Friedrichshainer Kolloquium 2017 gestartet

Bericht von der letzten Veranstaltung

Blick in den Vortragssaal. Prof. Dieckmann und Dr. Katrin Grüber sitzen am Tisch. Links im Bild sieht man einer Power-Point Präsentation "Herzlich willkommen! Friedrichshainer Kolloquium 2017"

Dr. Katrin Grüber und Prof. Friedrich Dieckmann eröffnen das Friedrichshainer Kolloquium 2017

„Alter & Behinderung, Gemeinsam denken – Unterschiede anerkennen“ lautet das Rahmenthema des Friedrichshainer Kolloquiums 2017, das nunmehr im sechsten Jahr vom Institut Mensch, Ethik, Wissenschaft (IMEW) in Kooperation mit der Villa Donnersmarck durchgeführt wird und am Dienstag, den 4. April, seine gut besuchte Auftaktveranstaltung hatte.

Alter und Behinderung werden in der Öffentlichkeit in der Regel getrennt diskutiert, sind vor dem Hintergrund des demographischen Wandels aber eng miteinander verflochten. Denn einerseits wird mit der steigenden Lebenserwartung von Menschen mit Behinderung die Gestaltung altersadäquater Wohn- und Teilhabeangebote eine wichtige Herausforderung für die Träger der Behindertenhilfe. Andererseits werden die meisten Behinderungen erst im Alter erworben, sodass mit den demographischen Verschiebungen auch der Anteil von Menschen mit Behinderung in der Bevölkerung zunehmen wird.

 

Lebenserwartung und Lebensqualität von Menschen mit sog. geistiger Behinderung im Alter

Ein groß gewachsener Mann in der Bildmitte spricht in der Bildmitte. Im Bildvordergrund sitzen die zahlreichen Besucher.

Prof. Friedrich Dieckmann referiert von seinem aktuellen Forschungsprojekt

In diesem Spannungsfeld bewegte sich auch die erste Veranstaltung der Reihe, die Prof. Friedrich Dieckmann, Leiter des Instituts für Teilhabeforschung der Katholischen Hochschule NRW, eröffnete. Dieckmann konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die „Lebenserwartung und Lebensqualität von Menschen mit sog. geistiger Behinderung im Alter“. Am Beispiel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen arbeitete er die besondere Situation dieser Gruppe im Alter heraus und zeigte auf, dass die Träger der Behindertenhilfe sich noch nicht auf die veränderten Unterstützungsbedarfe alter Menschen mit geistiger Behinderung eingestellt haben.

In seinem Fazit betonte Dieckmann den Anspruch von Menschen mit Behinderung, auch im Alter selbstbestimmt und in einem möglichst ambulanten Setting zu wohnen. Weiterhin forderte er, auch Menschen mit geistiger Behinderung die Möglichkeit einer positiven und teilhabeorientierten Lebensgestaltung im Alter zu ermöglichen.

 

Alt werden von Menschen mit Kleinwuchs

Zwei Frauen in der Bildmitte am Tisch sitzend. Frau Behrisch auf der rechten Seite spricht und gestikuliert.

Alicia Prinz (links) und Prof. Birgit Behrisch bei ihrem Vortrag.

Den zweiten Teil des Nachmittags bestritten Prof. Birgit Behrisch von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin sowie Alicia Prinz von AGENON mit einem Vortrag über „Alt werden von Menschen mit Kleinwuchs“. Die Grundlage des Vortrags war ein 2013/2014 durchgeführtes Kooperationsprojekt des IMEW mit dem Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsiger Menschen (VKM), in dem anhand zehn qualitativer Interviews die gesundheitliche Situation älter werdender Menschen mit Kleinwuchs untersucht wurde.

Die Studie zeigte, dass alle Interviewteilnehmer die eigene Gesundheit als Garant für die eigene Selbstständigkeit betrachten. Die Zunahme körperlicher Beschwerden im Alter aufgrund von Fehl- und Überbelastungen werden von ihnen dementsprechend als Bedrohung dieser Selbstständigkeit wahrgenommen. Im Rückblick hätten sich die Befragten deswegen verstärkte präventive Maßnahmen und eine intensivere Gesundheitsaufklärung gewünscht, um diesen Begleiterscheinungen des Alterns besser entgegenwirken zu können.

 

Abschluss und Ausblick

Im Bildvordergrund sieht man eine Frau im Rollstuhl gestikulierend.

Eileen Moritz, Behindertenbeauftragte des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, in der engagierten Abschlussdiskussion.

In ihrem eindrücklichen Abschlussplädoyer, das gleichzeitig in die sehr angeregte Abschlussdiskussion überleitete, stellten Behrisch und Prinz gleichwohl in Frage, ob die in der Regel negativ konnotierte Verknüpfung von Alter und Behinderung immer gerechtfertigt ist oder ob es nicht auch positive Lebensentwürfe für alte Menschen mit Behinderung geben könne. Diese und viele weitere Fragen werden in der nächsten Runde des Friedrichshainer Kolloquiums sicherlich weitergeführt werden. Am 13. Juni 2016 geht es mit den Vorträgen von Swantje Köbsell, Alice Salomon Hochschule, und Katrin Falk, Institut für Gerontologische Forschung, weiter.

 

 

Download

Grafik: Das Plakat zum Friedrichshainer Kolloquium 2017 mit allen Veranstaltungsdaten als Miniaturansicht
 
 

Das Jahresprogramm zum Herunterladen

 

Anmeldung

Villa Donnersmarck

Schädestr. 9-13
14165 Berlin-Zehlendorf
Telefon: 030 - 84 71 87 - 0
Telefax: 030 - 84 71 87 -23

 

Info

Nähere Informationen finden Sie beim IMEW