Hörbericht von der Geburtstagsparty

Berlin ist eine inklusive Stadt

ein Mann auf einer Bühne balanciert kopfüber auf Krücken

Akrobatik auf Krücken: Dergin Tokmak (Stix)

 

Beitrag: Jubiläumsfest in der Station Berlin-Kreuzberg
Länge: 06 min 30
Datum: 10.09.2016

von  Klaus Fechner - www.reichweiten.net


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100 Jahre Fürst Donnersmarck-Stiftung. Dieser runde Geburtstag wurde am 9. September 2016 in der Station in Berlin-Kreuzberg mit einem großen Fest gefeiert. Bei einer interessanten und unterhaltsamen Mischung aus bunter Bühnenshow, vielfältigen Mitmach-Aktionen und Informationsprogramm erlebten mehr als 1.200 Besucher einen spannenden Nachmittag, der sich bis weit in die Nacht zog. Das Motto des Tages lautete „Mittendrin – so wie ich bin“. Zum Auftakt begrüßte der Geschäftsführer der Fürst Donnersmarck-Stiftung, Wolfgang Schrödter, die Gäste:

 
Ein Mann steht am Mikrofon und hält eine Rede

Geschäftsführer Wolfgang Schrödter

 

Wir wollen mit diesem Fest Ihnen und der Stadt zeigen, dass Berlin eine inklusive Stadt ist, dass Berlin eine Bürgergesellschaft ist, in der alle ihren Platz haben. Bei aller Unterschiedlichkeit und Andersartigkeit. Gerade das macht Berlin so attraktiv. Die Vielfalt, die unvoreingenommene Begegnung, das aufeinander Schauen, das miteinander Leben.

Auch Berlins Bürgermeister und Senator für Inneres, Frank Henkel, war dabei. In seinem Grußwort betonte er die Leistungen der Stiftung und ihrer Mitarbeiter:

 
Ein Mann steht am Mikrofon und hält eine Rede

Innensenator Frank Henkel spricht ein Grußwort

 

Sie leisten hier einen ganz wichtigen Dienst für die Gesellschaft. Der Staat kann gar nicht alles leisten und deshalb ist es um so schöner und ehrenwerter, dass es Einrichtungen gibt wie die Fürst Donnersmarck-Stiftung. Dafür meinen herzlichen Dank. Ich wünsche der Stiftung, dass sie wenigstens die nächsten 100 Jahre so erfolgreich und so segensreich für Menschen mit Behinderung wirken. Ich wünsche, dass ihre Einrichtungen stets gut laufen im Sinne für die Menschen, für die Betroffenen, die sich aufgehoben und betreut fühlen.

Nach den offiziellen Grußworten begann der unterhaltsame Teil des vielfältigen Programms. Mit dabei Hip Hop-Sänger Sittin´Bull.

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Publikumsansicht in der Station Berlin

Die Station Berlin war gut besucht

 

Und weitere Attraktionen wie dem Artisten auf Krücken, StiX, einer Liveschaltung zu den Paralympics in Rio de Janeiro, dem Improvisationstheater frei.wild oder der Pop-Band Klee. Rund um die Bühnenshow fanden in der riesigen Halle der Station viele Mitmach-Aktionen statt. Zum Beispiel konnte jeder zuschauen und sich ausprobieren beim Yoga für Menschen mit Behinderung, beim inklusiven zeitgenössischen Tanz oder beim Rollstuhlfahren mit Hindernissen. 

 
Eine Familie sitzt an einem Basteltisch

Mieter und ihre Familien am Kreativstand der Hausverwaltung der FDS Gewerbebetriebs GmbH

 

Auch die Hausverwaltung der Fürst Donnersmarck-Stiftung präsentierte sich mit einem Stand. Wolfgang Heinol, er wohnt bei der Stiftung seit zehn Jahren, berichtete von seinen Erfahrungen im Haus Markgrafenstr. 55:

Da ist es sehr schön. Wir haben auch einen Fahrstuhl, das hat man früher nicht gehabt, dadurch sind wir sehr flexibel geworden und können alles wahrnehmen. Ja, man fühlt sich wohl.

