Forschungspreis 2009 - ein Hörbericht

Preisverleihung am 6.11.2009

Transkription

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung vergab auf einer feierlichen Veranstaltung Anfang November in Berlin den Forschungspreis zum Thema „Nachklinische Rehabilitation von Menschen mit Hirnschädigungen“. Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland alljährlich schwere Hirn-Verletzungen. Meist sind Unfälle und Infarkte die Ursachen. Mit dem Forschungspreis will die Stiftung die Entwicklung wirkungsvoller Therapien fördern. Dr. Guidotto Fürst von Donnersmarck betonte in seiner Begrüßungsrede die internationale Beteiligung und das hohe Niveau der eingereichten Arbeiten:

Die vorliegenden Arbeiten leisten, ob preisgekrönt oder nicht, durchweg einen wertvollen Beitrag zur wissenschaftlichen Erarbeitung des naturgemäß weitgespannten Behindertenwesens. Ich hoffe und erwarte, dass die Teilnahme an dem Wettbewerb bewirkt, dass alle eingereichten Arbeiten erhöhte Aufmerksamkeit und Verbreitung erfahren, die sie verdienen. Die Etablierung des Preises überhaupt erinnert an die Intention des Stifters. Die praktische, rehabilitatorische Arbeit in neuen Feldern der Rehabilitation mit der wissenschaftlichen Erschließung dieser Arbeit zu verbinden.

Der Forschungspreis wurde bereits zum zweiten Mal verliehen und ist mit 30.000,- € für wissenschaftliche Arbeit dotiert. Die Jury entschied sich, zwei gleichwertige Hauptpreise zu vergeben. Einen erhielt Prof. Gereon Fink vom Universitätsklinikum Köln. Fink arbeitet mit starken Magnetfeldern zur Stimulation des Gehirns. Der Jury-Vorsitzende, Prof. Paul Walter Schönle hebt an Finks Ansatz besonders die Erkenntnis hervor:
Dass nur ein kombinierter Ansatz, der sowohl die zelluläre Übertragung wie auch die Netzwerkebene zusammenfasst, zu einem besseren Verständnis der Pathophysiologie schädigungsbedingter Ausfallserscheinungen führt. Dieser kombinierte Ansatz erlaubt es dann, durch die therapeutische Modulation der neuronalen Netzwerke Verbesserungen der gestörten Funktionen zu erreichen.

Der mit dem Forschungspreis Geehrte zeigte seine Freude, schlug aber auch nachdenkliche Töne an:
Auch wenn heute hier Wissenschaftler ausgezeichnet werden, so sollen wir nie vergessen, das was uns eint, ist der Kampf, denen zu helfen, denen es nicht so gut geht wie uns hier. Und bei aller Freude möchte ich das hier zum Ausdruck bringen.

Und er betonte, dass Forschung meist nur in kleinen Schritten vorangehe:
Denn analog zu den kleinen Verbesserungen, die mit Medikamenten erreicht werden können, ist nicht zu erwarten, dass wir von heute auf morgen diese Meilenschritte machen, mit denen wir plötzlich einen Schalter umlegen und dann funktioniert es. Was wir brauchen, sind kleine Schritte.

Der zweite Hauptpreis ging an Prof. Susanne Trauzettel-Klosinski vom Universitätklinikum Tübingen. Jury-Mitglied Prof. Karl Wegscheider zur Begründung der Preisvergabe:
Wir fanden diese Studie methodisch mustergültig. Das heißt, sie zeigt das, was sie zeigen will mit ausreichender Genauigkeit. Und sie liefert uns die wesentliche Erkenntnis, dass das Sakkadentraining nicht nur bei den technischen Parametern besser ist als die Kontrolle. Sondern, dass sich diese Vorteile auch in der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und in der Verbesserung der Lebensqualität niederschlagen. Und die Erfolge bleiben nach Ende der Therapie bestehen. Wir haben ein nachhaltiges Therapiekonzept, dem wir nur wünschen können, dass es sich durchsetzt.

Prof. Susanne Trauzettel-Klosinski zeigt mit ihrem Beitrag, dass bei Betroffenen, die an einem halbseitigen Gesichtsfeldausfall beider Augen leiden, durch spezielle Trainingsmaßnahmen eine Verbesserung des Sichtfeldes zu messen ist. Für sie ist die Wirkung des Forschungspreises besonders wichtig:
Dieser Preis hat vielfältige positive Auswirkungen. Er führt zu einem verbesserten Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Probleme der betroffenen Patienten und auch ihrer Angehörigen. Er demonstriert die Bedeutung der Rehabilitationsforschung und einer evidenz-basierten Neurorehabilitation. Er wird die Forschung auf dem Gebiet weiter vorantreiben und zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen. Diese neuen Erkenntnisse werden konkret umgesetzt und dem Patienten direkt zugute kommen.

Zusätzlich zu den beiden Hauptpreisen gab es sechs weitere besondere Belobigungen. Damit wurden herausragende Arbeiten hervorgehoben, die sich mit so unterschiedlichen Themen wie Kühlkleidung für Multiple Sklerose-Kranke, oder mit einem standardisierten Training für Lernrehabilitation oder mit dem Robotereinsatz bei speziellem Armtraining beschäftigen.

Doch die Feier und die Preisvergabe waren nicht der Schlusspunkt. Es ist geplant, dass sich die Preisträger und die Belobigten vernetzen und ihr Wissen austauschen. Das Ziel ist dabei, die inhaltliche Arbeit weiterzuführen und die neurologische Rehabilitation weiter zu entwickeln.

 

 

Hörbericht

Podcast

Ein Bericht zum Hören über die Preisverleihung im Forschungspreis 2009 der Fürst Donnersmarck-Stiftung

 

Daten zum Beitrag

Länge: 5 min 09
Datum: 06.11.2009
Autor: Klaus Fechner

 

Mehr für die Ohren

Ein Kopfhörer als schwarze Strichzeichnung vor weißem Hintergrund

Hörberichte / Podcasts aus der Stiftung