Podcast zu Paralympics Berlin 2024

Diskussion von Pro und Contra

Personen sitzen auf einer ser dunklen Bühne in farbigen Sesseln

Foto: Reinhard Tank

Hier ein Podcast zur Veranstaltung des Behindertensportverbandes Berlin am 15.02.2015 in der Arena Treptow, unser Reporter vor Ort war Klaus Fechner von reichweiten.net:

In den kommenden Monaten entscheidet sich, ob Berlin die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 ausrichten wird. Der Behindertensportverband Berlin lud am 15. Februar zu einer Diskussion über Vor- und Nachteile von Paralympics in Berlin in die Arena in Treptow. Unterstützt wurde die Veranstaltung und damit eine offene Debatte von der Fürst Donnersmarck-Stiftung. In einer angeregten Diskussion kamen sowohl Argumente dafür als auch dagegen zur Sprache. Ein Befürworter ist Dr. Erhart Körting, Präsident des Berliner Behindertensportverbandes und ehemaliger Justiz- und Innensenator der Stadt. Er sieht eine große Chance:

Paralympics bedeuten für mich auch, dass Berlin wieder anknüpfen kann an seine Rolle als Vorreiter für Barrierefreiheit, die im Moment ein wenig verloren zu gehen scheint. Das heißt, ich verspreche mir davon, dass ein Signal ausgeht, die Stadt barrierefreier zu gestalten. Wenn wir hier Paralympics haben, dann sind wir alle in der Pflicht das zu machen. Und ich verspreche mir was davon nicht nur für den Sport, sondern insbesondere für das Leben von Menschen mit Behinderung in Berlin.

 

Eine sehr breite Debatte

Dr. Erhart Körting mitten in der Diskussion auf orangenen Sessel sitzend

Foto: Reinhard Tank

Auch Kirsten Bruhn erhofft sich positive Veränderungen. Die mehrfache Goldmedaillengewinnerin bei den paralympischen Schwimmwettbewerben glaubt, dass Inklusion vorangebracht werden kann:

Das bedeutet für mich eine große Hoffnung, die hoffentlich auch verwirklicht wird, in Richtung Integration und Inklusion. Dass dieses beispielhafte Modell 2012 in London hier vielleicht 1 zu 1 umgesetzt wird. Und das heißt nicht nur aktuell für die Spiele, sondern auch im Vorfeld. So dass die Sportstätten entsprechend dargestellt werden. Und vor allen Dingen, dass es präsentiert wird. Und das im Vorfeld wirklich inklusiv. Sprich: olympisch und paralympisch. Deswegen hieß das auch in London „2012 - Die Spiele“ und nicht olympisch und paralympisch. Ich denke das ist ein großer Meilenstein gewesen, den ich mir auch in Deutschland erhoffe.

Außerdem würden die Paralympics in Deutschland dem Breitensport einen Schub geben. Das wünscht sich auch der Sportlehrer Henry John. Er unterrichtet an der Toulouse Lautrec Schule, die insbesondere mit körperbehinderten Kindern arbeitet. Allerdings glaubt er nicht an Verbesserungen im Schulalltag:

Für den Schulsport werden Paralympics nichts ändern. Also, unsere Schwimmhalle ist kaputt und die wird auch für die nächste Zeit kaputt bleiben. Ich erwarte andere Sachen von Olympia. Das ein bisschen was angeschoben wird, dass die Meinung der Menschen über den Sport sich verbessert. Also, dass der Sport auch eine Zielfunktion hat und die Jugendlichen zum Sport treiben animiert. Gerade die Schüler, die ein Handicap haben, sollen und müssen Sport treiben. Und wenn Paralympics das anschieben können, ist das ein Riesenerfolg.

Ob die Paralympics ein Riesenerfolg für Berlin werden, bezweifelt Oliver Klar. Der Jugendreferent beim Berliner Behindertensportverband engagiert sich auch beim Kinder- und Jugendsportverein Pfeffersport. Aus seiner Sicht gilt es wichtigere Aufgaben zu lösen:

Ich denke, wir werden zwei Wochen, acht Wochen ganz viel Spaß haben in dieser Stadt. Wir werden Trubel, Heiterkeit und Spannung haben. Danach werden wir feststellen, so meine Befürchtung, dass die Stadt sich weiter verschuldet hat. Und dass wir die drängenden Fragen, die es hier gibt – wie das Thema Inklusion in den Schulen, wie das Thema wie kann Breitensport in Vereinen und Schulen gefördert werden, wie das Thema bezahlbarer Wohnraum – ich denke, das sind die Fragen, die wir dann nicht gelöst haben werden.

Außerdem befürchtet er, dass die aktuell geschätzten Kosten von etwas mehr als drei Milliarden Euro für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Berlin nicht ausreichen werden. Für Isko Steffan, Vizepräsident beim Landessportbund und ehemaliger Sitzvolleyballer, sind die entstehenden Kosten nur Mittel zum Zweck. Denn gerade Investitionen in Infrastruktur werden sich lohnen. Er glaubt,

dass Barrierefreiheit nicht nur die Athleten und Athletinnen betrifft, auch die Zuschauer und die Journalisten. Das wird jetzt schon sehr frühzeitig mit eingespeist. Das konkreteste Projekt, das zurzeit verfolgt wird, ist der Jahnsportpark. Er soll als inklusiver Jahnsportpakt ausgebaut werden. Und auch außerhalb der Bewerbung für die Spiele ist es so, dass die Sportstruktur – zum Beispiel was die Förderung des Spitzensports, Zugänglichkeit zu Olympiastützpunkten – sich in den letzten zehn Jahren deutlich gewandelt hat. Und wir deutlich sehen, dass der Behindertensport mitgedacht wird.

Es entstehe also ein langfristiger und nachhaltiger Nutzen für den Behindertensport. Gerade die Nachhaltigkeit bezweifelt Dr. Johannes Verch. Der Sportwissenschaftler ist Gastprofessor der Alice Salomon Hochschule Berlin und Aktivist im Rahmen der „NOlympia“-Bewegung:

Die ersten Reaktionen, die ich hörte, als der Olympia-Diskurs anrollte, da hörte ich sowohl aus der Sportverwaltung als auch aus dem Landessportbund, die haben alle den Schalter umgelegt und die haben nur noch mit Olympia zu tun. Wenn ich auf lange Zeit viele Senatsverwaltungen und Verbände auf dieses einseitige Ziel verpflichte, dann bleiben andere Bereiche natürlich ein Stück weit im Argen. Ob das jetzt die Schwimmbäder sind oder andere Dinge mehr. Die Vielfalt gerät in solchen besetzten Planungsressourcen zwangsweise aus dem Blickwinkel. Und das für eine ganze Weile.

Bei den Paralympics gehe es einseitig nur um Spitzensport und in der Breite werde nichts ankommen, so seine Befürchtung. In der Diskussion um Pro und Contra kamen viele Argumente zur Sprache. Für den 13. September diesen Jahres ist eine Bürgerabstimmung geplant, die ein Meinungsbild wiedergeben soll. Allerdings entscheidet bereits am 21. März der Deutsche Olympische Sportbund, ob sich Berlin oder Hamburg bewerben dürfen.

Die ganze Diskussion wurde schon inklusiv geplant z.B. zwei Schriftdolmetscherinnen von Hörsicht.

 

 

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