Alltag im Öffentlichen Nahverkehr

Nachbericht zum Jour Fixe in der Villa Donnersmarck am 11. Juni 2009

Wie barrierefrei ist die City im Jahre 2009, wo gibt es neue Aufzüge auf den U- oder S-Bahnhöfen und was sind aktuelle Probleme für Menschen mit Behinderungen bei der täglichen Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Berlin?

Diese und weitere Fragen erörterten am 11. Juni 2009 ein fünfköpfiges Podium, moderiert von Eileen Moritz, Fürst Donnersmarck-Stiftung, mit einem fachkundigen Publikum in der Villa Donnersmarck.

 
zwei Frauen an einem podium sitzend lachen

Bettina Jeschek von der S-Bahn Berlin, verantwortlich für die Instandhaltung der Stationen, und Christine Albrecht, Beauftragte für Fahrgäste mit Behinderungen, kennen die Probleme jedes einzelnen Bahnhofs genau. Insgesamt zogen beide eine positive Bilanz über die derzeitige Erreichbarkeit und Barrierefreiheit bei den U- und S-Bahnhöfen. So verfügen mittlerweile 74 U-Bahnhöfe über einen Aufzug oder Rampe und auch die S-Bahnhöfe sind zu Zweidrittel entsprechend ausgestattet. Corinna Lichtenberg vom Arbeitskreis Bauen und Verkehr der Berliner Senatsverwaltung bestätigte dies: „Ich bin viel unterwegs und genieße die Freiheit, die sehr viel größer geworden ist. 1987 gab es erst einen Aufzug, jetzt sind es 74 U-Bahnhöfe mit Aufzug oder Rampe.“


Die Senatsverwaltung beabsichtigt, beim Umbau der Bahnhöfe nicht nur die Belange von gehbehinderten Fahrgästen im Blick zu haben. 150 Bahnhöfe verfügen zusätzlich über ein Blindenleitsystem. Fahrgäste mit Höreinschränkungen werden sich künftig leichter an Bushaltestellen orientieren können. Das bestätigte Irmgard Königstorfer von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales „Das Ziel ist es, dass alle U- und S-Bahnhöfe wirklich barrierefrei erschlossen sind und die Fahrzeuge einen möglichst stufenlosen Eingang haben.“

 
ein Mann und eine Frau sitzen auf dem Podium und hören aufmerksam zu

Auch Jens-Holger Kirchner, Stadtrat in Berlin-Pankow, lobte die gute Zusammenarbeit mit den Unternehmen des ÖPNV. Das Herstellen größtmöglicher Barrierefreiheit spielt in der Zusammenarbeit zwischen ÖPNV und den Bezirksämtern eine große Rolle. „ Bei dem Ziel den öffentlichen Raum barrierefrei umzubauen, muss man sich vernetzen und in den Gremien dafür werben“, erklärt Kirchner seinen Ansatz.

Auch Publikumsstimmen wiesen daraufhin, dass Barrierefreiheit nicht am Bahnhofseingang aufhören dürfe. Baustellen oder Gehwege mit Straßencafés in unmittelbarer Nachbarschaft erschweren nicht nur den Rollstuhlfahrern einen ungehinderten Zugang zum Bahnhofsgelände. Unzulänglichkeiten bei Umbaumaßnahmen um den Bahnhof herum räumte Kirchner ein und merkte kritisch an, dass Barrierefreiheit betreffende Baupläne der Bezirke erst spät umgesetzt werden und bei der Ausführung zum Teil schon veraltet sind.

 
Menschen im Publikum hören den Experten zu

Häufige Reparaturen störanfälliger Aufzügen und die damit verbundenen langwierigen Umwege der Nutzer, Stufenunterschiede, Schwierigkeiten beim Ein- und Ausstieg, Auseinandersetzungen mit Busfahrern gehören dennoch immer noch zum Alltag mobilitätseingeschränkter Fahrgäste. Die sachkundigen Publikumsgästen klärten die Podiumsexperten detailliert über aktuelle Behinderungen auf und wurden ernst genommen.


Auch bestätigten die Teilnehmer, dass barrierefreie Maßnahmen allen Fahrgästen zugute kommt. So äußerte ein selbst gehbehinderter Gast unter starkem Applaus der Anwesenden: „Es ist Zeit, dass alle begreifen, dass Aufzüge, gute Zugänglichkeit der Fahrzeuge allen Vorteile bringt und nicht nur dem behinderten Fahrgast.“

Zwar ist Berlin noch entfernt von seinem erklärten Ziel, eine barrierefreie Stadt zu sein, aber die Diskussion zeigte erneut, dass der eingeschlagene Weg erfolgreich ist.

Ursula Rebenstorf

 

 

Podcast

Ein Kopfhörer als als schwarze Strichzeichnung vor weißem Hintergrund

Audiobeitrag über den Jour Fixe

 

Die Einladung

Einladung und Programm