imPerfekt in Villa Donnersmarck - Kunst von Menschen mit Behinderung

Transkription

Eine Auswahl von 3 Werken ist in einer Bilderkombination zu sehen
 

Kultursonntag in der Villa Donnersmarck

8. Juni 2008

Intro: spanische Musik

Studenten des Instituts für Musiktherapie gaben einen klangvollen Rahmen für den Kultursonntag in der Villa Donnersmarck. Und Kultur wurde wirklich auf allen Ebenen geboten: musikalisch, in Malerei und Bildhauerei und als Dichterlesung. Denn die Berliner Werkstätten für Behinderte präsentierten ihre kreative Arbeit. Im Mittelpunkt stand die Künstlergruppe imPerfekt. Matthias Rinne, Atelierleiter:

Es gibt einen Mitarbeiter, der sehr grobmotorisch und vom Sozialverhalten sehr schwer in der Werkstatt integrierbar ist, der sehr viel Ruhe braucht. Nun nimmt dieser Mitarbeiter einfach Holz und sägt und bohrt und bemalt diese Stücke dann. Jedes Mal, wenn ich ihn an seinem Arbeitsplatz besuche, gibt es eine stetige Veränderung. Ich bin immer wieder überrascht, was da passiert. Das kann man bei den Holzobjekten hier sehr gut sehen. Es ist durchaus erlaubt diese Bilder zu berühren, sie sinnlich zu erfahren. Auch so kann man sich ein Bild machen.

Im Garten und in der Villa selbst hängen überall Bilder und Skulpturen. Die Materialen sind einfach und recycelt: Holz, Farbe, Stofffasern, Karton und auch Kleidungsstücke, die auf Holzplatten aufgeklebt und bemalt wurden. Die Bilder tragen so phantasievolle Namen wie Spinat und Ei oder Spaghetti. Oder auch Collagetechniken, die durch ihren ursprünglichen, beinahe dadaistischen Charakter bestechen, was auch bei den Besuchern der Vernissage großen Anklang fand.

O-Ton Besucherin:
Ganz tolle Exponate habe ich bis jetzt gesehen und überlege auch direkt etwas zu kaufen. Alles ist so optimistisch, fröhlich, passt so gut zum Sommer. Und auch zum Stil meiner Wohnung würde es passen.

Im Garten der Villa Donnersmarck fanden sich die offenen Ateliers, und offen heißt, das man mitmachen, selbst kreativ werden sollte. Eileen Stabemann, Gruppenleiterin im Kunstprojekt, erklärt, wie es geht:

O-Ton Stabemann
Wir haben hier unsere Modelliermasse, mit der wir die Skulpturen gefertigt haben. Und wir haben Rohr und Holzstäbchen.

Die Knetmasse war an diesem heißen Sommertag besonders beliebt.

Das ist wie bei Weihnachtsplätzchen. Die ersten sind immer die Versuchteile, da wird geknetet, bis eine Idee kommt. Ich dachte, ich fang einfach mal an. Man möchte ja auch ein Erfolgserlebnis haben.

Und die Dame knetete weiter und heraus kam dabei ein großes Herz. Herzlich ging es aber auch bei der Lesung zu, in der der Autor Götz Forstreuter in Gedichten aus seinem Buch „Ein Leben nach dem Tod“ Sonderbarkeiten der Welt auf ihren absurden Punkt brachte.

O-Ton Forstreuter:
Mit einer Nadel gehe ich zum Atomkraftwerk. Erschreckt kommen die Arbeiter auf mich zu. Sie wollen mich abdrängen. Ich könnte ja ihren Traum zerplatzen lassen.

Es wurde noch lange musiziert in der Villa Donnersmarck an diesem Kultursonntag, und auch gelesen und gebastelt. Für Matthias Rinne ist es sehr wichtig, dass seine Künstlergruppe Imperfect sich hier präsentieren kann, denn:

O-Ton Matthias Rinne
Manchmal denke ich, dass nicht wir integriert werden müssen, sondern wir die Menschen integrieren. Es würde vielen gut tun, uns einfach mal zu besuchen, weil man dann lernen kann, dass wir mit unseren Handicaps mit so viel Spaß umgehen, wo die Nöte der sogenannten normalen Leute doch etwas bescheidener ausfallen.

Die Ausstellung der Künstlergruppe imPerfekt ist noch bis zum September in der Villa Donnersmarck zu besichtigen.

Outro: Musik Studenten des Instituts für Musiktherapie

Autorin und Moderation:
Andrea Protscher, audio:link
 
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