Trainingskonzept

 
Was erwartet Sie bei uns?
 
In der Regel wohnen die Bewohner im Durchschnitt 2 ½ - 3 Jahre in unserem Verbund. Das ist abhängig davon, welche Ziele man sich gesetzt hat und wie sicher man sich fühlt, in der individuell angestrebten Wohnform zu leben. Aus unserer Erfahrung teilen wir den WG Aufenthalt in drei Phasen auf:
 
1. Einzugs- und Gewöhnungsphase
Wenn Sie sich um einen WG Platz in unserem Verbund bewerben, werden Sie nach einem persönlichen Gesprächstermin mit der Regionalleitung, erst einmal zum Kennenlernen zu einem Vorstellungsgespräch in eine der WGs eingeladen.
Dort haben Sie die Gelegenheit, das Mitarbeiterteam kennenzulernen und sich die Gemeinschaftsräume der WGs anzusehen, um sich einen eigenen ersten Eindruck zu machen.
Bei positivem Verlauf und ernsthaftem Interesse ist es nun notwendig, die für einen Einzug erforderlichen Anträge zu stellen. Dabei gibt es zur Orientierung das Angebot der begleitenden Beratung durch die Regionalleitung in der Babelsberger Straße.
 
Im Idealfall sind alle Anträge auf Leistungen zum Bestreiten des Lebensunterhalts (Grundsicherung, Hartz IV, Renten etc.) und der Miete bereits vor Ihrem Einzug schon gestellt worden. Sollte dies nicht der Fall sein, werden Sie als zukünftige Bewohner bei der Beantragung dieser Leistungen unterstützt, von den Mitarbeitern beraten und bei Behördengängen begleitet.
Nach einem Monat erstellen die pädagogischen Mitarbeiter eine vorläufige, zusätzlich schriftlich erläuterte, Einschätzung des individuellen Hilfebedarfs nach dem Metzler- System. Zuvor wird mit Ihnen ein ausführliches Gespräch zur Festlegung eigener Schwerpunkte und Entwicklungsziele im ersten Vierteljahr des Aufenthaltes geführt. Dabei kommen erste Erfahrungen, Einschätzungen und Tendenzen zur Sprache.
 
Frisch in der Wohngemeinschaft angekommen, haben viele neue Bewohner den Eindruck, dass sie das scheinbare Chaos z.B. durch die Neueinrichtung im Zimmer, die Neuorientierung in der fremden Umgebung, sowie schriftliche und telefonische Kontakte mit verschiedenen Behörden niemals überwinden werden. Hier ist es hilfreich, dass andere Bewohner diese erste Phase schon bereits überstanden haben und davon aus eigener Erfahrung berichten können.
Denn nach einem absehbaren Zeitraum von ca. 3-4 Monaten kehrt der Alltag ein und das eigentliche Training kann beginnen. 
Es folgt die nächste Phase, die von uns als “Konsolidierungsphase“ bezeichnet wird.
 
 
2. Konsolidierungsphase
Mit „Konsolidierung“ meinen wir, das Zusammenfügen der vielen kleinen neuen Mosaiksteinchen der neuen Wohn- und Lebenssituation zu einem, für den Bewohner überschaubaren, Gesamtzusammenhang:
Der Stress der ersten Wochen und Monate als Auf- und damit Ausnahmesituation fast allen Lebensbereichen ist abgeklungen. Als neuer Bewohner haben Sie jetzt das neue Wohnumfeld, seine Mitbewohner und die Betreuer der Wohngemeinschaft kennengelernt, das Zimmer ist eingerichtet, die behördlichen Angelegenheiten sind auf dem aktuellen Stand, die finanzielle Situation ist geordnet (z.B. beantragte Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts laufen) und viele Dinge, die Ihnen zuvor undurchschaubar erschienen, werden im Alltag nun nachvollziehbar.
Eine Basis für die Zusammenarbeit ist geschaffen, die inhaltliche Betreuungsarbeit, das Training kann beginnen.
 
