Hörbericht Jour Fixe Assistenzhund

Transkription zum Mitlesen

Jour Fixe Assistenz auf vier Pfoten_ Ein weißer junger Hund, der zum Assistenzhund ausgebildet wird

von Klaus Fechner - (www.reichweiten.net)

 

 Joschi, Ira und Mars sind Hunde.

Atmo – Bellen….

Aber sie sind Hunde mit besonderen Fähigkeiten, denn sie sind Assistenzhunde. Sie unterstützen Menschen mit Behinderung und helfen ihnen in ihrem Alltag. Um Assistenzhunde drehte sich der Jour Fixe der Fürst Donnersmarck-Stiftung am 25. Juni 2014 in der Villa Donnersmarck. Eileen Moritz ist Politikberaterin und sitzt im Rollstuhl. Joschi ist ihr Assistenzhund und sie weiß seine Hilfe zu schätzen:

 
Jour Fixe Assistenz auf vier Pfoten_ Ein Assistenzhund reicht einer Rollstuhlfahrerin ihr Handy

Assistenzhund reicht seiner Herrin ihr Handy

 Das Bringen ist für mich die beste Leistung, weil mir ständig etwas runterfällt. Er zieht mir die Türen zu. Ich habe es oft auf Dienstreisen, dass ich im Hotel bin und dort die Türen mit meinen Armen nicht zu bekomme. Dann habe ich eine bestimmte Strippe mit. Die kennt er, die kann ich an jede Türklinke hängen, dann zieht er hinter mir die Tür zu. Und er kann Schalter bedienen, also Lichtschalter, Fahrstuhlschalter.

 
Jour Fixe Assistenz auf vier Pfoten_Ansicht des Gästepodiums vom Zuschauerraum aus

Assistenzhunde besitzen erstaunliche Fähigkeiten: Türen öffnen, Türen schließen, Dinge aufheben, Schalter bedienen, Jacken ausziehen, Schnürsenkel öffnen, auf Kommando bellen und das Telefon bringen. Schon seit fast einhundert Jahren sind Blindenführhunde bekannt. Genau so wie Assistenzhunde werden sie über Jahre ausgebildet. Doch Blindenhunde sind eine Leistung der Gesetzlichen Krankenkassen, die mit ausgewählten Hundeschulen Verträge abgeschlossen haben. Kathrin Backhaus, selbst Halterin eines Blindenführhundes, berichtet:

Der Blindenhund kommt per Rezept vom Augenarzt oder Hausarzt. Man reicht dann einen Kostenvoranschlag ein, der von einer Hundeschule ausgestellt wurde. Das geht an die Krankenkasse und die übernimmt die Kosten.

 
Jour Fixe Assistenz auf vier Pfoten_ Ein weißer junger Hund, der zum Assistenzhund ausgebildet wird

 Und die können sehr hoch werden:

Dann bekommt man den Hund in Deutschland zwischen 18.000 und 26.000 Euro. Die Krankenkassen tendieren natürlich darauf hin, preiswert auszuliefern. Ich als Halter muss mich vorher bei den Schulen informieren, die anschauen und muss abwägen, wo das Vertrauensverhältnis stimmt. Wo ich der Meinung bin, es wird ein guter Hund ausgebildet. Erst dann wird der Hund ausgebildet. Es gibt keine Schulen, wo der Hund fertig auf Halde steht.

 Assistenzhunde sind ähnlich teuer, doch werden sie nicht von den Krankenkassen finanziert. Eileen Moritz musste für Joschi mehr als 20.000 Euro Spendengelder auftreiben. Das gelang ihr in Zusammenarbeit mit dem Berliner Verein „Hunde für Handicaps“. Seit mehr als 20 Jahren bildet der Verein Assistenzhunde aus. Dabei wurde auch ein Patenschaftsmodell entwickelt:

Die Hunde werden vom Verein gekauft, von einem Züchter. Dann ist er in der Patenfamilie. Und während der Hund dort lebt, müssen die Paten schon kommen. Jede Woche auf den Hundeplatz, müssen trainieren und müssen den Hunden Grundgehorsam beibringen. Stubenreinheit nehmen sie uns ab. Das könnte ich aus dem Rollstuhl heraus gar nicht schaffen. Darum ist das superpraktisch. Mein Joschi kam aus einer Patenfamilie, war vom Verein gesundheitlich durchgecheckt, war durch den Eignungstest durchgekommen. Er hatte also alle Grundvoraussetzungen und dann habe ich die Hilfeleistungen selbst trainiert und ihn zur Prüfung geführt.

 
Jour Fixe Assistenz auf vier Pfoten_Assistenzhund zieht einer Rollstuhlfahrerin ihren Schuh aus

Assistenzhund hilft beim Schuhausziehen

Doch nicht jeder Hund ist dafür geeignet. Assistenzhunde werden ausführlich untersucht, müssen gesund und belastbar sein. Neben den körperlichen Grundlagen müssen sie auch über eine passende Persönlichkeit verfügen. Sie sollten ruhig und ausgeglichen sein und viel Spaß bei der Arbeit haben. Aber auch die Halterinnen und Halter müssen bestimmte Voraussetzungen mitbringen, wie Sabine Häcker erklärt. Sie ist Tierärztin, Hundeerzieherin und Vorstand bei Hunde für Handicaps:

Uns ist wichtig, dass die Leute in der Lage sind, den Hund selbstverantwortlich zu versorgen, also Füttern, Gassi gehen. Und die Menschen müssen in der Lage sein, dem Hund Signale zu geben. Das müssen nicht Hörzeichen sein, müssen keine komplizierten Worte sein. Das können Gesten sein, das kann eine Kombination von Tönen sein. Aber die Personen müssen in der Lage sein, mit dem Hund und mit uns zusammen ein Kommunikationssystem aufzubauen. So dass der Hund verstehen kann, was von ihm erwartet wird.

Mensch und Hund bilden ein Team. Doch nicht überall kommt das Team auch gemeinsam hinein. So gibt es Probleme beim Zugang zu Supermärkten, beim Arztbesuch oder in Kinos. Oft müssen die Hunde draußen bleiben. Und das, obwohl Zugangsrechte bestehen. Da ist ein Umdenken in der Gesellschaft notwendig. Aber auch die politischen Rahmenbedingungen sollten sich ändern, so Sabine Häcker:

 
Jour Fixe Assistenz auf vier Pfoten_Eine Frau sitzt auf dem Podium

 Die Forderung, die wir haben ist, dass das Hundegesetz für Assistenzhunde und für Ausbildungsstätten überhaupt nicht gilt. Denn die Idee vom Hundegesetz ist ja, dass es der Gefahrenabwehr dient. Und Assistenzhunde sind keine Gefahr, sondern sie sind genau so wie Diensthunde im sozialen Dienst. Unsere Forderung ist nicht, dass die Assistenzhundhalter von einzelnen Teilen des Hundegesetzes befreit werden, sondern dass es generell nicht für Assistenzhunde gilt.

Aus Sicht von Häcker sollten außerdem die Krankenkassen die Kosten für Assistenzhunde übernehmen, so wie es bei Blindenführhunden der Fall ist. Dann könnten noch viel mehr Menschen mit Behinderung von der Hilfe durch Assistenzhunde profitieren.

 

 

Hörbericht

 Zum Hören in Netzqualität

 

 Zum Hören in Radioqualität

 

Mehr Hören

Ein Kopfhörer als schwarze Strichzeichnung vor weißem Hintergrund

 

 

Weitere Audiobeiträge finden Sie in unserer Hörbar