Abenteuer Öffentlicher Personennahverkehr oder Geschenke statt Forderungen

Siegerehrung und Übergabe der Rampen an die Gewinner der Aktion �Du bist mir wichtig � ich möchte dich erreichen�

Gruppe um die liegende Rampe
 
Die Gewinner der Rampen

Die Aktion fand am Freitag, dem 25. April, ihren Höhepunkt auf der Reha-Messe „Miteinander Leben“. Auf der Hauptbühne der Halle 24 in den Messehallen unter dem Berliner Funkturm überreichten Eileen Moritz, die Initiatorin des Projektes der Fürst Donnersmarck-Stiftung, und Christine Albrecht, Behindertenbeauftragte der BVG, die verlosten Rampen an die Gewinner. Die Teilnehmer hatten Ihre Erfahrungen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geschildert und konnten so eine Rampe gewinnen. Diese Rampe ging an einen Ort, eine Institution ihrer Wahl, die sie erreichen wollten und vor der eine Stufe zu überwinden war.  Während der Veranstaltung gaben die Gewinner gleichzeitig die Bestimmungsorte der Rampen bekannt.
 
Montage von vier Personen im Porträt
 
Bundesbehindertenbeauftragte Karin Evers-Meyer und drei Gewinner: Ursula Lehmann, Dr. Waltraud Wölfel, Konrad Hickel (v.l.n.r.)


Die Idee dahinter - „Du bist mir wichtig – ich möchte dich erreichen“

Die beiden Frauen, die das Projekt umgesetzt haben, wollten das alte und doch ewig neue Thema Mobilität und Barrierefreiheit neu denken. Neben der bestehenden Forderung, dass Barrierefreiheit als Bürgerrecht auf politischer Ebene durchgesetzt und ausgeweitet werden muss, hieß es bei dieser Aktion kurzzeitig „Geschenke statt Forderungen“.

In den letzten Wochen waren viele persönliche Geschichten, Tipps und Tourenvorschläge eingegangen. Eileen Moritz und Christine Albrecht waren nun mit der schweren Aufgabe betraut, unter den vielen interessanten, witzigen und schönen Einsendungen die besten, die neun Gewinner auszuwählen. Am meisten freuten sich die Moderatorinnen darüber, welche Vielfalt an eigenen Ideen die Teilnehmer aus der ursprünglichen Grundidee entwickelten.

Bestätigt darin, wie aktuell dieses vermeintlich altbackene Thema „Mobilität bzw. Barierefreiheit für Alle“ ist, konnten die Organisatorinnen lesen, welche große Bedeutung der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) für Menschen mit Behinderung hat. Er dient nämlich als Mittel für eine selbstverständliche selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Durch die Texte wurde erneut deutlich, dass das, „was für viele Menschen ohne Behinderung alltäglich ist, für die Teilnehmer an der Aktion einen hohen Wert hat: Eigenständigkeit, Unabhängigkeit, Spontaneität, und die Möglichkeit mit anderen Fahrgästen selbstverständlich mitfahren zu können“, so Eileen Moritz.

 
drei Personen im Gespräch
 
Das Gespräch zwischen Ronald Budach und den beiden Initiatorinnen Eileen Moritz (rechts) und Christine Albrecht

Aus den Einreichungen der Gewinner

Gewinnerin Hiltrud Walter z.B. schrieb, dass es Mut und eine positive Lebenseinstellung braucht, um das Abenteuer Öffentlicher Nahverkehr einzugehen. Sie betont, dass die Forderungen und Aktivitäten vieler behinderter Menschen die weitgehende Barrierefreiheit geschaffen haben. Sie hatte bereits in den 80er Jahren der ostdeutschen Reichsbahn den Vorschlag gemacht, die Bahnsteige an bestimmten Stellen anzuheben – leider damals ohne Konsequenzen aber mit einem „freundlichen“ Schreiben der Deutschen Reichsbahn von 1985, welches nach Ihrer Auffassung unbedingt archiviert werden sollte. Die gewonnene Rampe schenkt sie ihrem Tierarzt.

Die Siegerehrung von Roland Budach brachte eine Überraschung, denn er hatte die hintersinnige Idee, die BVG mit einer Rampe für den U- Bahnhof Innsbrucker Platz zu beschenken. Schmunzelnd nahm Frau Albrecht im Namen der BVG an, sagte aber zu, die Situation am Insbruckerplatz anders zu lösen, so dass Roland Budach einen zusätzlichen Gewinn erzielte.

Der als gerne und viel redende angekündigte Roland Walter hatte einen Text eingereicht, den die Moderatorin Eileen Moritz unbedingt vorlesen wollte. Nachdem sich das Publikum bereits auf einen längeren Vortrag eingestellt hatte, folgte unerwartet der kürzeste Beitrag des Wettbewerbs: „Ich stehe mit meinem E-Rolli an der Bushaltestelle Lankwitz Kirche. Der nette Busfahrer des X83 klappt die Rampe aus. Nachdem ich rein gefahren bin, sagt der mir schon bekannte Busfahrer: ,Möchten Sie Rathaus Steglitz wieder raus?' Ich grinse und nicke.“ Roland Walter hat die gewonnene Rampe seiner Kirchengemeinde zugedacht.

Die weiteren Gewinner sind: Hannelore Bauersfeld mit Weitergabe der Rampe an ihren Lieblings-Kiezladen „Knopf und Schnalle“; Hannelore Jerchow mit Weitergabe der Rampe an das „Haus der Jugend Anne Frank“; Hans-Jürgen Branig und Walter Kuhr mit Weitergabe an ein Restaurant in Britz; Konrad Hickel mit Weitergabe an die „Grüne Jugend“; Reiner Pilz mit Weitergabe an den Wassersportverein „Handycaps“; Ursula Lehmann, die die Rampe auf Wanderungen und ähnlichen Gelegenheiten einsetzt und dabei immer wieder von der Aktion berichtet und Waltraud Wölfel mit Weitergabe an das Schloss Biesdorf.

Die Texte werden veröffentlicht

Die Begeisterung über die eingegangen Beiträge brachte die Initiatoren der Aktion auf die Idee, die Texte für die Sensibilisierung des Themas Mobilität weiter zu verwenden und mit dem Einverständnis der Einsender für eine kleine Broschüre zusammenzustellen. Diese Broschüre könnte für das Mobilitätstraining der BVG und für die Motivation anderer behinderter Fahrgäste benutzt werden. Die beschriebenen Erlebnisse sollten vielen Mut machen, das Abenteuer ÖPNV zu wagen!

Annika Janßen
 
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