Preisverleihung 2009

Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin verleiht zum zweiten Mal weltweit einmaligen Forschungspreis für neurologische Rehabilitation

Vier Personen stehen, ein Rollstuhlfahrer sitzt, die Preisträger halten die Urkunden in das Bild

Berlin, 06. November 2009 – Für herausragende Arbeiten im Bereich der neurologischen Rehabilitation zeichnete die Fürst Donnersmarck-Stiftung Dr.Susanne Trauzettel-Klosinski, Professorin am Universitätsklinikum Tübingen, und Dr. Gereon R. Fink, Universitätsprofessor an der Uniklinik Köln, mit ihrem Forschungspreis zum Thema „Nachklinische Rehabilitation von Menschenmit Hirnschädigungen“ aus. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis ist der erste weltweite Preis, der sich der neurologischen Rehabilitation widmet. Jeder Preisträger erhält je 15.000 Euro für seine wissenschaftliche Arbeit.
Weitere sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhielten eine Belobigung für ihre überzeugenden Arbeiten. Weltweit hatten zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Wissenschaftlerteams unter anderem aus den USA ihre Arbeiten eingereicht.

Jährlich erleiden bundesweit rund 270.000 Menschen schwere Schädel-Hirn-Verletzungen auf Grund von Unfällen, Infarkten und Schlaganfällen, allein in Berlin sind es etwa 11.000 Menschen. Zunehmend sind auch junge Menschen ab dem 30. Lebensjahr betroffen. Schlaganfälle sind eine der häufigsten Ursachen von Berufs- und Erwerbsunfähigkeit. Damit die Betroffenen wieder ein möglichst selbstständiges Leben führen können, hat die Fürst Donnersmarck-Stiftung den Forschungspreis ausgelobt. Mit dem Preis fördert sie die Entwicklung wirkungsvoller Therapien.

Das Kuratorium der Fürst Donnersmarck-Stiftung, vertreten durch den Kuratoriumsvorsitzenden Guidotto Fürst von Donnersmarck, sowie den Jury-Vorsitzenden Prof. Dr. Dr. Paul Walter Schönle und Jury-Mitglied Prof. Dr. Karl Wegscheider, ehrten bei dem Festakt die beiden Wissenschaftler.

Prof. Dr. med. Susanne Trauzettel-Klosinski hat sich intensiv mit der Post-Akuten Neurorehabilitation für Menschen mit Halbseitenblindheit nach erworbener Hirnschädigung auseinander gesetzt – 20 bis 30% der Menschen miterworbenen Hirnschädigungen sind visuell beeinträchtigt.

Trautzettel-Klosinskis Arbeit zeigt, dass bei Betroffenen, die an einem halbseitigen Gesichtsfeldausfall beider Augen und dadurch unter starken Orientierungsstörungen und eingeschränkter Mobilität leiden, durch kompensatorisches, die raschen Augenbewegungen begünstigendes Training eine erhebliche Verbesserung des Sichtfeldes zu messen ist. Die Ergebnisse sollen zur Etablierung einer evidenz-basierten Seh-Neurorehabilitation nach erworbenen Hirnschädigungen beitragen und so den Betroffenen eine erhöhte Lebensqualität und den Wiedereinstieg in das Alltags- und Berufsleben ermöglichen. Prof. Schönle betonte: „Die Arbeit ist auf hohem methodischem Niveau und von unmittelbarer praktischer Bedeutung, sie trifft den Kern derAusschreibung.

Univ.-Prof. Gereon Fink erforscht die Modulation von neuralen Netzwerken zur Funktionsverbesserung schlaganfallbedingter Defizite wie Halbseitenlähmungen durch transkranielle Magnetstimulation (TMS) oder transkranielle Gleichstromstimulation (TDCS). Mithilfe starker Magnetfelder können Bereiche des Gehirns sowohl stimuliert als auch gehemmt werden. Dies führt im Gehirn zur Auslösung von Aktionspotenzialen. Fink zeigt, dass diese Art der Stimulation zu einer Funktionsverbesserung bei den Betroffenen führt. Der Laudator Prof. Wegscheider hob hervor: „Gereon Fink und seine Arbeitsgruppe werden für die überragenden wissenschaftlichen Leistungen zur Verbesserung von beeinträchtigten Hirnfunktionen durch Verhaltenstraining, medikamentöse Stimulierung oder technische Ansätze ausgezeichnet. Die Arbeiten schlagen die Brücke von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung und haben hohe rehabilitative Relevanz für eine Vielzahl von Patienten, die im Alltag und Beruf an den Folgen ihrer neurologischen Erkrankungen leiden.

Aktuelle Forschungsergebnisse fließen in die Arbeit des P.A.N. Zentrums für Post-Akute Neurorehabilitation im Fürst Donnersmarck-Haus ein. Das Zentrum wurde vor rund einem Jahr von der Fürst Donnersmarck-Stiftung aus der jahrelangen Arbeit mit Schädelhirn-Traumatisierten Klienten weiterentwickelt. Hier finden Menschen mit erworbenen Schädel-Hirn-Verletzungen die besten Bedingungen auf ihrem Weg zurück in den Alltag.

 

Die Jury

Prof. Dr. phil. Dr. med. Paul Walter Schönle
(Vorsitz)
Maternus-Klinik
Bad Oeynhausen
Universität Konstanz
Kuratoriumsmitglied der Fürst Donnersmarck-Stiftung

Dr. med. Guido Graf Henckel von Donnersmarck
Arzt für plastische Chirurgie
München
Kuratoriumsmitglied der Fürst Donnersmarck-Stiftung

Prof. Dr. phil. Markus Dederich
Fakultät Rehabilitationswissenschaften
Universität Dortmund

Prof. Dr. phil. Dr. med. Manfred Herrmann
Zentrum für Kognitionswissenschaften
Abteilung für Neuro-Psychologie/Verhaltensneurobiologie
Universität Bremen

Prof. Dr. rer. nat. Jürgen Innenmoser
Institut für Rehabilitationssport, Sporttherapie und Behindertensport
Universität Leipzig

Prof. Dr. rer. pol. Karl Wegscheider
Institut für Statistik und Ökonometrie
Universität Hamburg

 

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Forscher, Betroffene und Praktiker in der Rehabilitation im Austausch

Am 14.3.2008 erschien ein Hörbericht zum Einladungsworkshop „Forschen und beforscht werden" in der Rehabilitation, der auf Initiative der Fürst Donnersmarck-Stiftung und der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) am 28. und 29. Februar 2008 im HausRheinsberg stattfand. Rund 60 Betroffene, Forscher und Praktiker aus dem Bereich Rehabilitation tauschten sich über Forschungsgegenstände und Forschungsmethoden, aber auch über den Umgang der verschiedenen Gruppen innerhalb des Forschungsprozesses aus.
Die ersten Ergebnisse des Workshops wurden im April 2008 unter dem Titel "Patientenorientierung bei der Erforschung chronischer Krankheiten - eine (nicht nur ) methodische Herausforderung" von Professor Karl Wegscheider (oben Mitte) präsentiert.

 

 

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