Bauen im Dienste der Stiftung

Langfassung des Interviews mit Baumanager Michael Schmidt

Zwei Männer stehen nebeneinander und halten gemeinsam einen Bauspaten fest

Rheinsberg, 7. Dezember 2017

 

Es gibt kaum ein größeres Gebäude der Stiftung, das in den letzten 22 Jahren, in denen Michael Schmidt für die FDST aktiv war, nicht umgebaut, renoviert oder modernisiert wurde. Zum Abschied erzählt er aus seinem spannenden beruflichen Werdegang und blickt im November 2017 auf seine größten Bauprojekte zurück.

Sebastian Weinert: Sie haben Staats- und Rechtswissenschaften in der DDR studiert, im Bereich der Sportwissenschaften gearbeitet, waren Geschäftsführer des Behindertenverbandes Königs Wusterhausen und schließlich Baumanager und Leiter des Reisebüros der Fürst Donnersmarck-Stiftung. Das ist ein weiter Weg.

Michael Schmidt: Der Weg erklärt sich, wenn man auf die Zeitgeschichte schaut. Wer an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport in dem eingerichteten Lehrstuhl „Recht“ eine Aspirantur erhält und dem dann aber der Staat abhandenkommt, ist in einer sehr unglücklichen Situation. Zumal ich selber auch mit der politischen Entwicklung ab 1987 massiv unzufrieden war. Durch die eigene Behinderung habe ich die Defizite buchstäblich am eigenen Körper ständig erlebt. Daraus resultierte schon lange die Überlegung, wie diese Situation verbessert werden könnte. Wer mich kennt, der wird verstehen, dass mein damaliger Fokus auf der Verbesserung der Mobilität für Menschen mit Behinderung lag. Die Idee von einem Behindertenfahrdienst lag also nahe – natürlich auch von einer wesentlich besseren Hilfsmittelversorgung als wir sie zu dem damaligen Zeitpunkt vorgefunden hatten. Das ganze mündete in einem schriftlichen Konzept, welches immer in der Schublade lag. Es konnte damals nicht umgesetzt werden, und an eine Stiftung oder einen Verein war schon gar nicht zu denken.

Als die politische Entwicklung der DDR abzusehen und eigentlich auch klar war, dass es mit der Hochschule nicht weiter geht und die Arbeitslosigkeit drohte, habe ich von mir aus, als allererster Mitarbeiter der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport, gekündigt. Kleine Randnotiz: Ich habe als erster von den neuen gesetzlichen Möglichkeiten Gebrauch gemacht, meine Kaderakte, heute sagt man Personalakte, einsehen zu dürfen. Das wurde mir sehr widerwillig gewährt. Sie war dann auch noch zensiert.

So war meine Hochschulkarriere beendet und ein völlig neuer Abschnitt begann, in dem wir den Behindertenverband in Königs Wusterhausen gründeten. Dieser wuchs sehr schnell an, weil wir bald die Möglichkeit hatten, Zivildienstleistende einzustellen. Der erste war mein ehemaliger Nachbarssohn, der, bedingt durch seine kirchliche Bindung und seinem Verweigern der FDJ gegenüber, nicht studieren durfte. Unser erstes Dienstfahrzeug war mein Moped. Unser erster Dienstraum war interessanterweise im Keller der ehemaligen SED-Kreisleitung. Wie sich später herausstellte, war es das Abhörzimmer der Staatssicherheit. Ich habe bis zum heutigen Zeitpunkt zwei Stempel aufgehoben, die damals in einem Schrank vergessen wurden. Ab dann ergab sich eine sehr frühe Begegnung mit der Fürst Donnersmarck-Stiftung – nämlich in der Villa Donnersmarck in der Schädestraße. 1988 hatte die DDR versucht, eine Art Städtepartnerschaft zwischen DDR-Städten und West-Berlinern oder westdeutschen Städten aufzubauen. Königs Wusterhausen war der Partnerstadtbezirk von Zehlendorf. In dieser vorher erwähnten SED-Kreisleitung, in die später das „Neue Forum“ einzog und alle möglichen anderen Bewegungen, hat mich jemand angesprochen und mir gesagt, wir hätten hier einen Flyer von der Schädestraße und mich gefragt, ob das nicht vielleicht etwas für mich wäre.  

