Partizipative Teilhabeforschung im Fokus

Rückblick auf das Friedrichshainer Kolloquium am 22. November 2016

Personen in einer Reihe sitzend beim Friedrichshainer Kolloquium

Unter der Überschrift Forschungszusammenschlüsse als Stärkung der Perspektive „Behinderung“ ging die letzte Ausgabe des Friedrichshainer Kolloquiums dieses Jahres in der Villa Donnersmarck am Dienstag, dem 22. November 2016, den Chancen und Herausforderungen partizipativer Teilhabeforschung nach. Moderator Sean Bussenius, Fürst Donnersmarck-Stiftung, begrüßte rund 25 Teilnehmer zu der Veranstaltung.

Partizipative Teilhabeforschung erfreut sich in letzter Zeit zunehmender Aufmerksamkeit von Politik und Wissenschaft. Dies ist nicht zuletzt auf das Aktionsbündnis Teilhabeforschung zurückzuführen, das im Juni 2015 gegründet worden ist. Partizipative Teilhabeforschung bedeutet Forschung über Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen an der Gesellschaft und die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Forschung, die sie betrifft.

 

Vermittlung von Kommunikationskompetenzen

Erik Farin-Glattacker redet beim Friedrichshainer Kolloquium

Prof. Erik Farin-Glattacker

Den Auftakt der interessanten Veranstaltung bestritt Prof. Erik Farin-Glattacker von der Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung des Universitätsklinikums Freiburg. Prof. Farin-Glattacker und sein Team entwickeln derzeit ein Schulungskonzept zur Vermittlung von Kommunikationskompetenzen an rheumaerkrankte Menschen. Damit sollen sie in die Lage versetzt werden, in unterschiedlichen Situationen selbstbewusst über sich und ihre Erkrankung zu kommunizieren. Das Projekt wird durch die Deutsche Rheuma-Liga gefördert und von vier selbst betroffenen Forschungspartnern intensiv mitgestaltet.

Am Beispiel dieses Forschungsprojekts zeigte Prof. Farin-Glattacker die Herausforderungen, aber auch die Chancen einer partizipativen Teilhabeforschung auf. Er schloss seinen Vortrag mit der Forderung nach mehr interdisziplinärer Vernetzung, nach strukturierten Förderinitiativen seitens der Drittmittelgeber und der systematischen Aufarbeitung der bisherigen Literaturbefunde zu Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung aus den verschiedenen Disziplinen.

 

EU-Projekt unter Beteiligung von Forschern mit Behinderung

Mann / Frau diskutieren miteinander beim Friedrichshainer Kolloquium

Prof. Anne Waldschmidt

Im anschließenden Vortrag berichtete Prof. Anne Waldschmidt von der Universität Köln über ihr europaweites Forschungsprojekt DISCIT. Das inzwischen abgeschlossene Projekt beschäftigte sich mit der Frage, ob die UN-Behindertenrechtskonvention dazu beiträgt, dass Menschen mit Behinderung ihre Bürgerrechte besser ausüben können. Im Hintergrund dieser Frage steht die Erkenntnis, dass die UN-BRK aufgrund ihres Menschenrechtsstatus zwar universale Geltung beanspruchen kann, als „weiches“ Recht aber nicht unmittelbar umsetzbar ist.

Dies ist jedoch bei Bürgerrechten der Fall. Das langfristige Ziel des Forschungsprojektes, an dem insgesamt neun Partner aus ganz Europa beteiligt waren, war dementsprechend eine Verknüpfung von BRK und Bürgerrechten, um die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung zu stärken. Abschließend stellte Prof. Waldschmidt fest, dass das Projekt zwar keinen partizipativen Ansatz hatte, Menschen mit Behinderung aber dennoch an vielen Stellen in den Forschungsprozess eingebunden waren.

 

Forschung als ergebnisoffener Prozess

Frau aus dem Publikum fragt beim Friedrichshainer Kolloquium

Auch der zweite Vortrag wurde intensiv diskutiert

In der anschließenden Diskussion wurden nochmals die Herausforderungen und Chancen einer partizipativen Teilhabeforschung in den Blick genommen und die oft unzureichenden Rahmenbedingungen bei drittmittelgeförderten Forschungsprojekten kritisiert. Denn partizipative Teilhabeforschung, so ein Resümee der beiden Vortragenden, sollte als ergebnisoffener Prozess verstanden werden, der jedoch mit den zeitlich befristeten Forschungsprojekten nicht immer vereinbar ist. Am Ende waren sich alle Anwesenden einig, eine anregende Veranstaltung besucht zu haben.

 

Ausblick auf 2017: Behinderung und Alter

Abschließend freuten sich Dr. Katrin Grüber vom Institut Mensch, Ethik, Wissenschaft sowie Sean Bussenius von der Fürst Donnersmarck-Stiftung, dass die Reihe Friedrichshainer Kolloquium im nächsten Jahr ab dem 4. April 2017 unter dem Oberthema „Alter und Behinderung. Gemeinsam denken – Unterschiede anerkennen“ fortgesetzt wird.

 

 

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