STADTTEILZENTRUM INKLUSIV

In unmittelbarer Nähe zum Wohnen mit Intensivbetreuung Alte Mälzerei (WmI) liegt das Stadtteilzentrum Berlin-Pankow. Das WmI-Team trifft sich dort regelmäßig zu Sitzungen und überlegte, wie Angebote auch von den WmI-Klienten genutzt werden könnten.

Ein Haus für alle

Die Mitarbeiter des Stadtteilzentrums begreifen das Haus als ein „HAUS FÜR ALLE“, das auch für Menschen mit Beeinträchtigung ein Ort für Begegnung, Information und Freizeitgestaltung, gemäß dem Übereinkommen der UN über die Rechte der Menschen mit Behinderung (Artikel 3 Allgemeine Grundsätze), werden soll. Die Angebote im barrierefreien Stadtteilzentrum umfassen Kurse verschiedenster Art, Veranstaltungen vom Spieletag bis zum Pankeputzen, und es gibt ein von Montag bis Freitag geöffnetes Café, mit Terrasse und Spielplatz, das ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt wird.

In einem auf drei Jahre angelegten Projekt wollen Mitarbeiter und Nutzer des Stadtteilzentrums dieses für das Anliegen „Inklusion“ öffnen. Menschen mit Beeinträchtigung sollen als Experten für ihre eigenen Belange in Arbeitsgruppen mit interessierten Bürgern zusammenarbeiten und das Angebotsspektrum auf ihre Wünsche und Bedürfnisse hin überprüfen und weiterentwickeln.

Es lag nahe, dass wir aktiv an dem Projekt „Stadtteilzentrum Inklusiv“ mitmachen. Durch die Beteiligung von Menschen mit Behinderung, deren Assistenten und interessierten Mitarbeitern von Trägern der Behindertenhilfe aus dem Bezirk, gelang es, Fragen zu identifizieren, deren Beantwortung für ein inklusiv ausgerichtetes Stadteilzentrum wesentlich sind:

  • Welche Angebote sind für die Teilnehmer interessant?
  • Lassen sich bestehende Gruppen für unser Klientel öffnen?
  • Wie lassen sie sich öffnen (Kursleiter ansprechen, Assistenz für Teilnehmer)?
  • Benötigt man teilweise vielleicht auch einen geschützten Raum?
  • Was kosten die Kurse?
  • Was braucht es an Toleranz bei den bisherigen Nutzern, Haupt- und Ehrenamtlichen des Stadtteilzentrums und wie erreicht man diese?
  • Wie kann man Mitarbeiter und Nutzer vorbereiten?

Was ist Inklusion?

Die Präsenz von Menschen mit Behinderung hat wesentlich dazu beigetragen, dass Fragen direkt gestellt wurden und neue Bearbeitungsmethoden Erkenntnisse und Aha-Effekte erzeugten.
Zur Frage, „Was ist Inklusion?“ hat jeder Teilnehmer ein Selbstportrait gezeichnet, in jeder Hand ein Schild. Darauf sollte jeweils eine Sache, die er gut kann und eine, die er nicht so gut kann, geschrieben werden. Die Bilder wurden nebeneinander angepinnt und ergaben ein sehr buntes Bild verschiedenster Menschen mit verschiedensten Fähigkeiten. Inklusion könnte also bedeuten: Alle unterschiedlichen Menschen zusammen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten bilden die Gesellschaft.

Für die eingeladenen Menschen mit Behinderung als „Experten in eigener Sache“ hatte das den Nebeneffekt eines ersten “Beschnupperns“ und des Verringerns von Hemmschwellen.

Kritik, Wünsche und Ideen der AG-Teilnehmer sind in die Antragstellung aufgenommen worden. Ich habe so manches Mal bei den Sitzungen gedacht, es wird viel geredet, aber wirkliche Ergebnisse gibt es nicht. Zum Teil wurden Themen auch immer wieder besprochen, so dass ich häufig ungeduldig wurde. Das Ergebnis zeigt aber, dass es sich lohnt, die notwendige Geduld aufzubringen, genau zuzuhören.
Menschen mit Behinderung sind durchaus in der Lage, ihre Bedürfnisse zu äußern. Vielleicht ist es ja meine Beeinträchtigung, dass ich es nicht gleich verstehe? Diese Erfahrung nehme ich mit ins WmI zu unseren Mieterversammlungen, auch hier ist ja ein Forum für unsere Klienten, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und sich damit aktiv an der Gestaltung des Alltags zu beteiligen.

Gabriela Schmidt, Erzieherin