100 Jahre und 15 Minuten später

Festakt zur 100-Jahrfeier der Gartenstadt Frohnau

Blumenbeet mit dem Muster 100 Jahre Frohnau

Der Zeltinger Platz im Frühjahr 2010 mit dem Casinoturm im Hintergrund

 

Am 7. Mai 1910 wurde die Gartenstadt Frohnau gegen 4 ¼ mit einer Rundfahrt über einen Teil der damals knapp 20 km fertig gestellten Straßen durch den Wald und vorbei an den vielen noch nicht verkauften Grundstücken eröffnet. Anschließend traf man sich zum Festessen im Casino am Bahnhof, wie die Hermsdorfer Zeitung in ihrer Ausgabe vom 10.Mai 1910 berichtete. Rund 100 Jahre und eine Viertelstunde später eröffnete Rechtsanwalt Kai-Peter Breiholdt, Vorstand des Grundbesitzervereins Berlin-Frohnau, am 7.5.2010 gegen 16:30 Uhr im Centre Bagatelle, der ehemaligen „Worch-Villa“, den offiziellen Festakt zum 100-jährigen Bestehen des nördlichsten Ortsteils im Bezirk Reinickendorf.

 
Blick in den Saal des Centre Bagatell mit Sitzreihen voller Gäste

Blick in den Saal

 

Die rund 70 geladenen Gäste, darunter viel lokale Prominenz und alle Stadträte des Bezirks, lauschten interessiert den Ausführungen von Rechtsanwalt Johannes Neumann zur Gründungsgeschichte dieser Gartenstadt am nördlichen Rande Berlins. Seine Familie ist nun schon seit 99 Jahren „Siedler“ in Frohnau, wie die Ersterwerber genannt wurden. Er berichtete von der damals innovativen Muldenversickerung des Regenwassers, vom Bau des Casinoturms am Bahnhof, von 1100 holländischen Kastanien zur Begrünung des Poloplatzes, den landschaftsplanerischen Ideen des Gartenarchitekts Ludwig Lesser. Gerade dessen Handschrift kann jeder Besucher noch heute in den geschwungenen, den Höhenlinien folgenden Straßen und offenen grünen Plätzen Frohnaus gut erkennen.

 
Zwei Männer im Gespräch

Rechtsanwalt Johannes Neumann begrüsst Fürst von Donnersmarck, den Urenkel des Gründers von Frohnau

 

Ehrengast Fürst Guidotto Henckel von Donnersmarck bezeichnete seine Einladung im Gedenken an den Gründer von Frohnau, seines Urgroßvaters Fürst Guido, als eine Ehre. Er erinnerte zum einen an dessen innovative unternehmerische Aktivitäten, die ihn zu einem der reichsten Menschen in Preußen und zum Entwickler der Gartenstadt Frohnau machte. Zum anderen wies er auch auf das soziale Engagement seines Urgroßvaters hin, der im Ersten Weltkrieg ein privates Lazarett im Casino am Bahnhof Frohnau einrichtete. Aus der Arbeit in diesem Lazarett entstand die Idee zur Errichtung der Stiftung Fürst Donnersmarck-Institut, der späteren Fürst Donnersmarck-Stiftung, die immer noch mit der Familie Henckel-Donnersmarck verbunden ist und die mit dem Fürst Donnersmarck-Haus auch noch einen Standort ganz im Norden Berlins besitzt.

 
Zwei Herren im Gespräch

Fürst von Donnersmarck im Gespräch mit Stadtrat Peter Senftleben (rechts)

 

Stadtrat Peter Senftleben ordnete den Ortsteil in den Bezirk ein: 17.000 der 240000 Einwohner Reinickendorfs leben hier, er lobte das bürgerschaftliche Engagement in der Gartenstadt. Der Bundestagsabgeordnete Frank Steffel, gebürtiger Frohnauer und Direktmandatsträger für Reinickendorf, spannte in seinem Grußwort einen Bogen vom Kaiserreich bis in die heutige Zeit und verknüpfte dabei 100 Jahre deutscher Geschichte mit Ereignissen in Frohnau wie Mauerbau und Schaffung des „Entenschnabels“ oder die OHV Frohnaus zum Umland hin nach dem Fall der Mauer.

 
Helle Villa in einem grünen Garten

Das Centre Bagatelle, die ehemalige "Villa Worch", in der Nähe des Zeltinger Platzes

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung öffnete das Centre Bagatelle, das ehemalige französische Offizierscasino und jetzige Domizil des Kulturvereins, seine Türen für alle Interessenten. Die Besucher kamen zur Eröffnung einer Fotoausstellung zur Geschichte und Präsentation des Buches „100 Jahre Gartenstadt Frohnau“, die humorvoll und nuancenreich der Schriftleiter Peter Jochen Winters übernahm. Hier findet der geneigte Leser, die geneigte Leserin auch all die Informationen, die ihm in diesem Artikel zu Frohnau fehlen.

 
Zwei Herren mit einem blauen Buch in der Hand

Ideengeber und Motor des Buches Eberhard Malitzki (links) mit Herausgeber Peter-Jochen Winters

 

Bibliographische Angaben:
Peter Jochen Winters (Hrsg.), 100 Jahre Gartenstadt Frohnau, Ein Berliner Ortsteil eigener Art, Berlin 2010, ISBN: 978-3 000 030826-0

 
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