Hörbericht zur Verleihung des Forschungspreises 2021

Blick über die Köpfe des Publikums bei der Preisverleihung in der Französischen Friedrichstadtkirche Berlin
 
 

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung zeichnet mit dem internationalen Forschungspreis alle drei Jahre herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus dem Bereich der Neurorehabilitation aus. Das Ziel ist es, die öffentliche sowie wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Rehabilitations- und Versorgungsforschung für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen zu richten.

Hier geht es zum Hörbeitrag (MP3-Audio, 3.1 MB)

 

Begrüßungsreden

Am 12. November 2021 wurde der Forschungspreis bereits zum sechsten Mal vergeben, die Preisverleihung fand in einem Festakt in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt statt. In seiner Begrüßungsrede betonte der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Dr. Guidotto Graf Henckel Fürst von Donnersmarck, die langjährige Forschungs-Tradition der Stiftung:

 

Rehabilitation körperbehinderter Menschen – wie die Stiftungssatzung sagt – und Forschungspreis stehen in der Tradition der Gründung der Stiftung, die mit einer zu errichtenden Krankenanstalt und einem der Krankenanstalt angeschlossenen Institut, einem wissenschaftlichen Institut, die Rehabilitation Kriegsverletzter wahrnehmen sollte.

 
Dr. Guidotto Graf Henckel Fürst von Donnersmarck bei seinem Grußwort

Dr. Guidotto Graf Henckel Fürst von Donnersmarck

 
 

Schon im Gründungsjahr 1916 war also der Aspekt der Forschung mitgedacht und eng mit der Rehabilitation verknüpft.

Jürgen Dusel ist der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Für ihn kommt der Rehabilitation ein wichtiger Stellenwert in einer Demokratie zu. Er stellte in seinem Grußwort die Bedeutung der Rehabilitation für die Inklusion heraus:

 

Oftmals und gerade hier bei der neurologischen Rehabilitation wird es doch augenscheinlich, ist eine gute Rehabilitation auf dem höchsten Stand der medizinischen Erkenntnisse und nicht nur der medizinischen, sondern zum Beispiel auch der sozialräumlichen Evidenzen, ist eine gute Rehabilitation doch die Voraussetzung für eine gelingende Inklusion.

 
Jürgen Dusel bei seinem Grußwort

Jürgen Dusel

 
 

Die ausgezeichneten Arbeiten

Die Fachjury wählte aus 33 Einreichungen aus Europa, Asien und Afrika zwei Arbeiten aus, die sich den mit 30.000 € dotierten Preis teilen. Ausgezeichnet wurde zum einen Dr. Giacomo Valle für seine Forschung zur Reizleitung nach Beinamputationen. Die Laudatio für den ersten Preisträger hielt Jury-Mitglied Prof. Stefan Knecht. Aus seiner Sicht öffnet die Forschung von Giacomo Valle neue Wege in der Rehabilitation:

 

Dazu hat er bei Oberschenkelamputierten in die Sprungfederprothese Sensoren zur Kniestellung und für den Fuß-Druck eingebaut. Die Informationen dieser Sensoren hat er gemeinsam mit Kollegen direkt auf einen Nervenstumpf geleitet. Die Gruppe hat den Nervenstumpf mit Elektroden versehen, so dass die Informationen von den Sensoren direkt in das Gehirn geleitet werden konnten.

 
Prof. Stefan Knecht

Prof. Stefan Knecht

 
 

Die Patienten konnten so ihre Prothesen „fühlen“. Für Giacomo Valle so etwas wie die Verbindung zwischen Maschine und Patient:

So, we finally reconnected human with the machine, with the protheses.

 

 
Dr. Giacomo Valle

Dr. Giacomo Valle

 
 

Den zweiten Teil des Forschungspreises erhielten Prof. Bettina Doering und Prof. Cornelia Exner für ihre Arbeit zur langfristigen Nachsorge bei Patienten mit Hirnschädigungen. Zu ihrer Würdigung sprach PD Dr. Christian Dohle, der ärztliche Leiter des P.A.N. Zentrums für Post-Akute Neurorehabilitation in Berlin-Frohnau:

 

Beide Wissenschaftlerinnen sind Psychologinnen und haben ein ambulantes Behandlungsprogramm für Menschen mit Hirnschädigung entwickelt. Was wir so spannend finden an diesem Programm ist, dass es kein starres Programm ist, sondern ein individuell organisiertes Therapieprogramm mit verschiedenen Modulen. Da geht es um kognitive Schädigungen, da geht es aber auch um emotional- und motivationsfördernde Effekte. Das oberste Ziel ist die Förderung der sozialen Teilhabe und des subjektiven Wohlbefindens.

PD Dr. Christian Dohle

 
Dr. Christian Dohle

Dr. Christian Dohle

 
 

Doering und Exner konnten mit ihrer Arbeit zeigen, dass Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen auch nach Jahren noch deutliche Verbesserungen in ihrem Alltag erreichen können. Wichtig ist dabei ein auf die Person zugeschnittenes und strukturiertes Behandlungsprogramm mit Elementen der Neuropsychologie. Cornelia Exner beschreibt weitere Ergebnisse:

 

Verglichen mit den Patienten, die erst einmal warten mussten, die also keine Behandlung erhalten haben, ist es gelungen für die Patienten, die sofort die Behandlung bekommen haben, eine deutliche Steigerung ihrer individuellen Lebensqualität zu erzeugen. Und individuell meint wirklich, dass es hier festgemacht war an den Bereichen, die diesen Menschen für ihre Lebensqualität besonders wichtig war. Und auch die psychische Belastung wurde insgesamt reduziert und insbesondere negative Gefühlszustände, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit konnten reduziert werden.

 
Prof. Cornelia Exner

Prof. Dr. rer. nat. Cornelia Exner

 
 

Belobigungen

Zusätzlich zur Vergabe des Forschungspreises wurden vier wissenschaftliche Arbeiten von der Jury belobigt und jeweils mit 3.000 € ausgezeichnet. Dr. Maja Kevdzija erhielt eine Belobigung für ihre Arbeit zu Barrieren in der Architektur in Rehabilitationskliniken und den daraus abgeleiteten Empfehlungen für zukünftige Bauvorhaben. Eine weitere Belobigung ging an Dr. Marlene Bönstrup für ihre Studie zu elektrischen Impulsen, die kurz vor der Ausübung einer Bewegung entstehen, und deren Auftreten bei Schlaganfallpatienten mit motorischen Einschränkungen.

Außerdem wurde Dr. Auwal Abdullahi für seine kontinuierliche und breit aufgestellte Forschung in Nigeria zu versorgungsrelevanten Themen bei Bewegungsstörungen nach einem Schlaganfall belobigt. Belobigung Nummer vier wurde Dr. Christian Endisch ausgesprochen. Er beschäftigt sich in seiner Dissertation mit einem Prognosemarker bei Komapatienten mit neurologischen Schädigungen.

Der Forschungspreis der Fürst Donnersmarck-Stiftung zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass er eng mit der Praxis verbunden ist. Viele Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für praktische Anwendungen in der Neurorehabilitation. Damit und mit eigenen Forschungsvorhaben leistet die Stiftung einen wichtigen Beitrag zur stetigen Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben.

 
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