Pankow ist dufte – und wir sind mittendrin

Nachbericht zum Pankower Kiezfest am 7. September

Mann vor seinem Porträt, deutet mit dem Finger auf sein eigenes Bild

Bei herrlichem Spätsommerwetter fand am Sonntag, den 7. September 2014, in der Florastraße, Berlin-Pankow, das Flora-Kiezfest statt. Anwohner und Gewerbetreibende luden zum sechsten Mal zu einem bunten Straßenfest ein. Unter dem Stiftungsmotto „Mittendrin so wie ich bin“ hat sich erstmalig auch das Wohnen mit Intensivbetreuung (WmI) daran beteiligt. Die Mieter des WmI, die seit fast 4 Jahren im Kiez leben, fühlen sich in Pankow wohl und das wollen sie auch zeigen.

Die Idee zur Mitwirkung am Kiezfest entstand in einer aus 6 Mietern und 4 Mitarbeitern bestehenden Arbeitsgruppe. Diese trifft sich seit Anfang 2013 einmal monatlich und entwickelte gemeinsam eine Sozialraumkarte, die die Mieter dabei unterstützt, das neue Wohnumfeld besser kennen zu lernen und ihnen einen Überblick über die Möglichkeiten im Sozialraum bietet. Dazu wurden Orte u.a. hinsichtlich ihrer Zugänglichkeit getestet und bewertet. Im Vordergrund stand dabei jedoch der Aufbau nachhaltiger Kontakte im Sozialraum.

Saskia Balke, die als Sozialarbeiterin im WmI arbeitet und maßgeblich das Projekt begleitet, meint: „Es macht Spaß, den Kiez gemeinsam aktiv zu erkunden und es freut uns, dass trotz des überwiegend alten Gebäudebestands bereits viele Orte in Pankow barrierearm bzw. barrierefrei sind. Dennoch wird deutlich, dass es noch ein weiter Weg zu einem barrierefreien Sozialraum FÜR ALLE ist.“

Die Präsenz beim Kiezfest sowie die aktive Mitwirkung bei der Planung ist ein Mosaikstein auf dem Weg dahin. Denn die Karte, die am Stand präsentiert wurde, sorgte für Aha-Erlebnisse bei so manchem Anwohner. Aus dem Blickwinkel der Barrierefreiheit hatten viele Nachbarn ihren Kiez bisher noch nicht betrachtet.

 

Rollstuhlparcour beim Kiezfest

Mädchen mi Begleitung einer Frau versucht vom Rollstuhl aus mit einer Greifzange Socken aus einem Bottich zu holen

Auch ein eigens aufgebauter Rollstuhlparcours ermöglichte es den Besuchern die Bedürfnisse von Menschen, die mit körperlichen Einschränkungen leben, ansatzweise nachzuvollziehen. Es herrschte großer Andrang, besonders Kinder wollten die Slalom-Strecke auf Kopfsteinpflaster absolvieren und einhändig Haushaltstätigkeiten - wie etwa Wäsche vom Ständer zu nehmen - erledigen. Am Stand zog eine „Grabbelkiste“ die Blicke auf sich. Eine Kollegin hatte sie mit Liebe zum Detail in Form des Mälzerei-Gebäudes gestaltet. Im Umgang mit dem „heißen Draht“ konnten Interessierte ihre feinmotorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Steffen Debbert, Mieter des WmI und Mitglied der Arbeitsgruppe ist zufrieden: „Es war ein schöner Tag und ich finde das WmI hat sich auf dem Kiezfest perfekt präsentiert, ein voller Erfolg, denke ich. Aber dass es erfolgreich werden musste, sah man schon daran mit welcher Freude der Stand aufgebaut wurde. Jeder war mit Elan dabei“, lobt er die Mitarbeiter und seine Mitbewohner.

 

Hintergrund

Rollstuhlfahrer bringt zwei Tüten mit Bonbons

Seit 2010 leben 16 Menschen mit schweren Behinderungen, die zuvor stationär betreut wurden, in eigenen Appartements in der Alten Mälzerei Pankow. Die Fürst Donnersmarck-Stiftung verfolgt mit diesem Angebot das Ziel, den Klienten gemäß Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention „unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft“ zu ermöglichen.

 

Weitere Informationen zum Wohnen mit Intensivbetreuung finden Sie hier.

 

 

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