieder an seine Autorin Stephanie gedacht, weil sie seit einiger Zeit keine neuen Beiträge schreibt. Dann habe ich mich erinnert, dass sie neben ihrem Umzug nach Paris auch ihr viertes Kind bekommen hat. Ich habe gerade erneut ihren Beitrag zum Thema Schwangerschaft gelesen.
Der Titel lautet „Ja, ich erwarte mein viertes Kind. Na, und?“ Die Überschrift spricht für sich. Es geht um die Reaktionen der Leute, wenn sie von ihrer Schwangerschaft erfahren. Ihrer Ansicht nach könnte die Analyse des Verhaltens reichen, um eine Dissertation im Fach Soziologie zu schreiben. Sie möchte ihren Bekannten klarmachen, dass sie – eine schwangere Frau mit Behinderung – dennoch nicht als Paraplegikerin überlegt, sondern als Frau.
Der Artikel Mütter mit Behinderung von Gisela Hermes vom Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter – bifos e.V auf der Webseite Geburtskanal fasst die gesamte Situation von schwangeren Frauen mit Behinderung gut zusammen. Da wir schon das Thema Barrierefreie Arztpraxen im Blog angesprochen hat, will ich es jetzt nicht vertiefen. Nur kurz: die Situation bei barrierefreien Frauenarztpraxen sieht nicht besser aus, vielleicht sogar noch viel schlimmer. Die Vorurteile der Gesellschaft sind groß. Ein Satz, wie ihn Stephanie von einigen ihrer Bekannten gehört hat, scheint schon typisch zu sein: „Sie haben schon genug zu tun, wie wollen Sie das noch schaffen?“ Barrieren in den Köpfen aus Mangeln an Informationen und aus Unsicherheit sind auch bei Menschen aus dem Gesundheitswesen zu beobachten. Frau Dr. Maria Hettenhofer listet in ihrem Bericht über das Frankfurter Modellprojekt für körperbehinderte Mütter einige Beispiele auf. Leider gibt es nur wenige Orte, die barrierefreie Schwangerschaftsberatung und -begleitung für behinderte Frauen anbietet. In Berlin ist zum Beispiel das Angebot vom Familienplanungszentrum BALANCE einzigartig.
Wo kann man sich informieren?
Man kann selbstverständlich zu lokalen Schwangerenberatungsstellen gehen. Adressen finden Sie zum Beispiel im Familienratgeber. Einige Beratungsstelle beschäftigen sich näher mit dem Thema Schwangerschaft und Behinderung. Am Besten informieren Sie sich bei der größten Anlaufstelle, dem Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern bbv e.V. Der Verband bietet auch persönliche und telefonische Beratungen. Dazu vermittelt er Kontakt zu behinderten Eltern. Selbsthilfegruppen besitzen auchviel Fachwissen zum Thema. Viele Netzwerke für behinderte Frauen haben Gruppen, die einen Erfahrungsaustausch für Mütter mit Behinderung anbieten, wie zum Beispiel das Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V. Wenn sich keine Gruppe in ihrer Nähe trifft, ist die Plattform LebensWunder – kurz Lewu - wirklich zum empfehlen.
Neben Fragen zum Thema Kinderwunsch und Schwangerschaft, finden Sie auch auf der Plattform Tipps für die Zeit nach der Geburt. Überspringen wir aber nicht alle Etappen! Dies wird Thema eines zukünftigen Beitrages.
Herzliche Grüße aus der Villa Donnersmarck
Julienne Vautrin








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