KLIENTEN VERTRETEN IHRE INTERESSEN

Die sozialraumorientierte (Neu-)Ausrichtung im Ambulant Betreuten Wohnen der Fürst Donnersmarck-Stiftung setzt an den Interessen der Klienten an. Das Projekt, die Gründung eines Klienten Beirates zu begleiten, unterstützt das Anliegen, Partizipation und Teilhabe der Klienten innerhalb der Stiftung auch strukturell zu verankern und trägt so – als im Kern „inklusives“ Projekt - dazu bei, die sozialräumliche Ausrichtung der Stiftung rückzubinden an die Interessen der Klienten.

Alle werden einbezogen

Ich habe im Rahmen der Sozialraum-Fortbildung den Aufbau eines KlientenBeirats unterstützt und begleitet. Zu Beginn des Projektes bildete sich eine kleine Projektgruppe aus drei Hauptamtlichen und zwei Klienten, in der wir zunächst unsere Ideen und Vorstellungen austauschten, rechtliche Voraussetzungen klärten und überlegten, welche Informationen uns noch fehlten bzw. wie wir mehr über Klientenvertretung an sich in Erfahrung bringen könnten.
Frau H. wollte bei ihrer früheren Arbeitsstelle nachfragen, da sie dort quasi die Geburtsstunde eines solchen Gremiums miterlebt hatte. Ich wusste von der Existenz einer Interessensvertretung der Klienten bei der Lebenshilfe, dem sogenannten „Berliner Rat“, und wollte mit ihm in Kontakt treten. Wir kamen schnell überein, dass wir alle Klienten des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) schon in die Vorbereitung mit einbeziehen wollten. Dazu sollten alle über unsere Idee informiert und zu einer Versammlung eingeladen werden. Nach Möglichkeit sollte bei diesem Treffen eine Vorbereitungsgruppe gebildet werden, die das Projekt weiterentwickeln und eine Wahl vorbereiten sollte. Zudem musste eine Abstimmung über das Projekt mit der Bereichsleiterin erfolgen.

Beim dritten Treffen im Januar besprachen wir die Rückmeldung von der Bereichsleiterin. Ihr Vorschlag, das Projekt Klienten Beirat zu nennen, fand unsere Zustimmung. Wir besprachen den Text für die Einladung und legten die Zeiten für eine Rückmeldung und den Termin für das Treffen mit den interessierten Klienten fest. Wir waren nun äußerst gespannt über den weiteren Verlauf. Wir hatten bereits von einigen Klienten gehört, die sich neugierig und interessiert zeigten. Das vierte und fünfte Treffen im Februar nutzten wir für die konkrete Vorbereitung der Versammlung. Es gab über 50 Rückmeldungen zu unserem Einladungsschreiben und 14 Anmeldungen für die Teilnahme bzw. Mitarbeit.

Zum Treffen für die Vorstellung des Projekts Klienten Beirat und die Gründung der Vorbereitungsgruppe erschienen 11 Klienten (drei weitere waren verhindert) und drei begleitende Kollegen. Alle Bereiche und Regionen waren vertreten! Nach einer munteren Vorstellungsrunde wurde die Tagesordnung vorgestellt und fand Zustimmung.

Der Regionalleiter stellte zunächst die Region mit ihren verschiedenen Bereichen des ABW vor. Danach referierte ich über die Fragen „Was ist ein Klienten-Beirat und was kann er bewirken?“. Im Anschluss moderierte Frau H. die Diskussion zur Fragestellung: Welche Ideen gibt es zu den Aufgaben und Arbeitsbereichen eines Klienten Beirats aus Sicht der Anwesenden. Die Äußerungen wurden auf einem Flipchart notiert.

Als nächstes stand die Bildung der Wahl-Vorbereitungsgruppe an. Es meldeten sich 5 Personen aus der Runde. Zusammen mit uns drei Initiatoren hatten wir damit eine Gruppe von 8 Personen. Die Klienten, welche für das Treffen verhindert waren, sollten noch zu einer Beteiligung befragt werden. Schnell war der Termin vereinbart, an dem die neue Gruppe ihre Arbeit aufnehmen konnte, nämlich genau einen Monat später. Die Stimmung war insgesamt sehr positiv und am Ende der Veranstaltung zeigten sich alle Teilnehmenden zufrieden. Fast alle, muss man einräumen, denn ein Bewohner des WmI-Pankow ist früher aufgebrochen (wobei die Nachfrage in der Folgewoche ergab, die Runde sei ihm zu hektisch gewesen).

Anfang September 2013 wurden im Rahmen des Sommerfestes des Ambulant Betreuten Wohnens sowie per Briefwahl fünf Mitglieder und sechs Stellvertretende bei einer Wahlbeteiligung von 68% in den Klienten Beirat gewählt.
Inzwischen tagt der Klienten Beirat regelmäßig einmal im Monat, hat das Sommerfest 2014 mitvorbereitet und initiiert Befragungen zum Fahrtendienst und zur Zufriedenheit in der Betreuung.

Hans J. Schulz, Sozialarbeiter