Teilhabesicherung verbessern

5. Nachsorgekongress: Teilhabesicherung, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit verbessern.

Zwei Frauen im Gespräch vor einem Stand des P.A.N. Zentrums
 

Am 10. und 11.3.11 fand im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin der 5. Nachsorgekongress der Arbeitsgemeinschaft "Teilhabe, Rehabilitation, Nachsorge und Integration nach Schädelhirnverletzung" statt. Das Motto der Tagung lautete: "Teilhabesicherung, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit verbessern."

Betroffene und ihre Angehörigen, Praktiker in der Nachsorge, Neurowissenschaftler, Vertreter von Institutionen, Kostenträger und aus der Gesundheitspolitik folgten der Einladung. Die Fürst Donnersmarck-Stiftung wurde durch den ärztlichen Leiter des P.A.N.Zentrums, Prof. Stephan Bamborschke, vertreten. Professor Bamborschke referierte im Rahmen des Workshops: "Passgenaue Eingliederung durch kompetentes Teilhabemanagement" über die post-akuten neurologischen Angebote der Stiftung im P.A.N.Zentrum in Berlin-Frohnau. Am Stand der Fürst Donnersmarck-Stiftung trafen sich Betroffene, Angehörige und Therapeuten, um sich über die Arbeit des P.A.N. Zentrums zu informieren und rege zu diskutieren.

Einigkeit herrschte darüber, dass zwar die medizinische Versorgung und Rehabilitation oft noch recht gut ist, aber viele Maßnahmen nicht in den Alltag hinein reichen und Teilhabe an Schule, Beruf und Gemeinschaft in vielen Fällen nicht sicher gestellt ist.

 

Monika Lierhaus und Samula Koch sind nur die Spitze des Eisberges

Das Schicksal der ARD-Moderatorin Monika Lierhaus hat zu Recht große Aufmerksamkeit erlangt. Sie hatte ein lebensbedrohliches Aneurysma, eine Ausstülpung eines Blutgefäßes im Gehirn. In der Folge des Hirnschadens erlitt sie eine langwierige Behinderung und hat sich mühsam wieder "zurück ins Leben gekämpft".

Ein anderer in der Öffentlichkeit bekannter Fall ist der Sturz des Kandidaten Samuel Koch bei "Wetten das?". Auch er erlitt eine neurologische Behinderung, und es ist bis heute nicht klar, ob er lebenslang gelähmt sein wird oder nicht.

Die Mehrzahl der Menschen mit erworbenem Hirnschaden hingegen genießt nicht so viel Aufmerksamkeit und Unterstützung. Gemeint sind Schädelhirnverletzungen, die in Deutschland jedes Jahr bei 270.000 Menschen durch einen Unfall eintreten – rund die Hälfte im Alter unter 25 Jahren. Bei ihrer Versorgung gibt es eine Kluft zwischen dem, was individuell notwendig ist und den Angeboten des Sozialsysstems.Ursachen sind unter anderem Unfälle im Straßenverkehr, im Haushalt oder bei Spiel und Sport. Alle zwei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland ein solches Trauma. Diese Menschen und auch ihre Angehörigen sind oft lebenslang auf Hilfe angewiesen.

 

"Eigentlich sind die entsprechenden Sozialgesetze in Deutschland ordentlich. Es hapert jedoch an der Umsetzung. Ansprüche von Behinderten, auch solchen mit Schäden am Zentralen Nervensystem (ZNS), werden nach dem neunten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB IX) geregelt", verlautbarte die Hanne-Kohl-Stiftung. Dies sei jedoch kein "Leistungsgesetz".

Das hieße zum einen, dass nicht in jedem Fall gezahlt wird – folglich werden viele Betroffene in die Armutsfalle getrieben. Zum anderen gäbe es ein Wirrwarr an Zuständigkeiten, und das für Menschen, deren Möglichkeiten, ihre Rechte einzufordern, ohnehin beeinträchtigt sind. Hier sollte der Kongress Wege aufzeigen.

Quellen: P.A.N. Zentrum und ZNS Hannelore-Kohl-Stiftung

 
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