Kompetent im Sozialraum

Vom Wagnis des praktischen Tuns

Die Gefahr der Überforderung für alle Beteiligten ist groß, wenn es an die praktische Umsetzung des Sozialraum-Konzeptes geht.

- für Klienten, wenn ihr Mut auf neue Wege ihnen im Resultat Schaden zufügt,
- für Mitarbeitende, wenn sie sich mehr zutrauen, als der Arbeitgeber bewilligt,
- für Verantwortliche, wenn die offene Proklamation der Sozialraumorientierung mit Tabuisierung einhergeht.

Die Fortbildung rund der Hälfte der Mitarbeitenden hat Rückwirkungen auf die Organisation.
Die Elemente theoretisches Wissen, praktisches Tun und Reflektieren und Erarbeiten einer persönlichen Arbeitshaltung (Fortbildungsausschreibung) führen zur Weiterentwicklung im Verstehen des Sozialraum-Ansatzes.

So sind ausgearbeitete Essays zu den Themen
„Autonomie, Risiko und Verantwortung“ und „Pole Position oder Rollstuhl“ von Prof. Dr. Wolfgang Weigand,
zu „Sozialraumorientierung - von Praxisversuchen im unwegsamen Gelände“ von Stefan Reinders, zur sozialraumorientierten Öffentlichkeitsarbeit von Helga Hofinger, sowie zum Thema
„Scham und Leidenschaft in der Betreuungsarbeit“ von Doris Brandt
entstanden.
Zwei Jahre nach Abschluss der Weiterbildung erfolgt eine Bestandsaufnahme zu deren Folgen auf die Organisation in Form eines Fachgespräches.



Einen Überblick über die Texte finden Sie im Folgenden:

 
  • Der Rollstuhlfahrer im Betreuten Wohnen verlässt seine Wohnung, um Geschäfte zu erledigen und durch die Stadt zu spazieren. Er machte das in der Vergangenheit immer auf der gleichen Route, die er gut und ohne Schwierigkeiten bewältigte. Dann wählte er ohne Absprache eine neue Route und hat sich verfahren; er kam nicht mehr aus eigener Kraft zurück, musste ausfindig und nach Hause gebracht werden. Das Ganze war nicht ungefährlich und er war deswegen auch etwas verwirrt. Die nächste Ausfahrt findet mit der Absprache statt, auf der alten Route zu bleiben, was nicht geschieht. Er kommt strahlend zurück und erzählt, wo er überall gewesen ist, aber nicht so, wie es verabredet war. Nun will er also wieder auf Tour gehen und die Betreuerin ist in Konflikt, ihn ziehen zu lassen oder restriktiv zu werden.

     
  • Ich sitze auf dem Marktplatz in einer Kleinstadt und beobachte den lebhaften Publikumsverkehr. Dabei kommt mir der Gedanke, die Menschen, die an mir vorübergehen, unter der Perspektive einer möglichen Behinderung zu betrachten. Es braucht nicht lange, die augenfälligen Einschränkungen körperlich behinderter Mitmenschen zu registrieren: die alte Frau mit einem Gehstock, der junge Mann mit zwei Krücken, um sich trotz einer Beinverletzung vorwärts bewegen zu können; ein ungewöhnlich dicker Mann, der an der Nase und am Oberarm blutete, vielleicht war er aufgrund seiner Übergewichts gestürzt.

     
  • Systematisch im Sinne des Unternehmens zu kommunizieren, auf persönlichen und medialen Kanälen in Dialog mit relevanten Zielgruppen zu treten, das sind die Kernaufgaben der Öffentlichkeitsarbeit. Ziel ist es, die positive Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit her- und sicherzustellen, das Image zu pflegen und das Management dabei zu unterstützen, sich in der Öffentlichkeit zu positionieren und die Organisation weiterzuentwickeln.

     
  • Im September 2014 trafen sich Kirsten Bielefeld, Bereichsleiterin des Ambulant Betreuten Wohnens der Fürst Donnersmarck-Stiftung (ABW),Doris Brandt, Prof Dr. Wolfgang Weigand und Stefan Reinders, zu einem Austausch über Stand und Herausforderungen einer nachhaltigen Implementierung des Sozialraumkonzeptes. Die Gesprächsteilnehmer haben die Weiterbildung „Kompetenz im Sozialraum“ für Mitarbeitende des Ambulant Betreuten Wohnens entwickelt und durchgeführt.

     
  • Die konzeptionelle Weiterentwicklung der Behindertenhilfe beschäftigt Einrichtungen und Träger der Behindertenhilfe. "Es geht“, so Norbert Schwarte, „um nicht weniger als den Umbau eines Hilfesystems, das sich in mehr als 100 Jahren herausgebildet hat und in den rechtlichen Strukturen, in den institutionellen Vorgaben, aber auch in den Vorstellungen tief verankert ist, die sich die allermeisten Zeitgenossen hierzulande über eine angemessene Versorgung von Menschen machen, die auf kontinuierliche Unterstützung in ihren alltäglichen Lebensvollzügen angewiesen sind." (Schwarte 2007, S 1.)

     
  • In der prozessorientierten Fortbildung „Kompetenz im Sozialraum“ entwickelte sich das Thema Scham im Verlauf der achtsamen Auseinandersetzung und Aufarbeitung einer Projektarbeit. Es fand den Weg von der Kleingruppe ins Plenum und stieß hier auf großes Interesse. Im weiteren Verlauf der Fortbildung folgten Einzelarbeiten, Gruppenarbeiten und Diskussionen im Plenum. Die Fortbildungsteilnehmer setzten sich dabei sowohl mit den eigenen Schamgefühlen als auch mit denen der Klienten auseinander. Zum Auftakt der Bearbeitung dieses Problemfeldes wurde der nachfolgende Vortrag gehalten. Das Ziel war, die Kolleg/innen über allgemeine Aspekte von Schamgefühlen zu informieren und sie für die Arbeit mit Klienten an diesem Thema zu sensibilisieren.