Also habe ich mich in die S-Bahn nach Zehlendorf gesetzt. Die jüngeren Leute wissen das nicht mehr, aber damals war auf den DDR-S-Bahn-Plänen das gesamte Gebiet von West-Berlin grau. Ich wusste also nicht so genau, was mich in Zehlendorf erwarten würde. Dann kam ich zu dieser Villa und habe mich, das kann man ja heute sagen, nicht diese Einfahrt hochgetraut, weil ich dachte, die schmeißen mich sofort wieder raus. Das wird hier nichts. Ich bin dann einfach weiter gegangen und wollte es unauffällig über den Garteneingang versuchen. Das gelang mir nicht, weil mich der damalige Hausmeister sofort entdeckte. Aus der befürchteten Ablehnung wurde dann ein mehrstündiges Gespräch mit der damaligen Chefin Frau Neukirchen-Diem. So war mein erster Kontakt zur Stiftung.

 
Drei Männer stehen nebeneinander neben einer Leinwand

V.l.n.r.: Wolfgang Schrödter, Michael Schmidt, Sebastian Weinert

 

Sebastian Weinert: Sind Sie so auch in den Zukunftsworkshop gekommen?

Michael Schmidt: So ist es. Wir haben schon die ersten Sachen beredet, ob man gemeinsam etwas machen kann. Das geschah aus dem Bestreben heraus, dass die damaligen Gruppen schon immer viel reisten und natürlich neugierig auf Ost-Berlin waren. So wie wir neugierig auf West-Berlin waren, waren die anderen neugierig auf das DDR-Umland. So kam der Kontakt zu Thomas Golka und Ines Voll zustande, die damals schon einige Touren organisierten. Von dort aus kam es zur Einladung zur 75-Jahr-Feier und zu diesem Workshop, der mich zutiefst beeindruckte. Das war ich überhaupt nicht gewöhnt, dass man mit irgendwelchen Würfeln Ideen simulieren kann. Das kannte ich nicht! Ich kannte lange Besprechungstische, an denen gesagt wurde, wie es gemacht wird. Eine Jubiläumsveranstaltung, auf der man sich nicht nur selbst feierte, sondern sich für das politische Spektrum der Behindertenbewegung interessierte, war für mich völlig neu. So kam es zu der Einladung zum Zukunftsworkshop.

Sebastian Weinert: Der Kontakt hat dann ja lange gehalten.

Michael Schmidt: Ja, zum damaligen Zeitpunkt gab es gar nicht die Idee, hauptamtlicher Mitarbeiter hier in der Stiftung zu werden. Ich war ja als Geschäftsführer gebunden und zu dem damaligen Zeitpunkt auch Gründungsmitglied des allgemeinen Behindertenverbandes im Land Brandenburg. An ein Angestelltenverhältnis war nicht zu denken. Es gab allerdings Bemühungen, initiiert von Frau Neuenkirchen-Diem, in einen Bus für Reisen zu investieren. Am Rande der 75-Jahr-Feier habe ich neben Ekkehard Reichel im ICC auf einem Barhocker gesessen und er hatte ganz großes Interesse daran, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Er lud mich später in den Dalandweg ein, der gerade fertig geworden war. Aus diesem Gespräch wurde dann auch ein mehrstündiges Treffen.

Schließlich sagte er zu mir: „Sie waren doch dabei als die Idee geboren wurde, ein Hotel zu bauen. Sie kennen sich doch im Land Brandenburg aus und Sie kennen dort doch viele Leute!“ Das stimmte. Den Behindertenverband haben wir im November buchstäblich in einem Hinterzimmer gegründet. Und es gab aus dieser Zeit verschiedene andere Personen, die später in die Parteien gegangen sind und dann plötzlich in der Landesregierung waren. Unter anderem der damalige Behindertenbeauftragte des Landes Brandenburg Reiner Kluge und viele andere. Ekkehard Reichel hatte mich damals gefragt: „Würden Sie für uns als Projektmanager arbeiten?“ Daraufhin habe ich gesagt, dass das mit meinen anderen Aufgaben kollidiere. Er schlug mir vor, dass die Stiftung den Verband unterstützt und für einen definierten Zeitraum mein Büro in Königs Wusterhausen bezahlt. Zwei Tage konnte ich für meinen Verein arbeiten, um dort einen Nachfolger zu etablieren und die restliche Woche für die Stiftung. Ich bin nach Hause gefahren und habe mich mit meiner Frau beraten. Es war eine attraktive Aufgabe. So fing meine Arbeit für die Stiftung schließlich an.

