Teilhabe ist Ehrensache - Nachbericht

Jour Fixe zu Ehrenamt und bürgerliches Engagement mit Behinderung

zwei Frauen und ein Mann sitzen auf einem Podium

v.l.n.r. Manja Wanke, Carola Schaaf-Derichs, Sean Bussenius

 

14.09.2011 Jour Fixe in der Villa Donnersmarck rückt Freiwilligentätigkeit für Menschen mit Behinderung in den Fokus

2011 ist das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit. Rund 850.000 Berliner engagieren sich in ihrer Freizeit unentgeltlich für Aktionen und Projekte, die ihnen am Herzen liegen. Seit ein paar Jahren feiert das Ehrenamt sein Comeback. Doch wo befinden sich Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung, ihre Fähigkeiten zum Wohle der Allgemeinheit einzubringen? Darüber diskutierte Sean Bussenius, Fürst Donnersmarck-Stiftung, mit Podiumsgästen und einem kritischen Publikum auf dem Jour Fixe am 14. September 2011 in der Villa Donnersmarck. 


Anbieter für Freiwilligenarbeit haben Menschen mit Behinderung als Zielgruppe für ein Ehrenamt bislang nicht im Visier. Das bestätigt Carola Schaaf-Derichs, Geschäftsführerin der Landesfreiwilligenagentur. So verwundert es nicht, dass sich Menschen mit Behinderung nicht angesprochen fühlen, wenn es darum geht, seine Freizeit und sein Engagement für Andere unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. „Wir überlegen, was wir anders gestalten müssen, damit Menschen mit Behinderung sich willkommen fühlen und sich für ein Ehrenamt interessieren“, ergänzt Claudia Hofbauer, Ehrenamtskoordinatorin vom Mittelhof e.V.


 
Podiumsteilnehmer beim Jour fixe Ehrenamt mit Mikrophon

Hartmuth Keller

 

Dieses Problem kennt Lesepate Harmuth Keller nicht. Einmal pro Woche unterstützt der Rollstuhlfahrer Schüler der Neuköllner Regenbogen-Grundschule beim Lesenlernen. Ganz nebenbei stärken die Kinder ihre soziale und emotionale Kompetenz, indem sie Hartmut Keller und seine Behinderung aus direkter Nähe erleben können. „Die Arbeit mit den Kindern und ihre Neugier macht mir großen Spaß, ich habe eine sinnvolle Aufgabe, das stärkt mein Selbstwertgefühl“, erzählt Hartmut Keller. 


 
Podiumsteilnehmerin beim Jour fixe Ehrenamt mit Mikrophon

Marion Reuschel

 

Marion Reuschel, Ehrenamtsbeauftragte der Fürst Donnersmarck-Stiftung, bestätigt, dass Menschen wie Hartmut Keller unverzichtbar sind für bürgerschaftliches Engagement. „Menschen mit Behinderung brauchen ja nicht nur immer Hilfe, sondern sie können auch ganz viel geben und sich an dieser Gesellschaft beteiligen“, betont Reuschel.
Doch reichen die Rahmenbedingungen aus, um Menschen mit Behinderung Teilhabe an Freiwilligentätigkeit zu ermöglichen? Laut Berliner Charta zum bürgerlichen Engagement muss bürgerliches Engagement für Alle zugänglich sein. Das schließt Menschen mit Behinderungen ein. Manja Wanke, Fachreferentin für Bürgerschaftliches Engagement in der Senatsverwaltung Integration, Arbeit und Soziales verweist auch auf Leitlinien der Behindertenpolitik des Senats, welche das Ehrenamt für Menschen mit Behinderung künftig stärker berücksichtigt.
Menschen mit Behinderung müssen gezielt für Freiwilligentätigkeiten geworben werden, Angebote barrierefrei gestaltet sein und der Mensch mit Behinderung in seinem Wunsch nach bürgerschaftlichen Engagement ernst genommen werden, so die wesentlichen Ergebnisse dieses Abends. Dazu bekräftigte Carola Schaaf-Derichs „Es wäre sinnvoll, die Schaffung einer Freiwilligenagentur speziell für Menschen mit Behinderung zu überlegen, diese Idee nehme ich von heute Abend mit."



 
nach oben