Wie viel Selbstbestimmung erlaubt die berufliche Rehabilitation?

Ein Dialog der Akteure - Nachbericht

Mann präsentiert vor einer Metaplanwand
 
Vom Gesetz her, ist die Sache eindeutig: Die Selbstbestimmung behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen ist in der Rehabilitation ein Leitziel, Menschen mit Behinderungen haben – wie alle nicht-behinderten Menschen – ein Recht darauf, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Selbstbestimmung stellt jedoch nicht nur für Rehaträger und Leistungserbringer eine Herausforderung dar, sondern auch für den Behinderten: Sie lässt sich nicht mit einem passiv konsumierenden Gegenüber realisieren, sondern erfordert vielmehr Aktivität und Initiative des Leistungsberechtigten. Ein Workshop, der vom 27.-29.10. 2008 im HausRheinsberg stattfand, ging nun der Frage nach, wie viel Selbstbestimmung in der beruflichen Reha existiert.

Zu einem Dialog zwischen allen Beteiligten im Rehabilitationsprozess hatten die Deutsche Akademie für Rehabilitation, die Fürst Donnersmarck-Stiftung und die Deutsche Vereinigung für Rehabilitation geladen. Im Rahmen eines Einladungsworkshops diskutierten Rehabilitanden aus verschiedensten Einrichtungen und ambulanten Bereichen der beruflichen Rehabilitation mit Fachleuten von Leistungsträgern und Leistungserbringern sowie den Mitglieder der wissenschaftlichen Fachgruppe RehaFutur. Dabei ging es um Themen wie: „Worauf kommt es den Leistungsberechtigten in Bezug auf Selbstbestimmung und Selbstverantwortung an? In welchen Zusammenhängen wird Selbstbestimmung wahrgenommen?“

Und natürlich ging es um die Zukunft: Die Frage „Benötigt berufliche Rehabilitation der Zukunft mehr und/oder andere Formen von Selbstbestimmung?“ wurde ebenso erörtert wie die Frage, welche Rahmenbedingungen in Zukunft noch erforderlich sind, damit die Leistungsberechtigten stärker selbst verantwortlich agieren können. Die Antworten waren erhellend, so die Organisatoren.

Eine Vielzahl von Erkenntnissen spiegele die aktuelle Situation und gebe zielführende Vorstellungen für die Zukunft. Auch wenn die einzelnen Ergebnisse noch ausgewertet werden müssen, lassen sich einzelne grundsätzliche Punkte ableiten:
  • Die im Gesetz verankerte eigenverantwortliche Beteiligung der Leistungsberechtigten ist bisher in der Praxis nicht einmal sinngemäß kaum angekommen. Das gilt für den Zugang zur beruflichen Rehabilitation genauso wie für den Reha-Prozess.
  • Die Leistungsberechtigten wollen als erwachsene Menschen ernst genommen und entsprechend auf Augenhöhe und nicht als Bittsteller behandelt werden.
  • Zugang und Beratung zur beruflichen Rehabilitation werden von den verschiedenen Leistungsträgern sehr unterschiedlich gehandhabt, die Abläufe weisen teilweise im Grundsätzlichen erhebliche Schwächen auf.
  • Die Leistungsberechtigten sahen für die Zukunft eindeutig und selbstverständlich die Notwendigkeit, dass sich die Betroffenen in geeignetem Rahmen selbstständig mit ihrer Situation auseinandersetzen und agieren, aber im Gesamtprozess auch Mitverantwortung übernehmen müssen.

Bei den Beteiligten erwies sich der „Dialog der Akteure“ als Erfolg – und die daraus gewonnenen Ergebnisse werden ihn fruchtbar für die Zukunft machen: Die wissenschaftliche Fachgruppe RehaFutur wird die Erkenntnisse und Anregungen in ihrer Arbeit und Berichterstattung berücksichtigen.

Prof. Dr. Hans-Peter Riedel, Deutsche Akademie für Rehabilitation e.V., Bonn

 
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