Was ist Ziel des Trainings?
Grundsätzliches Ziel ist die Vorbereitung des Bewohners auf ein (im Rahmen seiner Möglichkeiten) weitgehend selbst- und eigenständiges Leben in der eigenen Wohnung (mit oder ohne Nachbetreuung durch das betreute Einzelwohnen), bzw. einer geringer betreuten Wohnform.
 
Während des Aufenthalts wird der Bewohner darin unterstützt, sich in den verschiedenen Bereichen des Lebens auszuprobieren:
·        Alte Handlungsstrategien funktionieren ohne das, durch den Umzug zurückgelassene Beziehungsgeflecht nicht mehr, werden überdacht, verändert und teilweise auch verabschiedet.
·        Soziale Beziehungen, z. B. zu Eltern, Geschwistern und Angehörigen verändern sich durch die Distanz. Alte Rollenbilder müssen gemeinsam überdacht, Eigenheiten anerkannt, neue Umgangsweisen miteinander gefunden werden.
·        Neue Lebensbereiche können erschlossen werden, oft beginnt erst nach dem Einzug die Phase der beruflichen Orientierung für die Bewohner.
Dabei gehört es dazu, dass bei der Selbsterkundung Fehler passieren und Wege eingeschlagen werden, die sich im Nachhinein als falsch erweisen, und Misserfolge verkraftet werden müssen.
Diese sind wichtig zum Erkennen der eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Gerade das Erkennen von Fehlern und die Auseinandersetzung mit der Problemlösung ist ein wichtiger Teil des Lernprozesses.
 
Die Bewohner werden in dieser Phase von den Mitarbeitern darin unterstützt, eigenverantwortlich zu Handeln und sich mit den Konsequenzen aus diesem Handeln auseinanderzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.
Dabei kommt es zu Loslösungsprozessen von ehemaligen Autoritätspersonen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Phase ist die Abgrenzung vom Elternhaus/ Pflegefamilie, oder zuvor als selbstverständlich hingenommen Strukturen in zuvor betreuenden Einrichtungen, z.B. Heimen / Arbeitsstelle oder Schule. Die pädagogische Arbeit mit dem Bewohner in seiner Selbstbestimmung bei der Beziehungsgestaltung zum sozialen Umfeld innerhalb und außerhalb der Wohngemeinschaft ist ein wichtiger Schwerpunkt der Betreuung. Einen großen Anteil nimmt dabei die Angehörigenarbeit ein. Die Betreuungsinhalte bestehen also aus sozialer und praktischer Verselbständigung.
 
Lebenspraktischer Bereich
(Beispiele)
  • Ordnung
Jeder hat seine eigene Vorstellung von Ordnung. Vielfach unterscheiden sich die Vorstellungen der Eltern/Erziehungspersonen sehr weit von denen der Heranwachsenden/ Betreuten. Häufig wird dieser Bereich in Familien von körperbehinderten Menschen (oder betreuenden Einrichtungen) stellvertretend von Eltern oder Hilfspersonen übernommen.
In der Trainingswohngemeinschaft wird versucht, gemeinsam mit dem Bewohner, ein eigenes, von ihm möglichst selbst zu bewältigendes Ordnungssystem zu entwickeln. Dazu gehört auch, das Entwickeln einer Selbsteinschätzung, bei welchen Aufgaben in der eigenen Wohnung die Hilfe von einer anderen Personen gebraucht wird und den Umgang mit einer Putzhilfe im Alltag einzuüben.
  • Haushalt (z.B. Wäschewaschen / Kochen / Einkaufen)
Im Alltag ist es notwendig, praktische Abläufe sicher zu beherrschen. Viele junge Erwachsene haben Schwierigkeiten nach dem Auszug aus der Familie/ einer betreuenden Einrichtung, sich in die neue Situation einzufinden und für alle diese Tätigkeiten jetzt selbst verantwortlich zu sein.
Bei Menschen mit einer körperlichen Behinderung fehlt häufig durchdie dauernde Verfügbarkeit eines begleitenden Helfersystems jegliche selbständige praktische Erfahrung.
Im Rahmen des WG-Alltags üben die Bewohner zusammen mit Mitarbeitern den eigenständigen Umgang mit diesen Aufgaben. In kleinen aufeinander aufbauenden Schritten (vom Waschpulverdosieren bis hin zum Haushalts-Einkaufszettel-Schreiben) werden praktische Tätigkeiten für die Bewältigung des Alltags in der eigenen Wohnung trainiert.
     