Die Entscheidung, durch das Land zu fahren und einen geeigneten Standort für ein Hotel zu finden, hat Fürst von Donnersmarck intensiv mitgetragen. Er hat mehrmals zu mir gesagt: „Fahren Sie da raus und gehen Sie zu der Stadtverordnetenversammlung! Reden Sie mit den Leuten.“ Denn, es ist ja in der Tat so gewesen, dass unser Vorhaben nicht nur in Rheinsberg, sondern auch an anderen Standorten skeptisch betrachtet wurde. Aber ich wurde in Rheinsberg schnell ein fester Bestandteil der Zuschauerbank in der Stadtverordnetenversammlung. Diese Präsenz führte zu einer positiven Entwicklung in der Stadt.

Es ist der Stiftung schon in dieser sehr frühen Phase zugutegekommen, was bis zum heutigen Tage bei allen Bauvorhaben wirkt: Solidität. Wir versprechen keine Dinge, die nicht zu halten sind. Ich hab so viele Investoren in Rheinsberg gesehen, die mit unglaublichen Mitarbeiterzahlen operierten und dies dann nicht einhalten konnten.

 
Zwei Männer stehen sich gegenüber und unterhalten sich

Fürst von Donnersmarck (links) mit Michael Schmidt

 

Sebastian Weinert: Ich würde jetzt gerne die großen Bauvorhaben durchgehen und Sie antworten mir darauf, was Ihnen dazu einfällt. Das erste Bauprojekt kann natürlich nur das HausRheinsberg sein. Es ist Ihr erstes Projekt in der Stiftung...

Michael Schmidt: …und ist bis zum heutigen Tage mein Lieblingsprojekt.

Dr. Weinert: Das ist Ihr Haus, oder?

Michael Schmidt: Ja! Ich bin innerhalb der Behindertenbewegung, über die wir vorhin gesprochen haben, mehrfach um diese Aufgabe beneidet worden. In der sozialen Landschaft in den neuen Bundesländern war es vollkommen undenkbar, dass jemand im Grunde freie Hand hatte, eigene Arbeitsgruppen zu bilden, die beratend tätig waren. Natürlich hat das Kuratorium ein gewisses Investitionsvolumen beschlossen, an das wir uns zu halten hatten. Unterm Strich bleibt aber die Möglichkeit, eine eigene Idee mit eigenen Mitteln umzusetzen – das war und ist in der sozialen Landschaft vollkommen undenkbar. Dieses Privileg führte natürlich dazu, dass ich mich intensiv mit diesem Vorhaben auseinandersetzte – auch weil die Korrektur von Fehlern möglich war. Meine Technikverliebtheit führte beispielsweise zu einer unklugen Konstruktion des Schwimmbades. Aus meiner Sicht waren alle technischen Möglichkeiten optimal ausgenutzt, doch in den Arbeitsgruppen wurden meine Ideen komplett verworfen. Am Ende ist diese Kritik akzeptiert worden und wir haben das Schwimmbad umgeplant, mit dem Resultat, dass es bis zum heutigen Tage ein sehr schönes Schwimmbad ist und sehr gut funktioniert. Rheinsberg ist mir besonders ans Herz gewachsen. Wenn ich jetzt am Aufräumen bin, dann denke ich immer noch, so viel haben wir eigentlich nicht falsch gemacht.

Sebastian Weinert: Es ist wirklich ein tolles Haus. War es gleichzeitig Ihr Gesellen- und Meisterstück?  Der Lebenslauf davor deutete ja nicht unbedingt auf eine Karriere als Baumanager hin.

Michael Schmidt: Überhaupt nicht! Das hätte ich mir nie träumen lassen. Meisterstück? Soweit würde ich nicht gehen. Ich würde sagen, es waren intensivste Lehrjahre…

 
Zwei Männer und eine Frau stehen nebeneinander, der Mann in der Mitte hält ein Geschenk, die Frau steht rechts an seiner Seite

V.l.n.r.: Thomas Golka, Michael Schmidt, Ines Voll

 

Sebastian Weinert: Café Tucholsky?

