In der Hoffnung, dass die Musik sie trägt

Das HausRheinsberg beherbergt die 4. International German Classics im Rollstuhltanz

Vier Paare im Rollstuhltanz bei Siegerehrung

Die Sieger des International German Classics in den Lateinamerikanischen Tänzen, Leistungsklasse 2

 

Durchatmen und konzentrieren, wer aus dem Takt kommt, hat schon verloren, liebe Tanzpaare, jetzt geht es los, beginnen Sie in der Hoffnung, dass die Musik Sie trägt“, so eröffnete Turnierleiter Jens Grundei das Feuerwerk des Abends, die Finals in den Lateinamerikanischen Tänzen: Lautes Klatschen der Zuschauer, Kreischen und Anfeuern der einzelnen Paare durch die eigenen Teams, alles getragen von heißen Rhythmen. Sieger in dieser Kategorie bei den International German Classics im Rollstuhltanz am 1.Mai wurden Maxim Sedakov / Svetlana Kukshkina, die für Russland starteten. Die Silbermedaille nahmen Steven Fenech / Mandy Ghio aus dem HausRheinsberg mit auf ihre Heimatinsel Malta, der dritte Platz ging an die Kombination aus der Ukraine Ivan Zamiga / Ievgeniia Babina.

 
Rollstuhltanzpaar im Vordergrund, zwei Wertungsrichter im Hintergrund, eine Frau im Rollstuhl

Zwei Wertungsrichter, zwei Temperamente, Elena Lozko (ganz links) Andrej Micunek (ganz rechts)

 

Selbst die meisten Wertungsrichter erfassten der Rhythmus und die Stimmung in der mit 230 Zuschauern randvollen Halle. Sie wippten mit, besonders Andrej Micunek im weißen Anzug mit weißen Schuhen und weißem Schlips konnte nicht still halten. Seine Knie und seine Zehenspitzen schienen ein Eigenleben zu führen. Ganz ruhig hingegen blickte seine Kollegin aus Russland, die Präsidentin des russischen paralympischen Tanzsportverbandes Elena Lozko, auf die Paare. Die nach internationalen Regeln vorgeschriebene geschlossene Wertung war neu bei diesem vierten Turnier in Rheinsberg. Im Gegensatz zur deutschen offenen Wertung können die Wertungsrichter bei der geschlossenen Wertung einander nicht beeinflussen und Teilnehmer wie Zuschauer wissen bis zum Schluss nicht, wer auf welchem Platz steht. So bleibt es spannend bis zum letzten Tanz und die Paare holten die letzten Reserven aus sich heraus.

 
Drei Rollstuhltanzpaare vor Siegerpodest

Die deutschen Meister im Standardtanz, Leistungsklasse 2, ganz rechts das Paar Kober/Habben-Kober

 

Im ersten Teil des Abends wurden u.a. die Deutschen Meister in den Standardtänzen ermittelt. Es bestätigten Jean Marc Clement und Andrea Neumann von RSV Frankfurt ihre Form und verwiesen Andreas Donath / Heike Limberg auf den zweiten Platz. Die Neulinge in der Leistungssportgruppe Reiner Kober / Birgit Habben-Kober überraschten mit einem starken dritten Platz. Das Ehepaar aus Essen tanzt schon seit einiger Zeit, aber das Turnier in Rheinsberg war ihr erstes in der Leistungssportgruppe. „Das Tanzen schweißt uns zusammen, es ist unsere Art, sehr intensiv unsere Freizeit zu verbringen“, berichtet Reiner Kober auf die Frage nach der Bedeutung des Tanzens in ihrem gemeinsamen Leben. Und seine Frau Birgit ergänzt: „Der Zündstoff, der immer mal im Training entstehen kann, bleibt auf dem Parkett.“ Einen gemeinsamen Traum hat sich das Paar vor zwei Jahren erfüllt, als beide zusammen beim Wiener Opernball einen Wiener Walzer auf das Parkett legen konnten.

An der Tanzveranstaltung, die aus den Deutschen Meisterschaften, den International German Classics und dem Deutschlandpokal für Amateure besteht, nahmen rund 60 Paare aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, der Slowakei, der Ukraine und Russland teil sowie zwei Wertungsrichter aus Spanien und Luxemburg. Die weiteste Anreise hatten die Teilnehmer aus Malta.

 
Zweier Männer im Gespräch, einer im Rollstuhl

Ernst Denneborg (rechts) am Rande des Turniers in Rheinsberg

 

Nach Einschätzung von Ministerialrat Ernst Denneborg vom Referat zur Förderung des Leistungssports der Menschen mit Behinderung diene der Tanzsport der Integration im doppelten Sinne: Er könne integrativ durchgeführt werden und gleichzeitig hilft der attraktive Sport insgesamt mit seinen Bildern bei der Akzeptanz und Integration behinderter Menschen in der Gesellschaft. Ministerialrat Denneborg war in Vorbereitung der Rollstuhltanz-Weltmeisterschaft bei dieser internationalen Veranstaltung im HausRheinsberg. Die Weltmeisterschaft, deren Schirmherr sein Dienstherr, der Bundesinnenminister Thomas de Maizière, ist, findet am 6.-7. November 2010 in Hannover statt.

 
nach oben