Podcast Forschungspreis 2012

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Dr. Stefanie Abel, Preisträgerin des Forschungspreises 2012, und Fürst von Donnersmarck

Dr. Stefanie Abel, Preisträgerin 2012, und Fürst von Donnersmarck, Kuratoriumsvorsitzender

Am 16.11.2012 zeichnete das Kuratorium der Fürst Donnersmarck-Stiftung, vertreten durch den Kuratoriumsvorsitzenden Guidotto Fürst von Donnersmarck, sowie den Jury-Vorsitzenden Prof. Dr. Dr. Paul Walter Schönle und Jury-Mitglied Prof. Dr. Karl Wegscheider, die Wissenschaftlerin PD. Dr. Stefanie Abel aus Aachen mit dem Forschungspreis für neurologische Rehabilitation aus. Zusätzlich erhielt Prof. Dr. Niels Birbaumer einen Ehrenpreis für sein wissenschafltiches Lebenswerk. 

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Die Preisverleihung zum Forschungspreis der Fürst-Donnersmarck-Stiftung fand Mitte November 2012 im festlichen Rahmen statt. In einem Saal der Alten Kommandantur in Berlins Mitte, Unter den Linden, sorgte das DigiEnsemble für Unterhaltung. 140 Gäste verfolgten die Zeremonie.
In seiner Begrüßungsrede betonte Dr. Guidotto Graf Henckel Fürst von Donnersmarck die gewachsene Bedeutung des Forschungspreises, der bereits zum dritten Mal verliehen wird:

Als positive Entwicklung ist zu werten, dass die Zahl der Einsendungen von seinerzeit 23 in diesem Jahr auf 37 Einsendungen gestiegen ist. Gleichzeitig hat das internationale Interesse zugenommen. In diesem Jahr kamen 14 Einsendungen aus dem Ausland, bei den beiden vorigen Preisverleihungen waren es jeweils vier. Erfreulicherweise ist das Niveau der preisgekrönten Einsendungen ein hohes.

Der Preis wird alle drei Jahre vergeben und ist mit 30.000 Euro dotiert. Mit ihm wird das Ziel verfolgt, wirkungsvolle Methoden und Therapien bei schweren Schädel-Hirn-Schädigungen zu fördern.

Den diesjährigen Festvortrag hielt Prof. Herbert Rebscher, Vorsitzender des Vorstandes der DAK. Er betonte, dass es sich bei Rehabilitation um hochkomplexe Prozesse handele. Dann sprach er mit Blick auf die Gründung der Stiftung im Jahr 1916 Fürst von Donnersmarck direkt an:

Wenn Ihr Großvater als Stifter, sich so frühzeitig dafür erklärt, das was man tut auch wissenschaftlich zugänglich und messen und bewerten zu wollen, dann kann ich nur sagen, dann steht er in einer großen Tradition leider nur weniger in dieser Gesellschaft. Umso mehr ist der Stiftung zu danken, ist allen zu danken, die in diesem Kontext leben und arbeiten.

In diesem Jahr erhielt den Forschungspreis Dr. Stefanie Abel von der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen für ihre Habilitation, in der sie sich mit der gesunden und gestörten Wortverarbeitung nach Hirnschädigungen zum Beispiel durch Schlaganfall auseinandersetzt. Der Jury-Vorsitzende, Prof. Paul Walter Schönle, erklärte in seiner Laudatio die Entscheidung:

Mit ihrer heute preisgekrönten Habilitationsschrift haben Sie unsere Erkenntnisse über die neuronalen Grundlagen sprachlicher Verarbeitungsprozesse und die neuronalen Effekte der Sprachtherapie, der sprachtherapeutischen Intervention in bislang nie erreichter Detaillierung erweitert. Dies gelang ihnen dadurch, dass Sie in bislang einzigartiger Weise Wissen und Methoden verschiedener Forschungsgebiete integriert haben: Sprachliche Grundlagen aus der germanistischen Linguistik, Computersimulation und Modellbildung aus den kognitiven Wissenschaften, der Psycholinguistik, Bildgebung des Gehirns aus der Neuroradiologie, Sprachtherapie aus der Logopädie, klinische Linguistik und Krankheitswissen aus der Neurologie und Neurolinguistik.

