Sonntags in der Villa – Der Kultursonntag

Behindert im Schaffen

Schwarzweißbild von einem Mann, der mit einem Skizzenblock arbeitet

Werner Schubert-Deister © Karl Grüner

 
„ÜberWunden – Eine deutsch-deutsche Rückschau“ zeigt anhand zweier Künstlerbiografien, wie in der DDR freies Schaffen und System kollidierten.
Konzert mit Stephan Krawczyk und Ausstellungs-
eröffnung mit Werken von Werner Schubert-Deister am 13.03.2011 in der Villa Donnersmarck.
 
Es heißt, behindert ist man nicht, behindert wird man. Für Kunstschaffende in der DDR war dies mitunter eine tägliche Wahrheit. Sie prägte auch die Leben von Werner Schubert-Deister und Stephan Krawczyk, in die es zum Kultursonntag am 13.03.2011 facettenreiche Einblicke gibt.

Der gelernte Musiker, Maler, Grafiker und Bildhauer Werner Schubert-Deister (1921-1991) lebte mit den körperlichen Beeinträchtigungen einer Kriegsverletzung, viel gravierender waren die Behinderungen durch einen Staat, von dem er sich mit seiner Kunst nicht instrumentalisieren ließ. Seine Inhalte und Formensprache waren unvereinbar mit dem ästhetischen Ideal des Sozialen Realismus. Schubert-Deister wurde aus dem offiziellen Kunstbetrieb der DDR ausgeschlossen. Seine Kunst entwickelte er quasi für die Schublade. Nach Jahren der Drangsalierung stellt der Maler 1981 den Antrag auf Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft. Ausreisen darf er erst 1986. In der Bundesrepublik stellt der Künstler erfolgreich aus. Der große Durchbruch gelingt ihm zu Lebzeiten nicht mehr. Die Ausstellung zeigt einen Ausschnitt eines beeindruckenden Werks, das so lange im Verborgenen existieren musste.

 
Stephan Krawczyk mit Akkordeon

Stephan Krawczyk

 

Stephan Krawczyk setzt sich autobiographisch mit dem Lebensgefühl einer in der DDR sozialisierten Generation auseinander. Krawczyk entwickelte sich vom gefeierten Chansonstar zu einer führenden Stimme der Bürgerrechtsbewegung. Der Kraft seiner Wort konnte der Staatsapparat nur mit Haft und Abschiebung begegnen. Ihn daran zu hindern, fortan von Westen unbequem an die Mauer zu pochen, konnte er nicht. Mit „Bis ich auf’s heikle Thema mit der Macht zu sprechen kam” präsentiert Krawczyk Lieder und Texte aus drei Jahrzehnten im deutsch-deutschen Deutschland. Es sind Geschichten über kleine und große menschliche Dramen im „zur Selbstverständlichkeit gewordenen Wahnsinn zweier wiedervereinigter Alltagskulturen“. Mit einer auf Gitarre und Bandoneon reduzierten Performance reist Stephan Krawczyk dabei auch zurück zu seinen Anfängen.

Das Werk beider Künstler verweist neben seinem ästhetischen Wert auf die Bedeutung von Menschenwürde und die Freiheit des Individuums.

„Sonntags in der Villa – Der Kultursonntag“ ist ein regelmäßiges Event in der Villa Donnersmarck, bei dem Besucher andere Kunst und Kunst anders sehen können.

 
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