Tuml-Tag im Wedding

Ein Besuch bei Himmelbeet

Eine idyllische Oase fanden die WIR-Redakteurinnen Doris Brandt und Helga Hofinger vor, als sie im Sommer 2016 zu Gast im Weddinger Kiezgarten Himmelbeet waren. Doris Brandt erzählt hier, was sie alles über das inklusive Projekt erfahren hat. Helga Hofinger hat den Kiezgarten ein zweites Mal zusammen mit Andrea Gerlach besucht, die nahe an dem Kiezgarten in einer Einrichtung der Fürst Donnersmarck-Stiftung lebt. Mittlerweile geht Andrea Gerlach regelmäßig zum tuml-Tag, ein inklusives Angebot des Kiezgartens. Die tollen Fotos stammen von Helga Hofinger.


 
Eine Blumenvase und eine Laterne auf einem Tisch

So idyllisch kann Natur mitten im Wedding sein

 

Ich besuche die Himmelbeet gGmbH und werde sehr freundlich von Josephine Bruse und Ulrike Bruckmann begrüßt. Gemütliche Stühle laden zum Hinsetzen ein, neben Kaffee und Tee gibt es auch selbstgemachte Limonade im Cafe Himmelbeet. Der Sitzplatz ist umgeben von vielen Beeten mit Blumen und Gemüse. Ich sehe zwei Frauen, die sich Tomaten und Salat in eine Schüssel füllen und kaufen. Ich denke, was für ein neues Kauferlebnis und welch eine Oase nur ein paar Schritte entfernt vom quirligen Leopoldplatz im Wedding.

 
Zwei Frauen sitzen sich gegenüber und unterhalten sich

WIR-Redakteurin Doris Brandt (links) im Gespräch mit Kiezgarten-Akteurin Josephine Bruse

 

 In einem Gespräch mit Josephine und Ulrike will ich mehr über das Inklusionsprojekt „tuml“ der Himmelbeet gGmbH erfahren. Die beiden Frauen organisieren und begleiten das Projekt. Sie investieren Zeit und Kraft, um Kontinuität zu gewährleisten. Als feste Ansprechpartnerinnen geben sie den Besuchern der tuml-Tage das Gefühl anzukommen, in die Runde aufgenommen zu werden und sich zugehörig zu fühlen. 

Josephine Bruse erklärt, „tuml“ steht für Teilhabe und Mitbestimmung leben. Sie führt weiter aus: „Jeden Dienstag und jeden Samstag finden die tuml-Tage statt. Es ist ein Inklusionsprojekt von Menschen mit und ohne Behinderung. Jeder kann kommen und mitgärtnern und Samstags gibt es Workshops zu bestimmten Themen. Eine Gruppe von Teilnehmern kommt regelmäßig, insbesondere Menschen mit Behinderung sind sehr zuverlässige Besucher. Da es sich um eine offene Gruppe handelt, können auch immer wieder neue Teilnehmer begrüßt werden. Damit sich alle angesprochen fühlen und man sich kennenlernt, beginnen wir mit dem „Kaffeetrinken“ und einer Vorstellungsrunde, dann arbeiten wir zu einem bestimmten Thema in einem Workshop und danach wird gemeinsam ein Essen zubereitet. "

 
Mehrere Menschen sitzen unter einem Zeltdach und diskutieren

Wie kann Inklusion im Kiezgarten aussehen? Regelmäßige Workshops suchen nach Antworten

 

Der heutige tuml-Tag beschäftigt sich mit dem Thema Food Design. Wir wollen die Currywurst „umgestalten“, zum Beispiel die Wurst aus einer Salatgurke schnitzen und mit weiteren Zutaten garnieren, wir werden sehen was entsteht. Im Vordergrund steht aber, dass es Spaß machen soll. Essen regt ja auch die Sinne an. Verschiedene Kulturen haben verschiedene Nahrungsmittel, die verschieden aussehen und anders riechen. So können spielerisch bestehende Essenskonzepte aufgebrochen werden. Der Workshop und das gemeinsame Essen sorgen dafür, dass die Menschen ins Gespräch kommen und aufeinander zugehen. Sie gehen aufmerksam miteinander um und stellen fest, wo sie sich einbringen können. So unterstützen sich die Teilnehmer gegenseitig.
Hinter diesen Aktivitäten steht ein Konzept. Frau Bruse und Frau Bruckmann konkretisieren: „Unser Ziel ist es, Inklusion praktisch umzusetzen. Wir haben Ende April mit diesem Konzept angefangen und sind sehr zufrieden. Es läuft gut. Menschen begegnen sich in neuen Zusammenhängen, das erzeugt Offenheit für neue Erfahrungen. Menschen brauchen einen festen Rahmen, um sich zu treffen und den organisieren wir hier. Wir möchten auch die Träger der Behindertenhilfe mit einbeziehen, dazu gibt es schon ganz verschiedene Ideen. Zur Verstetigung des Projekts ist es wichtig, die Erfahrungen aufzuschreiben und so für die Zukunft festzuhalten. Diese Dokumentation werden wir im Winter beginnen.“

 
Eine Frau inspiziert Pflanzen in einem Hochbeet

Andrea Gerlach lernt heute den Kiezgarten kennen.

 

 Andrea Gerlach:

"Eigentlich habe ich mir immer eine Wohnung mit Balkon gewünscht. Das ist leider nichts geworden. Seit Februar wohne ich hier im Wedding und ich wusste nichts vom Himmelbeet. Erst durch eine Betreuerin aus dem Fürst Donnersmarck-Haus, die auch in der Gegend wohnt, bin ich darauf aufmerksam geworden. Und tatsächlich brauche ich mit dem Rollstuhl nur drei Minuten hierher – das ist jetzt mein Garten! 
Wir machen hier so viele interessante Sachen. Letzte Woche haben wir zum Beispiel unter Anleitung eine Outdoor-Küche gebaut und heute kochen wir zusammen Marmelade ein.
Mittendrin zu sein bedeutet für mich Inklusion. Behinderte und Nicht-Behinderte machen etwas zusammen – eben tuml!"

 
Eine Frau sitzt auf einer Bank vor einem Beet und befühlt die Blumen

Nach dem Interview macht sich WIR-Redakteurin Doris Brandt selbst ein Bild

 

Möchten Sie auch in der Natur verweilen, sich ausruhen, mitgärtnern, ernten und bei den tuml-Tagen mitmachen? All dies können Sie ungezwungen tun. Nachzulesen unter www.himmelbeet.de/aktuelle-projekte/tuml

 
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