Weitere Bereiche:
Trainieren des Umgangs mit
  • Geld (Übersicht über die Einkünfte gewinnen, Geldeinteilung üben)
  • Behörden (Kontakte vor- und nachbereiten, Ausfüllen von Formularen üben)
  • Gesundheit (Krankheitseinsicht, Medikamenteneinnahme, Arztpraxen suchen)
 
Begleitende Beratung / Unterstützung / Angebot der Selbst- Reflexion:
  • Eigenverwirklichung / Lebensplanung und -gestaltung
 
In der Trainingswohngemeinschaft erhält jeder Bewohner, ausgehend von seinem Entwicklungstand bei seinem Einzug, nur die individuell zu seiner gezielten Förderung notwendige Beratung und Unterstützung durch die Mitarbeiter der Wohngemeinschaft.
 
Der Bewohner ist dabei der Regisseur seiner Entwicklung – Er bestimmt den Verlauf und Dauer seines Aufenthaltes, indem er durch seine Entwicklung und selbst gesetzte Ziele das Tempo des Trainings bestimmt.- Der Bewohner hat also bei uns den aktiven und handelnden Part.
 
Um niemanden zu überfordern, werden die praktischen Aufgaben aufgeteilt, so dass jeder Bewohner in den Gemeinschaftsräumen / bei den Gemeinschaftsaufgaben nur einen, in Absprache mit den Mitbewohnern festgelegten, Anteil der Alltagsaufgaben erledigen muss. Wir nennen das „Bewohnerämter“. Dabei wechseln sich die Bewohner mit ihren Tätigkeiten in festgelegten Zeitabschnitten, bzw. wenn sie sich in der zuvor ausgeübten Tätigkeit sicher fühlen, untereinander ab.
 
Wie wird trainiert?
  • In regelmäßig festgelegten Abständen finden mit den Bewohnern Einzelgespräche statt, in denen ausgetauscht wird, was von der Planung des Bewohners umgesetzt werden konnte und wo Probleme bestehen. Problemlösungen können gemeinsam mit den Mitarbeitern gefunden werden. Unrealistische Ziele können verworfen, verändert oder ganz neue Ziele festgelegt werden.
  • Im WG-Alltag entsteht bei den Mitarbeitern durch die Begleitungund  gemeinsame Bewältigung der anstehenden Aufgaben und Tätigkeiten durch Beobachtung eine eigene Vorstellung von den Möglichkeiten und Grenzen der Bewohner. Diese Vorstellung über den aktuellen Stand seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten und die gewonnenen Eindrücke werden als Rückmeldung / Spiegelung in die regelmäßigen Bewohnergespräche einfließen. So können im Gespräch gemeinsame neue Möglichkeiten und Alternativen im Austausch entwickelt werden.
  • Ein wichtiger Bestandteil des Trainings ist wie im Sport: Das Üben.               Das mag nerven oder nicht, aber zunächst wird der Bewohner bei einer noch nicht erlernten Tätigkeit / Aufgabe vom begleitenden Mitarbeiter dazu angeleitet, es kann auch passieren, dass sie ihm vorgeführt wird. Dann wird mit ihm schrittweise das eigene Handeln geübt und bis zur sicheren Beherrschung wiederholt. Ziel ist dabei das selbständige Ausüben, oder aber auch die Erkenntnis des Bewohners: Bei dieser Tätigkeit brauche ich auch in der eigenen Wohnung Hilfe!
  • Auch die praktischen Übungseinheiten werden in den regelmäßigen Bewohnergesprächen ausgewertet, auf Dauer entsteht so ein, ganz nah am Bewohner gezeichneter umfassender Förderplan, der bei neuen Entwicklungen immer wieder flexibel angepasst werden kann.  
 