Durch diese multidisziplinäre Vorgehensweise wurden neue Grundlagen für die Behandlung von Störungen der Wortproduktion und neue Therapieformen ermöglicht, so Schönle. Außerdem konnte gezeigt werden, wie eine wirksame Sprachtherapie das Gehirn verändert.
Die Preisträgerin wies in ihrem Vortrag auf die Perspektiven hin, die sie mit ihrer Arbeit verbindet. So könnten in Zukunft passende Therapiemethoden individuell ausgewählt werden:

Meines Erachtens ist es so, dass in Kombination der individuellen Erfassung der sprachlich-kognitiven Prozesse im Modell und der neuralen Rückbildungs- und Organisationsmuster und Ressourcen zukünftig störungsspezifische und partizipationsorientierte Therapiemethoden noch optimaler ausgewählt werden könnten, um Wortabrufung und Alltagskommunikation so gut wie möglich zu verbessern. Das ist unsere Idee. Dabei können natürlich Ziele und Wünsche der betroffenen Personen im Sinne der Teilhabe sowie weitere individuelle Faktoren in den Therapieprozess integriert werden.

Zusätzlich wurde ein Ehrenpreis verliehen. Diesen erhielt Prof. Niels Birbaumer für seine jahrelange Forschung in den kognitiven Neurowissenschaften und den Ausbau der internationalen und interdisziplinären Kooperation. Der Jury-Vorsitzende Prof. Schönle würdigte das Schaffen des Geehrten, der an der Universität Tübingen forscht und lehrt:

Mit ihrer kreativen Unruhe und der kreativen Energie, mit Ihrem wissenschaftlichen Feuer und Ihrem Organisationstalent haben Sie Ihr Institut zum weltweit führenden Zentrum der modernen kognitiven und behaviouralen Hirnforschung gemacht. Sie haben viele Wissenschaftler aus der gesamten Welt angezogen und zahlreiche Studenten, Doktoranden, Habilitanden in forschende Begeisterung versetzt. Überall trifft man in diesem Bereich der Hirnforschung auf Ihre Schüler. Man kann von der „Birbaumerschen Schule“ in Tübingen sprechen.

Dabei liegt besonderes Interesse bei den Gehirn-Computer-Schnittstellen. Diese Forschung kann es gelähmten Patienten ermöglichen, zu kommunizieren und mit der Umwelt in Aktion zu treten. Für Prof. Birbaumer ist das die Verwirklichung einer alten Idee:

Die Grundidee ist ja uralt. Die stammt wahrscheinlich aus dem Hinduismus, soweit ich das nachvollziehen kann. Die hatten auch schon die Idee, dass man das Hirn anzapfen kann. Im Abendland ist [man] ja relativ spät erst der Gedanke gekommen, dass das Gehirn was mit Seele zu tun hat. Wir zapfen also das Gehirn an. Das können wir mit Elektroden im Gehirn machen, aber auch außerhalb des Gehirns. Da gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Und das, was da rauskommt lässt sich, wie alles was biologisch ist, an eine Maschine oder an eine externe Einheit überführen und damit steuern.

Zum Beispiel können durch eine Verbindung vom Gehirn über einen Computer die Gedanken des Gelähmten Bewegungen des Armes auslösen.

Neben der Verleihung der Preise wurden außerdem zwei Belobigungen ausgesprochen. Eine erhielt der Niederländer Dr. Rob Labruyere für die Entwicklung neuer Testverfahren bei Gangunsicherheiten bei Menschen mit leichten Beeinträchtigungen. Jury-Mitglied Prof. Karl Wegscheider würdigte diesen Ansatz:

Und dann haben Sie einen zweiten Schritt gemacht. Sie haben die Verfahren eingesetzt, um verschiedene Standard-Trainingsmethoden zu untersuchen, was sie wirklich beim Patienten verbessern. Jetzt haben Sie eine Methode patientendifferenziert zu bewerten und therapiedifferenziert zu bewerten. Das alles hat er wunderschön lesbar aufgeschrieben. Mit einer Brise Humor, was uns in Deutschland manchmal ein wenig schwer fällt. Eine sehr schöne Arbeit. Die ist als Gesamtkunstwerk eindrucksvoll für einen jungen Forscher.

Die zweite Belobigung erhielt das Team um die Professoren Christoph Heesen und Sascha Köpke für ihre eingereichte Arbeit zur Medikamentation bei Multipler Sklerose.
Der Forschungspreis der Fürst Donnersmarck-Stiftung setzt darüber hinaus auf langfristige Wirkung. Die beteiligten Wissenschaftler werden vernetzt und der Austausch zwischen ihnen durch Treffen und Workshops gefördert.

 

Daten zum Beitrag Forschungspreis 2012

Beitrag: Verleihung Forschungspreis 2012
Länge: 07 mi21
Datum: 16.11.2012
Autor: Klaus Fechner -  www.reichweiten.net

 

 

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Die Meldung

Mehr Informationen zur Preisverleihungam 16.11.2012 in der Alten Kommandantur / Bertelsmann Repräsentanz, Unter den Linden 1, Berlin-Mitte