Archiv für Kategorie ‘In Europa’

Tage des Ähnlichen

21. März 2012

von sminoer

Kära läsare!

Bis jetzt habe ich fast nur über Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland geschrieben. Aber sind die Länder wirklich so verschieden? Ja, es gibt Tage, da denke ich überhaupt nicht darüber nach, ob etwas wie zu Hause in Lund ist oder nicht. Es scheint mir auch einmal wichtig, über diese Tage der Gleichheit, des Ähnlichen zu schreiben. Heute werde ich über ein Ereignis berichten, das mir vor kurzem passierte und das mein Herz zusammenfahren ließ.

Ich bin mit einer Bewohnerin einkaufen gegangen. Sie fuhr mit dem Rollstuhl ganz normal auf dem Gehsteig. Doch unvermutet und plötzlich drehte sie sich um und fuhr rückwärts die Bordsteinkante hinunter. Ich war ein paar Schritte vor ihr und sah dann plötzlich, wie der Rollstuhl fast umkippte. Der Bordsteinkante war einfach richtig hoch. Wenn man mit einem Rollstuhl durch die Strassen fährt, sieht man die Stadt mit anderen Augen. Wo kann man gehen (oder besser fahren), wo die Straße nicht voller Löcher ist. Wo kann man Toiletten finden, die für Rollstuhlfahrer angepasst sind? Wie eng sind die Gänge in den Geschäften?

Zu Hause habe ich mehrere Jahre im Bereich der Behindertenhilfe gearbeitet. Und ich habe in der Stadt keine Fortschritte gesehen. Es gab auch dort noch Cafés und sogar Ämter, die man nicht oder nur unter Schwierigkeiten mit einem Rollstuhl betreten konnte. Genauso, wie ich es hier bemerkt habe. Ich war einmal mit einer anderen Bewohnerin in ein Café. Wir konnten genau durch die Tür gehen und das aber nur mit Hilfe von jemandem, der die Tür aufhielt. Sollte das wirklich sein?

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Sofia

Wie bitte? Sprache als Herausforderung und Schlüssel

19. Februar 2012

von sminoer

Kära Läsare

Nun bin ich seit 2 Wochen Praktikantin. Jeden Tag werde ich von vielen neuen Eindrucken bestürmt und mein Gehirn arbeitet mit Hochdruck. Am Ende des Arbeitstages bin ich völlig erledigt. Einer der vielen Eindrücke, mit denen ich täglich konfrontiert werde, ist die Sprache. Die Sprache ist der Schlüssel, um in den Dialog zu kommen, um Begegnungen zu schaffen und um anderen Menschen und Kulturen zu verstehen. Weil Schwedisch meine Muttersprache ist, muss ich in meinem Berliner Praktikum immer wieder ganz besonders über Sprache, über die deutsche Sprache reflektieren. Wie man sie benutzt, wie man sich ausdrückt und welche Bedeutung sie in Beziehungen hat.

Die Standardphrasen in meinem Praktikum sind: Wie bitte? Noch Mal, bitte? Könnten Sie bitte langsamer und deutlicher sprechen? Ich bin froh und erleichtert, dass die Bewohner in der Alten Mälzerei Geduld haben und dass die sich solange wiederholen, bis ich sie genau verstanden habe. So zu sein, ist nicht selbstverständlich. So eine Geduld mit jemandem zu haben und die Demut, die sich dabei zeigt, ist eine Erfahrung, die ich in die Zukunft mitnehmen will.

Jemandem zu zuhören heißt respektvoll zu sein.  Meine Kollegen müssen ebenso Geduld aufbringen und manchmal weiß ich, dass ich vor lauter Konzentration ganz ernst aussehe. Aber es ist eine Herausforderung, die ich mag.  Und jeden Tag geht es besser.

Höflichkeit nimmt man in Deutschland sehr ernst. Hier bin ich “Frau Minör”,  in Schweden bin ich “Sofia”. Der Titel oder “Sie” zu jemandem zu sagen, ist mir fremd. Ich bin daran gewöhnt, zu allen, egal wer er ist, “Du” zu sagen. Auch in diesen Situationen bin ich den Bewohnern dankbar, weil sie Verständnis zeigen, wenn ich “Sie” und “Du” immer wieder vermische. Für mich ist es schon hart genug, die deutschen Sätze zu formulieren. Trotz die Schwierigkeiten und der Unterschiede zwischen der deutschen und der schwedischen Sprache, kämpfe ich weiter mit den Schwierigkeiten. Und meine Erkenntnis steht fest: Die Sprache ist der Schlüssel, um Menschen mit Respekt und Verständnis kennen zu lernen.

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Fröken Minör

Ein frischer Blick – eine Schwedin in Berlin

13. Februar 2012

von sminoer

Kära läsare!
ich bin Sofia, eine 24jährige Praktikantin bei der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin. Ich praktiziere seit 2 Wochen in der Alten Mälzerei Pankow, die ein Teil des Ambulant Betreuten Wohnen ist. Mein Praktikum dauert 4 Monate und eine meiner Aufgaben ist, hier in diesem Blog zu schreiben. Im Blog werde ich meine Erfahrungen mit Ihnen teilen.

Wer bin ich denn?
Ich komme aus Lund, einer Stadt in Südschweden. An der dortigen Universität studiere ich Sozialarbeit. Ich habe schon 4 Semester hinter mir und in diesem Semester mache ich mein Praktikum. Die meiste Kommilitonen machen ihr Praktikum in Schweden, aber ich wollte es lieber irgend woanders machen. Ich wollte nach Deutschland fahren, weil ich es spannend finde, andere Kulturen zu erleben. In der Schule habe ich mehrere Jahre Deutsch gelernt und hier will ich mein Deutsch benutzen und verbessern.

Ich finde es auch wichtig, in meinem zukünftigen Beruf zu wissen, wie Sozialarbeit in anderen Ländern funktioniert, um eine breitere Perspektive zu bekommen. An der Universität habe ich das schwedische System kennen gelernt und jetzt werde ich das deutsche System in der Praxis kennen lernen.

Durch die Alice Salomon Hochschule in Berlin bin ich mit der Fürst Donnersmarck-Stiftung in Kontakt gekommen. Die Universität in Lund hat ein Austausch mit der Alice Salomon Hochschule und ich mache mein Praktikum durch die Alice Salomon Hochschule. Die Hochschule hat die Fürst Donnersmarck-Stiftung für mein Praktikum vorgeschlagen. Ich habe dann auf die Internetseite geguckt und fand es interessant. Ich habe mit Behinderten in Schweden gearbeitet und deshalb habe ich schon ein wenig Erfahrung in diesem Bereich. Wegen dieser Erfahrungen kann ich die Systeme der Länder vergleichen. Ich habe zwar in Schweden noch nicht als Sozialarbeiterin gearbeitet, aber ich habe doch wenige Kenntnisse, wie es läuft.

Hoffentlich finden Sie meine Perspektive interessant. Ich jedenfalls freue mich darauf, meine Erfahrungen mit Ihnen zu teilen.

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Sofia Minör