Das Training findet im Lebensraum der Bewohner, in den Gemeinschaftsräumen der Wohngemeinschaft oder direkt in den Bewohnerzimmern statt,
um eine, dem betreuten Einzelwohnen ähnelnde Situation zu schaffen.
 
Das Bewohnerteam
Einmal in der Woche gibt es für alle Bewohner und Mitarbeiter ein verbindliches Zusammentreffen. Wir nennen das „Bewohnerteam“.
Dort kann jeder Bewohner im geschützten Rahmen seine Probleme im alltäglichen Zusammenleben / mit anderen Bewohnern oder in seinem Alltag zur Diskussion stellen, um gemeinsam mit den Mitbewohnern und Mitarbeitern der Wohngemeinschaft eine Lösung zu finden.
Es werden aber auch Absprachen über Bewohnerdienste getroffen und die Termine jedes einzelnen Bewohners im Verlauf der nächsten Woche besprochen und die Begleitung bei Außenterminen durch die Mitarbeiter im Wochenverlauf festgelegt.
Im Bewohnerteam findet soziales Lernen in der Gruppe statt, jeder Bewohner kann hier seine Kritik- und Konfliktfähigkeit trainieren und eigene Kompetenzen bei der Problemlösung und Ideen für die Alltagsgestaltung /oder Aktivitäten in das Gruppengeschehen einbringen.
Zurückhaltende Bewohner können hier mit Unterstützung der Mitarbeiter eigene Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit anderen Bewohnern und der Gruppe sammeln.
 
 
Grundlagen unserer pädagogischen Arbeit
Die enge Zusammenarbeit mit den Bewohnern in fast allen Lebensbereichen fordert von den pädagogischen Mitarbeitern des Trainingswohnverbundes eine professionelle Beziehungsgestaltung. Probleme im Kontakt mit einzelnen Bewohnern und innerhalb des Mitarbeiterteams werden in den 14 tägig  stattfindenden Teamsitzungen angesprochen und können in den regelmäßigen Supervisionssitzungen differenziert bearbeitet werden.
 
Festzuhalten ist, dass es sich beim Aufenthalt in der Trainingswohngemeinschaft um eine Zwischenstation handelt. Jeder Bewohner trifft hier zunächst auf fremde Menschen, die sich in vielen verschiedenen (und manchmal auch für ihn unangenehmen) Situationen um ihn bemühen und ihn darin unterstützen, eine eigene Antwort oder Lösung darauf zu finden.
 
