Teilhabe bei hohem Unterstützungsbedarf

Vortragssituation beim Friedrichshainer Kolloquium: Am rechten Bildrand Referentin Dr. Katrin Grüber, rechts neben ihr wird eine Präsentation per Beamer auf eine Leinwand projiziert, neben der links Gebärdendolmetscherinnen sitzen; im Vordergrund das Publikum
 
 

Rückblick auf die erste Veranstaltung

"Teilhabe meets Praxis" ist das Motto der diesjährigen Reihe des Friedrichshainer Kolloquiums in der Villa Donnersmarck, das die Fürst Donnersmarck-Stiftung in Kooperation mit dem Institut Mensch, Ethik, Wissenschaft (IMEW) durchführt.

Erstmals in der Geschichte des Kolloquiums wurden die Beiträge durch einen offenen „Call for Papers“ gewonnen, bei dem sich interessierte Forscherinnen und Forscher aus dem ganzen Bundesgebiet um eine Vortragsmöglichkeit bewarben. Das Resultat ist ein vielschichtiges Programm, das wichtige Themen aus interdisziplinärer Perspektive in den Blick nimmt.

So wundert es nicht, dass sich trotz der ersten Sommersonne ungefähr 30 Besucherinnen und Besucher am 14. April in der Villa Donnersmarck eingefunden hatten, um gemeinsam mit den Referenten über Teilhabe/Partizipation von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf zu diskutieren.

 
Erik Weber (lniks) und David Cyril Knöß, Ev. Hochschule Darmstadt, beim Friedrichshainer Kolloquium
 
 

Den Auftakt machten Prof. Dr. Erik Weber und David Cyril Klöß von der Evangelischen Hochschule Darmstadt, die über "Sozialräumliche Orientierung von Teilhabeleistungen für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf – Erkenntnisse, Realitäten und Perspektiven" referierten. In ihrem thesenfreudigen Beitrag problematisierten sie die Möglichkeiten und Grenzen der Pädagogik, Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf die Teilhabe am Sozialraum zu eröffnen. Aus ihrer Sicht besteht gerade bei dieser Klientel die Gefahr, dass sie "Mitten in der Gesellschaft und doch alleine" (Iris Becker) sein könnten. In der abschließenden Diskussion äußerten sie sich gleichwohl positiv: Wichtig sei vor allem, dass sich "Träger auf den Weg machten" und versuchten, sozialraumorientiert und partizipativ zu arbeiten.

 
Dr. Tina Denninger (rechts) und Dr. Katrin Grüber, Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft (IMEW) beim Friedrichshainer Kollqouium
 
 

Den zweiten Vortrag des Abends mit dem Titel "Partizipation von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf" bestritten Dr. Tina Denninger und Dr. Katrin Grüber vom IMEW. Im Unterschied zu Weber und Klöß definierten die beiden Vortragenden Partizipation als politische Form der Einbezogenheit in Entscheidungsprozesse und nicht als Teilhabe am Alltagsleben. Am Beispiel des Index für Partizipation, den das IMEW in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Evangelischer Behindertenhilfe (BeB) erstellte, konnten sie überzeugend darlegen, wie bestehende Barrieren, die eine Partizipation von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf verhindern, überwunden werden können.

Die anschließende, sehr lebhafte Diskussion drehte sich im Wesentlichen um die Neuerungen des Bundesteilhabegesetztes (BTHG), die Chancen unterstützter Kommunikation und die Ansprüche, die Menschen mit Behinderung auch an den Sozialraum stellen müssen. Denn – so ein Fazit der Veranstaltung – der Sozialraum muss auch selbst aktiv werden, um Inklusion und Partizipation zu ermöglichen.

Eine spannende Veranstaltung ging damit zu Ende. Das nächste Friedrichshainer Kolloquium findet am 12. Juni statt und widmet sich der Teilhabe am Arbeitsleben.

 
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