Großflughafen BBI und Barrierefreiheit - ein Hörbericht

Transkription

Zwei Männer und zwei Frauen knien neben einem einer Frau im Rollstuhl
 
2011 soll er fertig sein, der Großflughafen Berlin Brandenburg International. Noch wird dort gebaut. Zu den Planungen gehören auch die Belange behinderter Reisender. Barrierefreiheit heißt das Stichwort. Die Fürst Donnersmarck-Stiftung lud im Rahmen der Reihe „Jour Fixe“ die Beteiligten ein, die für diesen Bereich zuständig sind.
Den aktuellen Stand der Überlegungen schildert Hans-Joachim Paap. Er ist Architekt und Projektleiter Objektplanung der Planungsgemeinschaft BBI. Zum Beispiel wird ein taktiles Leitsystem mit Kontaktstreifen im Boden installiert, das direkt an den Eingängen zum Flughafen beginnt:

Da führt ein direkter Weg einmal an den Infocounter. Aber er verbindet auch alle vertikalen Erschließungsträger, die runter in den Bahnhof führen. Oder Aufzüge in die Ankunfts- und Zwischenebene oder aus dem Bahnhof kommend. Und zu einem Servicebereich zentral mit einer Behindertentoilette und auch mit einer Möglichkeit Rollstühle zu tauschen. Und dann gibt es dicht dabei noch eine Sonderkontrolle in der Sicherheitskontrolle, die etwas breiter ist, damit man dort bequem durchkommt.

Außerdem werden die Handläufe der Treppen Brailleschrift enthalten, die Bedienelemente der Aufzüge sollen rollstuhlgerecht angeordnet sein und alle Infoschilder werden von innen beleuchtet. So ist die Schrift besser zu erkennen. Alle 80 Meter gibt es einen WC-Komplex, der jeweils Behindertentoiletten enthält. Einige davon sind dann speziell eingerichtet, beschreibt Hans-Joachim Paap:

Wir haben an der Seite eine Klappliege, die höhenverstellbar ist. Sie misst 90 Zentimeter mal 2 Meter. Dort können Wickelvorgänge durchgeführt werden. Und dann eine Notrufschnur, die am Boden geführt ist, falls man stürzt. Dann kann man am Boden liegend einen Notruf auslösen.

Toilettensitz und Waschbecken sind zudem höhenverstellbar. Doch die baulichen Maßnahmen sind nur eine Seite. Schon seit diesem Jahr wird auch das Personal besonders geschult. Zum Beispiel in Gebärdensprache. Anke Borchardt vom Aviation Flughafenmanagement am jetzigen Flughafen Berlin-Schönefeld zu weiteren Maßnahmen:

Wir haben weitere Trainings durchgeführt mit einem Rollstuhlverlade-Training mit dem Ladedienst. Wir haben ein Umsetztraining initiiert. Auch dort haben wir alle Mitarbeiter und Servicemitarbeiter eingeladen, so dass auch jede Organisation, die Personal am Flughafen tätig hat, das zu Gehör bekommt. Und alle Trainings sind sehr gut angekommen, wir haben von allen ein positives Feedback erhalten.

Es wurde deutlich, dass die Belange von Menschen mit Behinderung bei den Planungen für BBI beachtet werden. Das liegt auch an den „Arbeitskreis Barrierefreiheit“ des Landkreises Dahme-Spreewald. Dieser ist nämlich bei allen Überlegungen beteiligt und bringt viele sinnvolle Ideen ein. Die Behindertenbeauftragte des Landkreises Dahme-Spreewald, Elke Voigt, beschreibt, wie die Zusammenarbeit begann:

Wir haben im November 2007 eine zweitägige Fachtagung in Rheinsberg gemacht. Das war ein guter Start, um sich gegenseitig und auch das Projekt kennen zu lernen und erste Arbeitsergebnisse zu erarbeiten. Und jetzt treffen wir uns alle sechs bis acht Wochen und reden drei bis vier Stunden miteinander. Wir arbeiten intensiv an ein bis zwei Themen, sei es das taktile Leitsystem oder die Beschilderung an Treppenhandläufen oder ähnliches.


Sicherlich könnten nicht alle Vorschläge des „Arbeitskreises Barrierefreiheit“ umgesetzt werden. Es gäbe auch kontroverse Diskussionen, so Elke Voigt. Wichtig ist ihr aber, dass der Arbeitskreis keine Alibifunktion habe, er könne wirklich Entscheidungen beeinflussen:

Es ist der Wille des Landkreises im Zusammenwirken mit dem BBI, mit den Planern, dieses Gremium ernst zu nehmen und Barrierefreiheit im BBI umzusetzen.


In der anschließenden Diskussion wurden die beschriebenen Maßnahmen zur Barrierefreiheit insgesamt positiv bewertet. Darüber hinaus gab es weitere Verbesserungsvorschläge, die die Architekten bei den weiteren Planungen berücksichtigen wollen.

Autor: Klaus Fechner, audio:link
 
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