Wichtig sind hierbei für den Umgang miteinander:
  • Respekt und Achtung vor dem Anderen
Wir treffen uns auf einer Augenhöhe und nehmen den anderen als Person wahr, als Menschen mit seiner Geschichte und seinem Schicksal. Einzigartig. Ob Mitarbeiter oder Mitbewohner, der Andere und ich sind gleichwertig, unabhängig von besonderen Verhaltensweisen. Das fällt z.B. in anstrengenden Alltagssituationen besonders schwer und sollte gerade darin besonders beachtet werden.
Mit Respekt ist gemeint: WIE rede ich über Andre / mit Anderen?
WIE gehe ich mit vertrauensvollen Informationen um?
  • Wertschätzende offene Kommunikation
Wir sprechen offen und ehrlich miteinander, im Gegensatz zum Vertuschen und hintenrum übereinander reden.
  • Nähe und Distanz
Durch die enge und intensive Zusammenarbeit bei der Alltagsbewältigung entsteht im Trainingswohnverbund häufig ein sehr persönlicher Kontakt und große Nähe zwischen Bewohner und Mitarbeiter. Gleichzeitig muss der Mitarbeiter immer wieder auf Distanz gehen, um dem Bewohner bei seinen Loslösungsprozessen zu unterstützen und ihm nicht eine falsche Nähe als „Anker“ in einer ungefestigten Lebenssituation anzubieten. Wir sind zwar nett und verständnisvoll, sind und werden aber nicht die Freunde der Bewohner.
  • Menschenbild
Der Bewohner ist für uns nicht „der Behinderte“ mit einem bestimmten Krankheitsbild. Er ist vor allem ein Mensch mit seinen Interessen und Vorlieben, in seine Familie oder ein anderes soziales Gefüge eingebunden, mit ganz und gar eigenen Vorstellungen und Hoffnungen für seine Zukunft und sein Leben.
Wir bewerten nicht, wir bemühen uns im Rahmen des Aufenthaltes in unserem Verbund, die Vorstellungen und Hoffnungen des Bewohners aufzugreifen und ihn dabei zu unterstützen, sie selbst, soweit es realistisch ist, in die Realität umzusetzen. 
       
Was sind Grenzen …. Und was dann?
Bei fehlender Zusammenarbeit / Kooperation oder Stagnation versuchen die Mitarbeiter zunächst einmal durch gezielte Problemanalyse und gemeinsames Abgleichen, Anpassen und Verändern der zuvor vereinbarten Zielsetzungen des Bewohners neue Motivation bei ihm entstehen zu lassen.
Falls der Bewohner sich nicht mehr an seine Vereinbarungen und die Regeln der Wohngemeinschaft hält und von der Situation überfordert zu sein scheint, stellt sich die Frage, ob er in unserer Wohngemeinschaft grundsätzlich richtig untergebracht ist.
Gemeinsam mit dem Bewohner werden dann andere Wohnformen besprochen und besichtigt und in angemessener Frist sein Auszug vorbereitet. 
Eskaliert die Situation so weit, dass er zur Gefahr für sich und Andere wird, dann wird zur Abwendung der akuten Gefährdung in Zusammenarbeit mit dem sozialpsychiatrischen Dienst des Bezirks die Unterbringung in einer, mit der individuellen Problemlage befassten, Institution veranlasst.
Sucht
Wird ein Bewohner im Laufe seines Aufenthaltes suchtmittelabhängig, kann das Training nicht fortgesetzt werden, da sich das Leben eines Süchtigen ausschließlich um die Suchtmittelbeschaffung dreht. Andere Perspektiven und Trainingsinhalte können so nicht umgesetzt werden. Mit dem Bewohner wird auf die Einsicht in seine Problematik hingearbeitet, ein Entzug angebahnt. Parallel wird eine speziell auf die Suchtproblematik ausgerichtete Fachklinik für eine stationäre Therapie gesucht.
Die Möglichkeit der Rückkehr in die WG richtet sich dann nach Dauer und Verlauf der Behandlung in der Fachklinik.
 
Akute psychische Erkrankungen
Tritt im Verlauf des Aufenthaltes in der Wohngemeinschaft eine psychische Erkrankung beim Bewohner auf, wird als erster Schritt gemeinsam mit ihm eine fachärztliche Diagnostik und Beratung eingeholt. Bei ambulant therapeutisch behandelbaren Erkrankungen wird der Bewohner bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten unterstützt.
Sollte es sich aber um eine, nur stationär behandelbare und / oder chronische Störung handeln, muss der Bewohner die WG verlassen und sich einer stationären Behandlung in einer Fachklinik unterziehen. Die Möglichkeit der Rückkehr in die WG richtet sich dann nach Dauer und Verlauf der Behandlung in der Fachklinik.
 
