Andere Augen, die Vernissage

Doppelseite aus dem Buch mit Brailleschrift und Großfoto
 

Das Fotolesetasthörbuch "Andere Augen", ein Bildband für Sehende und Blinde, wird in der Ausstellung »Andere Augen - eine Ausstellung über das Sehen« vom 27. März bis zum 27. Juni 2009 zu sehen sein. Die Vernissage findet am 26. März um 19.00 Uhr im Kleisthaus, Mauerstraße 53 in 10117 Berlin statt.

 

Arild Röland ist Milchbauer, Terje Karlsrud Lehrer. Beide Männer stehen mitten im Leben, gehen ihrem Beruf nach – dafür müssen sie jedoch viel mehr Energie aufbringen als andere. Arild, mit Albinismus geboren, verfügt nur über 10 Prozent der normalen Sehstärke. Terje ist in seiner Kindheit vollständig erblindet. Beide Männer sind die Protagonisten des Buches »Andere Augen – ein Fotolesetasthörbuch«, das mehr als nur ein Bildband über zwei Norweger ist. Es ist ein Bildband für Blinde, Sehbehinderte und Sehende gleichermaßen.


Fotolesetasthörbuch nennt der freischaffende Grafikdesigner und Fotograf Gregor Strutz (29) seinen Bildband, der im Rahmen des Ausstellungsquartetts »Menschen+Perspektiven« im Kleisthaus in Berlin gezeigt wird. Es vereint unterschiedliche Sehmethoden und ermöglicht damit verschiedene Annäherungen an die Protagonisten der Fotoreportage: Großformatige Bilder, Informationen in Blindenschrift, einen umfassenden Textteil und Audio-CDs. Zu jedem der rund 50 Fotos gibt es atmosphärische Beschreibungen auf CD. Des Weiteren sind Interviews mit den beiden Norwegern zu lesen und zu hören.


Das Buch kombiniert so – einzigartig – mehrere Möglichkeiten, damit Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen an die gleichen Informationen gelangen können. Ganz im Sinne des universal design: Zugang für möglichst viele, ohne dabei zu separieren. Zudem wurde eine neue Drucktechnik für Blindenschrift angewandt, um Fotos und Blindenschrift auf ein und demselben Papier unterbringen zu können.


Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. »In Deutschland hat in den letzten Jahren ein Umdenken begonnen. Wir wollen weg von der reinen Fürsorge, hin zu Teilhabe und Selbstbestimmung behinderter Menschen. […]

 

Ich bin Herrn Strutz sehr dankbar dafür, dass er sich mit seinem Engagement zum Vorreiter einer dringend notwendigen Entwicklung gemacht hat. Ich habe die Schirmherrschaft über sein Projekt »Fotolesetasthörbuch« aus Überzeugung übernommen. Ich wünsche dem Projekt den verdienten guten Erfolg und viele Nachahmer.«


»Andere Augen – eine Ausstellung über das Sehen« ist als Fotoausstellung für Blinde und Sehbehinderte weitgehend barrierefrei gestaltet. Die Ausstellungsgestaltung orientiert sich vordergründig an den Bedürfnissen behinderter Menschen, ohne die Gewohnheiten nichtbehinderter Menschen zu vernachlässigen. Ein Audio-Guide führt blinde Besucher durch die Räume und beschreibt die Momentaufnahmen aus dem täglichen Leben von Arild Röland und Terje Karlsrud.


Texte und Auszüge aus Interviews sind den Bedürfnissen Sehbehinderter angepasst und stehen teilweise auch in Blindenschrift zur Verfügung. Die Fotografien werden zusätzlich als Handkatalog angeboten und können so auch von Nahem betrachtet werden.

 

Über den Autor:

Zwei Männer an einem Tisch mit zwei Bücher, einer blättert

Gregor Strutz präsentiert sein Diplomprojekt Wolfgang Schrödter, Geschäftsführer der Fürst Donnersmarck-Stiftung

 

Gregor Strutz studierte Grafikdesign an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Bereits während des Studiums beschäftigte er sich mit barrierefreiem Grafik-Design. Das Projekt »Andere Augen – ein Fotolesetasthörbuch« entstand im Rahmen seiner Diplomarbeit in Kooperation mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig. Der Berliner arbeitet derzeit an weiteren Projekten für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum.

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung hat das Diplom- und das Buchprojekt  unterstützt.

 
nach oben