Henning Scherf erzählt - ein Hörbericht

„Je bunter umso besser“

Henning Scherf mit Mikrophon
 

Henning Scherf erzählt über sein Leben in einer Wohngemeinschaft. Lesung im Gästehaus Bad Bevensen am 15.12.2011.

Etwas ungewöhnlich ist es schon, wenn Dr. Henning Scherf jeden Zuhörer im Publikum persönlich mit Handschlag begrüßt. Es ist unüblich – aber so ist er eben. Gleich zu Beginn des Abends baut er eine Beziehung zu den Zuhörern auf, ist nah an ihnen dran. Und so erzählt er dann auch sehr persönlich von seinem Leben im Alter und seiner Vorbereitung darauf.

Der ehemalige Bremer Bürgermeister ging vor sechs Jahren in den Ruhestand. Seitdem hat er mehr Zeit für Dinge, die ihm Freude machen. Er singt im Chor, hat mit der Malerei angefangen, schreibt Bücher, ist Vorsitzender des Vereins Pan Y Arte, macht noch vieles andere und gestaltet Abende wie diesen im Gästehaus Bad Bevensen der Fürst Donnersmarck-Stiftung.

Hier erzählt er, dass seine Frau und er schon im Alter von 50 Jahren überlegt haben, wie sie später leben wollen. Mit Freunden und Bekannten haben sie dann vor 24 Jahren mitten in Bremen eine Wohngemeinschaft mit verschiedenen Generationen gegründet, in der sie auch heute noch leben. Hier sind sie nicht allein, auch in schweren Zeiten unterstützen sich die 10 Bewohner. Henning Scherf erzählt davon, dass eine Mitbewohnerin schwer krank war und die anderen sich die Pflege geteilt haben. „Auch Männer können Pflegen lernen.“ Alle haben geholfen und das war mit 10 Menschen leichter, als wenn einer allein vor dieser Aufgabe steht.

Sicher muss man auch Konflikte austragen können, aber das lerne man im Miteinander. Die Frauen in der Wohngemeinschaft haben sich anfangs leichter damit getan als die Männer. Aber auch diese haben gelernt, Konflikte zu benennen und darüber zu reden. „Jeder Krach bietet auch die Gelegenheit, einen Neuanfang zu gestalten.“

Auf die Frage, ob solche Wohngemeinschaften in allen gesellschaftlichen Schichten denkbar sind, erzählt Henning Scherf von vielen Beispielen, die er erlebt hat. „Je bunter umso besser.“ Je verschiedener die Menschen sind, desto abwechslungsreicher sei das Leben in der Gemeinschaft.

Henning Scherf erzählt von seinem Leben im Alter, beantwortet die zahlreichen Fragen des Publikums und freut sich, wenn er mit den Zuhörern ins Gespräch kommt. Bei allem ist ihm aber eins besonders wichtig: „Ich will den Leuten ihr selbst organisiertes Isoliertsein aufbrechen. Überlegt euch rechtzeitig, wie und ob ihr mit anderen zusammen alt werden wollt.“ Er sagt, er schreibe seine Bücher, weil er das Resignative aufbrechen wolle. Man müsse manchmal Schritte wagen, auch wenn man nicht wisse, ob sie zum Erfolg führen.


Susanne Schiering

 
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