Folie 7: Vergrößerte Darstellung der Folie und Text der Folie
Zum Ende des 20. Jahrhunderts drängt sich ein neuer Begriff ins allgemeine Denken, in die Sozialgesetzgebung, die Pädagogik, die Wissenschaft, z.B. über neue Klassifikationssysteme wie den ICF: der Begriff der Teilhabe.
In dem Wort steckt der Anteil (share), der sowohl die Aktie als Symbol des gemeinsamen Besitzes wie die gemeinsame Handlung etwa beim shared decision making bezeichnet.
Dabei hat das Wort „teilen“ eine interessante Doppeldeutigkeit. Wenn man sagt: „Kinder müssen teilen lernen“, dann meint man eher das Aufteilen von Dingen, jeder hat seins. Teilen kann aber auch „etwas gemeinsam nutzen und genießen“ bedeuten. Ähnlich schillernd ist die Teilhabe im wirklichen Leben. Die Teilhabe eines Betroffenen sollte die Möglichkeit der Gemeinsamkeit ebenso beinhalten wie das Recht auf Eigenes.
In jedem Fall aber wird mit dem Teilen, wie immer man es praktiziert, die alte Asymmetrie von Geben und Nehmen aufgelöst, ein geradezu revolutionärer Schritt. Die damit einhergehende Veränderung sollte nicht unterschätzt werden. Sie ist gewaltig, schwer zu verwirklichen und gelingt nicht von einem Tag auf den anderen.
Es wird öfter darüber diskutiert, welche Bedeutung diese Gleichrangigkeit für Betroffene hat, ob sie nicht ein untergeordnetes Ziel gegenüber Heilung und Linderung sei. Nun, in Rheinsberg war die Sache eindeutig: Der Wunsch Nr. 1 der Betroffenen: Respekt, Augenhöhe, ein Thema, das wir im Vorbereitungsteam nicht antizipiert hatten.
Natürlich wurde ihnen zugestimmt. Als aber am zweiten Tag eine Arbeitsgruppe mit dem Thema „Respekt“ eingerichtet wurde, waren die Betroffenen doch weitgehend unter sich. Die Forscher waren überwiegend bei den AGs „Dialog“ und „Partizipation“.