Michael Schmidt: Das Café Tucholsky und die Ferienwohnungen sind ein toller Entwurf. Wir haben aber gedacht, wir könnten das Projekt nebenbei mitlaufen lassen. Das war ein Fehler. Gerade kleine Projekte sind manchmal sehr viel anspruchsvoller als die großen. Doch unterm Strich ist das Café Tucholsky gerade jetzt, wo wir es ja wieder in Eigenregie betreiben, eine wunderbare Abrundung an der Seeseite des Bauensembles.

Die Entscheidung für das Café Tucholsky war genau richtig. Die Einbindung in den Bereich der Uferpromenade und die Zugänglichkeit von der See- und Schloßseite zum Haus haben Café und Hotel sehr bereichert. Die Grundidee dahinter war ja nicht, ein freies Grundstück zu bebauen, sondern eigentlich, eine Alternative zum Hotelrestaurant und zu den Hotelangeboten zu bieten und unseren Gästen eine Möglichkeit zu geben, am Nachmittag etwas anderes zu unternehmen. Deshalb ist dieses Haus, abgesehen von den Ferienwohnungen, barrierefrei errichtet worden und funktioniert auch gut.

Sebastian Weinert: Das Reisebüro?

Michael Schmidt: Auf meiner Visitenkarte steht "Abteilungsleiter Reisebüro und Baumanagement". Ich bin bis in die heutigen Tage hinein gefragt worden, wie diese beiden Tätigkeiten zusammenpassen. Zunächst war das einfach eine Gelegenheitslösung. Nach der Eröffnung des HausRheinsberg blieb ich für ein Jahr zusammen mit Frau Fritz Geschäftsführer des Hotels, um noch Bauabwicklungen und andere Dinge durchzuführen. Danach war es eine logische Konsequenz, wieder zurück nach Berlin zu kommen und die neue Leitung des "Baumanagements" zu übernehmen. Das gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht und wir wussten nicht genau, welche Bautätigkeiten noch auf uns zukommen würden. Deswegen übernahm ich gleichzeitig die Leitung des Reisebüros. Und es hatte ja Sinn, die Erfahrungen, die Reisende unseres Reisebüros machten, bei künftigen Bauvorhaben zu berücksichtigen. So kam ich zum Reisebüro der Fürst Donnersmarck-Stiftung.

Sebastian Weinert: Wie lief und läuft denn die Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeiterinnen?

Michael Schmidt: Ich bin jedes Mal wieder froh, wie unglaublich unkompliziert die Zusammenarbeit mit ihnen ist. Erstens sind sie sehr lange im Metier und kennen sich bestens aus. Zweitens stimmte die Chemie zwischen uns in einer ganz bemerkenswerten Weise. Die offene Art von Ines Voll führte dazu, dass ich ihre Kinder schon als sehr kleine Mädchen kannte. Ihren Mann habe ich auch kennengelernt und ihre Schwägerin hat als Reisehelferin gearbeitet. Auch mit Christine Busch habe ich ein wunderbares Verhältnis. Sie haben mich, gerade in sehr intensiven Bauphasen, immer wieder entlastet. Die Zeit möchte ich überhaupt nicht missen, weil sie sehr schön war. Viele Einblicke habe ich gewonnen, als ich zu Touren mitgefahren bin, bspw. an die Nordsee. Eine ausgesprochen schöne und erfolgreiche Zusammenarbeit.

 
Zwei Männer stehen Arm in Arm nebeneinander, der linke hat einen Bauhelm auf, links im Hintergrund ist ein dritter Mann zu sehen

Claus Wittram-Regenhardt (links) mit Michael Schmidt

 

Sebastian Weinert: Die Blissestraße 14.

Michael Schmidt: Das Café Blisse wäre nie zu dem geworden, was es jetzt ist, wenn wir als Stiftung nicht schon intensive Erfahrungen beim barrierefreien Bauen gehabt hätten. Aus heutiger Sicht würde ich ein paar Lösungen vielleicht anders machen. Aber insgesamt war es ein gelungenes Projekt.

Sebastian Weinert: Bad Bevensen?

Michael Schmidt: Es war noch nicht mal mein erster Monat als Projektmanager vorbei, als mich Ekkehard Reichel bat, kommissarisch das Gästehaus in Bad Bevensen zu leiten – als Vertreter der Verwaltung. Natürlich habe ich das gemacht. Das führte dazu, dass ich intensivster Kenner der damaligen Baustellen auf der Autobahn A2 zwischen Irxleben und Eilsleben wurde. In dieser Zeit fuhr ich unheimlich viele Kilometer und sah mich urplötzlich an der Spitze eines Hotelteams.