 
3. Auszugsphase
Die letzte Phase des Aufenthalts in der Trainingswohngemeinschaft beginnt mit dem Erreichen der individuell vereinbarten Trainingsziele, bzw. mit der Erkenntnis, dass das Betreuungsangebot der Trainingswohngemeinschaft keine wesentlichen Entwicklungsschritte mehr bewirken kann.
Nach Ablauf eines Zeitraumes von 2 ½ -3 Jahren sind erfahrungsgemäß die trainierbaren Ressourcen des Bewohners ausgeschöpft. Ob der erreichte Entwicklungsstand den Anforderungen der vom Bewohner angestrebten Wohnperspektive entspricht, kann realistisch nur unter simulierten Bedingungen wie in der eigenen Wohnung erprobt werden.
Die Auszugsphase endet mit dem Verlassen der Wohngemeinschaft, bzw. bei Inanspruchnahme anschließender Nachbetreuung mit der Übergabe der Betreuung an die nachfolgende Institution.
Grundsätzlich hat es sich als günstig erwiesen, die Betreuung durch die dem Bewohner bekannten Mitarbeiter über den Auszugstermin hinaus zu gewährleisten, um seine Überforderung durch parallelen Wechsel des Umfeldes/ Wohnsituation und seiner Betreuungspersonen zu vermeiden.
 
Beschreibung der Phase
 
Bei Beginn der Auszugsphase passen wir den Zeitumfang und die Form unserer Betreuungsangebote den Bedingungen des angestrebten Betreuungskonzeptes schrittweise an.
 
Beispiele
  • Festlegung regelmäßiger Gesprächstermine im Zimmer des Bewohnersoder im Büro.
  • Der Bewohner übernimmt die aktive Gestaltung der ihm zur Verfügung stehenden Zeitfenster.
  • Terminmanagement und Freizeitgestaltung werden in Eigenregie erprobt (Erinnerung/ Beratung nur noch auf Wunsch).
  • Regelung von Behördenangelegenheiten und /oder Zusammenarbeit mit dem gesetzlichen Betreuer gehen zunehmend in Eigenverantwortung über.
  • Die Geldeinteilung- und Verwaltung wird den Bedingungen nach dem Auszug angeglichen.
  • Aktenführung und Umgang mit offiziellen Schreiben wird in die eigenen Hände genommen bzw. an den gesetzlichen Betreuer delegiert und spätere Verfahrensweisen eingeübt.
 
Auszugsvorbereitung
 
Bei der Vorbereitung des Auszugs stehen folgende konkrete Arbeitsschritte an:
  1. Aktive Suche nach der geeigneten Wohnform
  2. Sicherstellung der erforderlichen Nachbetreuung
  3. Sicherstellung des erforderlichen Hilferahmens im lebenspraktischen Bereich, z.B. Pflegedienste, Putzhilfen, Fahrdienste
  4. Bei konkreten Wohnungsangeboten, Erkundung der örtlichen Infrastruktur (Geschäfte, Behördenwege, Verkehrsverbindungen etc.)
  5. Entwicklung tragfähiger Handlungsstrategien für Krisen- oder Krankheitsfälle (Einleitung von Arztwechseln zu nahegelegenen Praxen, Kontaktpunkte bei seelischen Notlagen usw.)
  6. Konsequente Spiegelung der Eigenverantwortlichkeit des Bewohners
 
 
Umsetzung und Abschluss
Eine Simulation der Situation in der eigenen Wohnung ist innerhalb des normalen Tagesverlaufs in der Wohngemeinschaft nicht möglich. Durch die Anwesenheit der Mitbewohner und / oder der WG-Mitarbeiter im Alltag gibt es keine langen Phasen, in denen ein „auf sich allein gestellt sein“ geübt werden kann.  Bei aller guten Vorbereitung bleibt der Schritt des Umzugs in die eigene Wohnung deshalb ein „Sprung in das kalte Wasser“. Die Mitarbeiter freuen sich, wenn wieder einmal ein junger Mensch seinen Weg in die Selbständigkeit geschafft hat.