Jour Fixe - Wie barrierefrei ist der Großflughafen BBI

Nachbericht zum Lesen und Hören vom Jour Fixe am 12.11.2008

Zwei Männer und zwei Frauen knien neben einem einer Frau im Rollstuhl
Hans-Joachim Paap, Markus Henze, Eileen Moritz, Anke Borchardt, Elke Voigt (v.l.r.n.)

Der neue Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) eilt mit zügigen Baufortschritten seiner Eröffnung im Jahre 2011 entgegen. Doch wie barrierefrei wird das Fliegen von und nach Berlin zukünftig sein? Auf dem Jour Fixe am 12. November 2008 in der Villa Donnersmarck erläuterte eine Expertenrunde, moderiert von Eileen Moritz, einem interessierten Publikum das Konzept und die geplanten Maßnahmen zur Herstellung baulicher Barrierefreiheit auf dem neuen Großflughafen.

Architekt und Projektleiter Objektplanung der Planungsgemeinschaft BBI Hans-Joachim Paap veranschaulichte die Einbindung von barrierefreien Maßnahmen in die gestalterische Ästhetik des Flughafens. Bereits die klar strukturierte Anordnung der einzelnen Gebäudekomplexe mit gut sichtbaren Hinweisschildern gibt den Fluggästen die Orientierung und ist Basis für die Errichtung einzelner Maßnahmen zur Barrierefreiheit. „Rot als unsere Leitfarbe, Licht als zusätzlicher Baustoff und wieder erkennbare Merkmale erleichtern auch den Fluggästen mit Behinderung eine möglichst barrierefreie Nutzung“, betont Paap.

Breite Automatiktüren für sehbehinderte und rollstuhlfahrende Gäste und ein kontrastreiches taktiles Leitsystem führen den Gast mit speziellen Anforderungen zu einem Infopoint, wo geschultes Personal informiert und entsprechend assistiert. Die Handläufe der Treppen werden in unterschiedlichen Höhen angebracht und sind mit Brailleschrift gekennzeichnet.

Ebenfalls in die Gesamtplanung eingebettet ist der Sanitärbereich. Alle 80 Meter gibt es einen Sanitärkomplex mit behindertengerechten Toiletten und mit einer zwei Meter langen Wickelliege. In zwei Sanitärkomplexen werden höhenverstellbare Elemente den speziellen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen gerecht.

An diesen und weiteren Maßnahmen arbeitet die Planungsgemeinschaft mit dem „Arbeitskreis Barrierefreiheit“ des Landkreises Dahme-Spreewald eng zusammen. „Bereits im November 2007 hat der Arbeitskreis sich mit der Planungsgemeinschaft BBI intensiv über unsere Belange im HausRheinsberg ausgetauscht, und beim jetzigen Planungsstand sehe ich, was alles umgesetzt und berücksichtigt werden konnte,“ lobt Elke Voigt, Behindertenbeauftragte des Landkreises Dahme-Spreewald die gute Kommunikation zwischen den Architekten und dem Arbeitskreis. Architekt Markus Henze und Hans-Joachim Paap unterstreichen den Lernprozess, den sie als planende Architekten durchlaufen haben. So war beiden vorher nicht bewusst, dass z.B. in den geplanten Drehtüren im Eingangsbereich des Flughafens für Rollstuhlfahrer und für sehbehinderte Menschen Gefahren lauern können.

Anke Borchardt von der Aviation Flughafenmanagement am Flughafen Schönefeld, ist für die Schulung der Mitarbeiter im neuen Flughafen betraut. „Wir sind mit Probanden zum Flugzeug gegangen, damit die Mitarbeiter lernen, was beim Verladen eines jeden Rollstuhles zu beachten ist und die Probanden sehen, was mit ihrem Rollstuhl passiert“, schildert Anke Borchardt den Schulungsprozess. Für die Arbeit am 0,85 Meter niedrigen Infopoint werden Servicemitarbeiter in Umsetztechniken, aber auch in Gebärdensprache entsprechend geschult.

Den Zuhörer wurde deutlich, dass die Planer nicht nur die Anforderungen der DIN Norm 1107/2006 der EU-Verordnung umgesetzt haben, sondern den neuen Großflughafen so benutzerfreundlich und barrierefrei wie möglich bauen werden. Anregungen aus dem Publikum, z.B. die Belange von kleinwüchsigen Menschen zu berücksichtigen, wurde von den anwesenden Architekten gerne entgegen genommen. „Man kann es nicht allen recht machen, aber wir sind bemüht, Lösungen zu finden“, versichert Paap den Gästen zum Abschluss der Veranstaltung.

Ursula Rebenstorf
 
Frau mit Mikrofon stellt eine Frage
Fragen und Anregungen aus dem Publikum
 

 

Der Hörbericht

Ein Kopfhörer als schwarze Strichzeichnung vor weißem Hintergrund
Ein Audio-Beitrag von Klaus Fechner, audio:link, mit Transkription