Zum damaligen Zeitpunkt war Marketing kein Problem, vielmehr hatten wir Wartelisten. Es ging also um die Frage, wie ich es jeden Tag schaffe, dieses volle Hotel zu steuern? Die Bereitschaft des Personals, dabei mitzuwirken, war außerordentlich angenehm. Es gab überhaupt keine, weder verhaltene noch offene, Widerstände an der Stelle. Das war für mich eine sehr hilfreiche Erfahrung, die mir dann nachher bei dem Jahr in der Geschäftsführung im HausRheinsberg zugutekam. Zu sehen, was muss man machen, wie muss man mit den Leuten umgehen? Es war eine wichtige Erfahrung, zu sehen, wie schwierig eigentlich die Arbeit z. B. im Zimmerservice ist. Für mich als ganz jungen Mann war das enorm wichtig.

Aus dieser Zeit ergab sich natürlich, dass ich in Bad Bevensen jedes Wäschelager kannte. Ich wusste genau, wie viel Kerzenständer wir hatten. Das half mir sehr bei den späteren Renovierungsarbeiten. Die Herausforderung bei den Umbauarbeiten lag darin, eine höhere Barrierefreiheit in dieses Haus einzubringen, ohne an der Grundsubstanz etwas ändern zu müssen. Ich erinnere mich gut, dass beispielsweise mein Nachfolger als Leiter des Hauses, Herr Golly, vorschlug, die Toilettenhöhe von 48 cm – wie es die DIN 18025 vorschrieb – auf 45 cm abzusenken. Wir hatten damit wunderbare Erfolge. Von „Stund' an haben wir das in allen unseren Bauvorhaben umgesetzt. Diese Erfahrungen, die natürlich auch andere gemacht hatten, flossen dann in die neue DIN Norm 18040 für barrierefreies Bauen ein.

Aber der wirklich spannende Teil in Bad Bevensen war das Vorhaben, einen Anbau im vorderen Teil anzusetzen, für den wir einen studentischen Wettbewerb initiierten. Ich hatte damit keinerlei Erfahrungen. Diese Freude von den jungen Studenten, daran mitzuwirken und sich Ideen auszudenken, war unglaublich. Ein Vorschlag war eine Turmvariante mit langen Rampen, die natürlich nicht umzusetzen war. Aber die Freude war da. Damals am Lehrstuhl der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig hatte ich als Assistent auch die Aufgabe, Seminare durchzuführen. Das war aber etwas ganz anderes, als Architekturstudenten anzuleiten und vor allem nach einem so langen Zeitraum – da waren dann doch etliche Jahre dazwischen. Bad Bevensen liegt mir am Herzen und die vor uns liegenden Aufgaben werden dieses Haus auch für einen langen Zeitraum für die Zukunft in der Fürst Donnersmarck-Stiftung fit machen.

Sebastian Weinert: Das Wohnen mit Intensivbetreuung in Pankow und Tempelhof.

Michael Schmidt: Bei der Alten Mälzerei in Pankow konnte ich mir ursprünglich überhaupt nicht vorstellen, dass in dieser ehemaligen Darre, so heißen die Zwischenbereiche des Mälzlagers einer der namhaftesten Berliner Brauereien, ein solches Gebäude entstehen würde, wie es heute aussieht. Doch als der Bau dann wuchs, wurde es auch zu meinem Projekt. Insbesondere der Oberbauleiter auf der Baustelle, Herr von Maltzan, hatte mich damals sehr beeindruckt. Auf mein Betreiben hin haben wir ihn anschließend gefragt, ob er auch weiterhin mit uns zusammenarbeiten würde. So ist das bis heute sehr erfolgreich geblieben. Beim Seelbuschring in Tempelhof ergab sich der Glücksumstand, dass wir das Objekt insgesamt kaufen konnten. Denn eine bessere Lage kann man in Tempelhof eigentlich nicht finden.

Von der Idee des Wohnens mit Intensivbetreuung war ich immer fasziniert und bin es auch heute noch. Ich folge der Ansicht, dass die Veränderung der häuslichen Wohnsituation zu einer Verbesserung der persönlichen Fähigkeiten führt. Das ist, glaube ich, die zentrale Idee hinter dem WmI.

Sebastian Weinert: Das P.A.N. Zentrum.