Weitere Programmpunkte waren zum Beispiel Kochen mit einer Hand, Sturzprävention und Blasrohrschießen. Auf der Bühne trat der Aphasikerchor auf.

 
Ein Chor präsentiert sich auf einer Bühne

Stimmgewaltig - Der Chor der Aphasiker

 

 Musik vom Chor…. ausblenden.

Aphasiker sind Menschen, die beispielsweise nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen können. Aber sie können singen.

… noch mal kurz Musik vom Chor… ausblenden

Als besonderen Gast freute sich die Fürst Donnersmarck-Stiftung über den Regisseur und Oskarpreisträger Florian Graf Henckel von Donnersmarck und seine Familie, die sich Mitmachaktionen des Festes anschaute und mit anderen Besuchern plauderte.   

 
Eine Frau und ein Mann sitzen nebeneinander hinter an einem Tisch
 

Neben Action und Show wurde aber auch Information geboten. In einem speziellen „Sprechzimmer“ stand Prof. Stephan Bamborschke, der ärztliche Leiter des P.A.N. Zentrums, Rede und Antwort. So entstanden Gespräche in ungezwungener Atmosphäre. Prof. Bamborschke:

Es ging um ganz verschiedene Sachen. Es war gerade ein älterer Herr bei mir. Er hatte bereits zwei Schlaganfälle und hat mir erzählt, was er alles macht, damit er den dritten Schlaganfall verhindern kann. Er wollte Beratung haben, ob das richtig ist. Ich konnte ihn beruhigen. Er macht alles ganz toll und er ist auch bei einem sehr guten Arzt in Behandlung. So dass er auch sehr glücklich wieder weiter gegangen ist.


 
Eine sitzende Frau spricht, ein Arm hält ein Mikrofon vor ihr

Gerlinde Bendzuk von der LV Selbsthilfe Berlin

 

Informativ wurde es auch beim Jour Fixe zum Thema Selbsthilfe. Gerlinde Bendzuck ist Vorsitzende der Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin. Aus ihrer Sicht bewirkt die Teilnahme an Selbsthilfe-Gruppen sehr viel Positives beim Betroffenen. Zum einen fördert sie das eigene Wissen dem Arzt gegenüber und zum anderen:

Selbsthilfe kann auch kreative Energien freisetzen, die man vielleicht am Anfang einer Selbsthilfe-Karriere noch überhaupt nicht erwartet hat. Da ist vielleicht ein Chor in meiner Selbsthilfe-Organisation und ich fang an da mitzumachen, obwohl ich noch nie vorher gesungen hatte. Und ich merke, es macht mir Spaß und es beflügelt mich. Oder ich gehe in eine Malgruppe und das setzt auch wieder Energien frei, die insgesamt bewirken, dass ich besser klarkomme und mehr soziale Kontakte habe und mich wohler fühle.

 
Ein Rollstuhlfahrer und ein gehender Mann tanzen

Bernd Richarz von "tanzfähig" zeigte auf der Aktionsfläche, dass auch mit spastischen Lähmungen tanzen möglich ist

 

Soziale Kontakt und sich wohlfühlen - insgesamt eine bunt gemischte Veranstaltung, die das Motto „Mittendrin – so wie ich bin“ mit Leben füllte. Ein Motto, dass für die Besucher eine Bedeutung hat:

Naja, dass jeder Teilhabe an der Gesellschaft hat. Egal wie er aussieht, wie er ist, was er eventuell für Einschränkungen hat oder ähnliches. – Ich sehe das genau so. Mittendrin in der Gesellschaft, egal was man für Handicaps hat, was man mitbringt. Keine Separation in der Gesellschaft, sondern einfach mittendrin.

Musik vom Anfang des Beitrages noch einmal … ausblenden…

 
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