Rollstuhltischtennis - Rheinsberg Cup

Tischtennis im Sitzen - ungeheuer dynamisch

1. Rheinsberg-Cup im Rahmen des Deutschlandpokals, 19.2.2005

Fast die gesamte deutsche Nationalmannschaft im Rollstuhltischtennis spielte am 19.2.2005 im HausRheinsberg, Brandenburg, um Punkte für die Bundesrangliste. Man wollte sich außerdem auf die Deutschen Meisterschaften in wenigen Wochen vorbereiten. Nach rund 200 Spielen an 12 Tischen ging das Turnier gegen 18:00 Uhr mit einem Favoritensieg in der A-Gruppe durch Selcuk Cetin vom RSG Koblenz zu Ende. Ernst Weinmann, ehemaliger Nationalspieler und Organisator des Turniers mit 52 Teilnehmenden aus Deutschland und Österreich dazu: "Unter den letzten Vier waren die erwarteten Spieler. Das Turnier ist innerhalb Deutschlands als hochrangig einzustufen. Dafür stehen Namen wie Holger Nikelis und Monika Sikora-Weinmann, beide Goldmedaillengewinner bei den Paralympics in Athen sowie Otto Vilzmaier, Torsten Grünkemeyer und Walter Kilger, Bronze-Medaillenträger. Aber gleichzeitig ist die Veranstaltung auch ein Breitensportereignis. Denn jeder kann sich melden und teilnehmen. Auf diesem Turnier spielen wir in Leistungsklassen und die Gruppe N bietet Neulingen die Möglichkeit, sich zu testen."

Das Turnier wurde in 5 Leistungsklassen ausgespielt, A-C, N und T für Tetraplegiker. Die Regeln weichen nur in einem Punkt von den üblichen Bestimmungen im Tischtennis ab. Wenn zwei Rollis gegeneinander spielen, muss der Anschlag über die Grundlinie die Platte verlassen, darf also nicht über die seitliche Tischkante auf den Boden fallen. "Spielen allerdings Fußgänger mit Rollstuhlfahrern, gelten die Standardregeln des Tischtennis", erklärte Goldmedaillengewinnerin Monika Sikora-Weinmann, und sie muss es wissen. Denn die Bundesligaspielerin im Behindertensport tritt, wenn es ihre Zeit zulässt, auch noch bei den "Fußgängern" als Stammersatz für den TTSV Gadderbaum in der Landesliga an. "Es gibt keinen integrativeren Sport als TT", so ihr Credo, und Josef Weichsel, BSV Sünteltal, ergänzt: "Man muss mit den Nicht-Behinderten spielen, denn das bringt einen weiter." Die Dynamik, mit der die kleinen Bälle über das Netz gefördert werden, lässt den Trainingseifer, der dahinter steckt, ahnen.

Barrierefreiheit ist in diesen Tagen in aller Munde, aber dass es auch rollstuhlgerechte und nur rollstuhltaugliche Tischtennisplatten gibt, konnte man ebenfalls in Rheinsberg erfahren. Die Firma Sponeta GmbH hatte dem Fachbereich Tischtennis im DRS für den 1. Rheinsberg-Cup 12 nagelneue Platten mit 600 mm Beinfreiheit bereit gestellt, die auch auf Dauer beim HausRheinsberg, Hotel am See verbleiben. Winfried Prondzinski, Mitglied im Vorstand des Deutschen Rollstuhlsportverband (DRS) und Fachwart Tischtennis (TT), freute sich über diese Spende: "So können wir die Arbeit des Fachbereichs weiter ausbauen." Der Sportler aus Soest ist seit April 2004 im Amt und möchte die Zahl der derzeit rund 220 gemeldeten Spieler erhöhen. "Wir möchten das nationale Tischtennis attraktiver machen, den Deutschlandpokal aufwerten und insgesamt mehr Leute zum TT-Sport bringen."

Thomas Golka

 
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