Michael Schmidt: Man könnte sagen, da schließt sich der Kreis. Für mich persönlich war es wiederum eine hoch spannende Herausforderung, eine Rehaklinik zu bauen. Wieder ergab sich die Situation, die für das Gelingen des Vorhabens, und ich halte es für sehr gelungen, ganz maßgeblich ist: Dass sich nicht zwei oder drei Leute in einem Architekturbüro etwas ausdenken, sondern dass dieses geballte Know-how der Stiftung in Vorbereitungsgruppen einfloss, dass die verschiedensten Gedankenspiele, die teilweise sogar in Modellen gipfelten, in diese Planung eingegangen sind.

Das ist auch erst in einem Brainstorming, das wir vorher in dieser Art und Weise noch nicht hatten, mit verschiedenen Kuratoriumsmitgliedern und den Architekten, sehr gut gelungen. Auf das P.A.N. Zentrum können wir, glaube ich, sehr stolz sein. Selbst wenn uns die Wasserschäden im Moment ein bisschen die Freude trüben. Besonders die Idee, die auch Fürst von Donnersmarck immer sehr stark vertreten hat, allen oberirdischen Verkehr in eine Tiefgarage zu verlegen, ist im P.A.N. Zentrum sehr praktisch. Wenn ich da heute lang gehe, freue ich mich jedes Mal wieder.

Sebastian Weinert: Die letzte Frage: Sie waren von 1995 bis 2017 für die Organisation aktiv. Über 20 Jahre Fürst Donnersmarck-Stiftung. Hätten Sie das 1995 gedacht?

Michael Schmidt: Gehofft hatte ich es schon. Die Möglichkeit, in die verschiedensten Bereiche hineinzugehen, hat mich gereizt. Es gibt heute immer noch ein Gefühl aus diesen Anfangstagen.

Sebastian Weinert: Mit Herrn Wittram-Regenhardt als Baumanager der Stiftung und Frau Reckert als Leiterin des Reisebüros haben Sie gleich zwei Nachfolger. Sind Sie denn zufrieden mit dieser Entscheidung? 

Michael Schmidt: Ja, sehr! Ich hatte das Glück, an der Auswahl meines Nachfolgers mitwirken zu dürfen. Ich kann also sicher sagen, dass wir uns seit dem 1. August 2017 recht gut kennengelernt haben und denke, dass der Bereich Baumanagement in guten Händen ist. Herr Wittram-Regenhardt wird in die Stiftung eine sehr hohe Fachlichkeit einbringen. Er hat die fachlichen Grundlagen für seine Aufgabe, gleichzeitig praktische Erfahrungen in der Projektsteuerung und das fundierten Wissen eines zehn Jahre lang selbständig agierenden Architekten. Dass das Reisebüro zurück in den Bereich Freizeit, Bildung, Beratung geht, freut mich sehr. Hier schließt sich der Kreis. Und mit Frau Reckert hatte ich immer eine außerordentlich angenehme Zusammenarbeit.

Sebastian Weinert: Jetzt blicken wir noch einmal nach vorne. Was sind denn aus Ihrer Sicht die größten Baustellen der Stiftung? 

Michael Schmidt: Schwierige Frage. Ich glaube, dass es immer komplizierter wird, die verschiedenen und sehr unterschiedlichen Aufgabenstellungen der zusammengefügten Bereiche in der Verwaltung zu koordinieren. Wir brauchen, glaube ich, mehr Leute, um bei den ganzen Herausforderungen, die auf uns zukommen, die auch aus dem politischen Umfeld auf uns zukommen, adäquat reagieren zu können – beispielsweise auf die höhere Ambulantisierung und ähnliche Dinge. Zum zweiten glaube ich, ist die Sicherung des Stiftungsvermögens, die in den letzten Jahrzehnten hervorragend gelungen ist, eine ganz wichtige Aufgabe. Ich persönlich würde mir drittens wünschen, dass wir mehr Wohnungen für Menschen mit Behinderung bauen. Das ist ein Anliegen, das ich seit vielen Jahren eigentlich immer wieder versucht habe, umzusetzen. Ich musste mich aber dem beugen, dass unsere Bausubstanz der vorhandenen Immobilien dafür nicht so geeignet ist. Dennoch ist das ein wichtiges Thema.

Sebastian Weinert: Herr Schmidt, vielen Dank und Alles Gute.

 
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