Hörbericht von der historischen Matinee

Transkription zum Mitlesen

Mann steht an einem Rednerpult

Fürst von Donnersmarck

 

von Klaus Fechner - www.reichweiten.net

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Es war der 8. Mai 1916, mitten in Berlin, im Palais Blücher direkt neben dem Brandenburger Tor. Die Fürst Donnersmarck-Stiftung wurde gegründet. Genau 100 Jahre später – nur wenige Meter vom Gründungsort entfernt, im Max-Liebermann-Haus, feierte die Stiftung im Rahmen einer historischen Matinee ihr Jubiläum, zu der sich rund 150 geladene Gäste einfanden. Die Begrüßungsworte sprach der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Guidotto Fürst von Donnersmarck. Als erstes bedankte er sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung für ihr Wirken. Anschließend beleuchtete er Aspekte der Finanzierung der Stiftung. Die Eigenmittel der Stiftung lägen bei rund 160 Millionen Euro:

Als operative Stiftung steht die Donnersmarck-Stiftung im Spannungsverhältnis, dem Stiftungszweck unmittelbar entsprechende Aktivitäten zu entwickeln, gleichzeitig auch selbst die erforderlichen Finanzmittel kaufmännisch, unternehmerisch und damit ganz im Sinne des Stifters zu erwirtschaften. Ohne selbst erwirtschaftete Erträge keine Realisierung des Stiftungszwecks. So finanziert sich die Stiftung auch in der Praxis nahezu ausschließlich aus den von ihr selbst wahrgenommenen kaufmännischen Aktivitäten, vor allem der Bewirtschaftung von Wohnimmobilien.

 

 
Historische Matinee_100 Jahre Fürst Donnersmarck-Stiftung

Prof. Dr. Manfred Rasch

 

 Einen Blick auf das Leben des Stifters, Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck, warf Prof. Manfred Rasch, Leiter des thyssenkrupp Konzernarchivs. 1830 geboren, in Breslau aufgewachsen, war er schon als junger Mann mit den Geschäften der Familie vertraut. Seine erste wichtige unternehmerische Entscheidung traf er 1853 mit der Gründung der Schlesischen AG für Bergbau und Zinkkippenbetrieb. Manfred Rasch beschreibt die Besonderheit:

Die Emission der Aktien war zweisprachig auf hundert Taler, beziehungsweise 375 Francs, ausgestellt und konnte sowohl an der Berliner Börse als auch an der Pariser Börse gehandelt werden. Waren Aktien an sich in Preußen noch weitgehend unbekannt, so war die gleichzeitige Börsenzulassung in Preußen und Frankreich ein Novum, mit dem Guido vor allem ausländisches Kapital zur weiteren Industrialisierung nach Schlesien brachte.

Damit erwies er sich als Vordenker und stieg in den Folgejahren zu einem der reichsten Männer Preußens auf. Leider konnte er die Entwicklung seiner Stiftung nicht verfolgen, denn er starb bereits Ende 1916. Einen weiteren Festvortrag hielt Dr. Petra Fuchs, sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Alice Salomon Archivs. Sie beleuchtete die Entwicklung der Sozialpolitik in Deutschland mit dem Schwerpunkt auf Menschen mit Behinderung:

 
Historische Matinee_100 Jahre Fürst Donnersmarck-Stiftung

Dr. Petra Fuchs

 

Bis in die 70er Jahren blieb Behinderung das Besondere, das ganz Andere. Während Nicht-Behinderung als Normalität galt, die durch einseitige Anpassungsleistungen behinderter Menschen anzustreben war. Erst mit der Erkenntnis, dass Normalisierung nicht nur vom Individuum mit Behinderung geleistet werden kann, sondern auch Anstrengungen der nicht-behinderten Mehrheitsgesellschaft nötig sind, fand ein allmähliches Umdenken statt. Maßgeblichen Anteil an der seit den 1990er Jahren betriebenen Gleichstellungspolitik, die neben die Sozialleistungs- und Rehabilitationspolitik getreten ist, hatten Menschen mit Behinderung selbst, die sich lautstärker, nachhaltiger und erfolgreicher zu Wort gemeldet haben.

 
Historische Matinee_100 Jahre Fürst Donnersmarck-Stiftung

Sebastian Weinert

 

 Tendenzen und Entwicklungen, die sich auch in der Entwicklung der Fürst Donnersmarck-Stiftung widerspiegeln. Deren Historie beschrieb Sebastian Weinert, Archivar der Stiftung und hob heraus, dass sich die Stiftung in den vergangenen 15 bis 20 Jahren besonders dynamisch verändert habe. Als Beispiele nannte er die Eröffnung des P.A.N. Zentrums und das Angebot Wohnen mit Intensivbetreuung:

So bleibt festzuhalten, dass es der Fürst Donnersmarck-Stiftung immer wieder gelang, Lösungen für neue Herausforderungen zu entwickeln. Dabei innovative und ungewöhnliche Modellprojekte zu initiieren und sich gleichzeitig an den konkreten Bedürfnissen und Vorstellungen von Menschen mit Behinderung zu orientieren. Dieses Recht auf eine selbstbestimmte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft setzte die UN-Behindertenrechtskonvention nachdrücklich auf die politische Agenda. Auch die Fürst Donnersmarck-Stiftung arbeitet in ihren Bereichen daran, das Leitprinzip der Inklusion Realität werden zu lassen.

 
Historische Matinee_100 Jahre Fürst Donnersmarck-Stiftung
 

 Zum Abschluss der Festveranstaltung spazierten die Gäste quer über den Pariser Platz zum Hotel Adlon. Dort wartete ein gemeinsames Mittagessen. Genau so wie es das erste Kuratorium auf Einladung des Fürsten von Donnersmarck vor 100 Jahren nach dem Unterzeichnen der Stiftungsurkunde getan hatte.

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