Hörbericht zum Forschungspreis 2018

Ein Gast filmt aus dem Publikum heraus die Musiker mit seinem Smartphone.

Foto: Enno Hurlin

 
 

Eine Woche liegt die Verleihung des Forschungspreises 2018 der Fürst Donnersmarck-Stiftung nun zurück. Ein ereignisreicher Tag mit vielen inspirierenden und wichtigen Wortbeiträgen, um sowohl die Preisträgerin und Belobigten, als auch die Forschung im Bereich Neurorehabilitation zu würdigen. Wir haben noch einmal punktuell einige Redebeiträge zum Nachlesen und Nachhören für Sie zusammengefasst.

Hören Sie einen Podcast von Klaus Fechner, reichweiten.net.

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Forschungspreis 2018: Transkript zum Mitlesen

Die feierliche Preisverleihung des Forschungspreises der Fürst Donnersmarck-Stiftung am 23. November 2018 wurde musikalisch vom DigiEnsemble eröffnet. Es trafen sich zur Vergabe des renommierten, internationalen Preises für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Neurorehabilitation Repräsentanten der Stiftung, die Jury und geladene Gäste in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund in Berlins Mitte. In seiner Begrüßung betonte der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Guidotto Fürst von Donnersmarck, die Bedeutung des Forschungspreises, der bereits zum fünften Mal vergeben wird.

 
Guidotto Fürst von Donnersmarck bei seiner Eröffnungsrede am Rednerpult.

Foto: Enno Hurlin

 

Der Preis ist für die Stiftung sehr wichtig. Sie wurde vor von meinem Urgroßvater und Urgroßvater meines Vetters Guido, der auch Mitglied des Kuratoriums ist, im Jahr 1916, im 1. Weltkrieg, gegründet. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, die in der Praxis der Versorgung Kriegsverletzter gewonnenen medizinischen Erfahrungen durch wissenschaftliche „Verwertung“ der Allgemeinheit zuzuführen. Genau das versuchen wir mit diesem Preis.

Auch für den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Jürgen Dusel, ist die Verknüpfung von Forschung und Rehabilitation besonders wichtig.

 
Jürgen Dusel bei seinem Grußwort zum Forschungspreis 2018 am Rednerpult.

Foto: Enno Hurlin

 

Gerade Menschen mit Behinderungen verlieren ihre Behinderung nicht einfach nur deswegen, weil wir über Inklusion reden. Wir müssen über mehr reden. Und da spielt insbesondere die Rehabilitation eine zentrale Rolle. Oftmals ist eine gelungene und qualitativ hochwertige Rehabilitation erst die Voraussetzung für eine gelingende Inklusion. Deswegen meine ich, sind wir gut beraten, Maßnahmen zu ergreifen, um das Thema Rehabilitation noch weiter zu bringen. Und da spielt die Forschung eine zentrale Rolle.

Daher freue sich Jürgen Dusel, dass die Fürst Donnersmarck-Stiftung mit ihrem Preis herausragende Forschungsarbeiten unterstütze. Anschließend wurde die Preisträgerin PD Dr. Sonja Suntrup-Krüger, für ihre Arbeit zur Erforschung von Schluckstörungen, wie sie zum Beispiel nach Schlaganfällen auftreten, geehrt. Jurymitglied Prof. Gereon Fink begründete die Entscheidung für Frau Suntrup-Krüger mit der Relevanz der Forschung sowohl bei der medizinischen Versorgung eines akuten Schlaganfalls als auch in der Rehabilitation.

 
Prof. Gereon Fink bei seiner Laudatio auf die Preisrägerin am Rednerpult.

Foto: Enno Hurlin

 

Die Jury war beeindruckt von der Qualität des wissenschaftlichen Arbeitens aber auch vom Thema, den Schluckstörungen. Schluckstörungen haben im klinischen Alltag höchste Relevanz. Nicht nur bei neurologischen und neuro-chirurgischen Erkrankungen, sondern auch bei immer älter werdenden Menschen. Sie sind ein prognostisch sehr ungünstiger Faktor für die Rehabilitation für Menschen mit neurologischen und neuro-chirurgischen Erkrankungen und sie sind sehr lange ein vernachlässigter Gegenstand der Forschung gewesen. Auch deswegen haben wir dieses Thema ausgesucht für diesen Preis.

Die 35-jährige Preisträgerin, Sonja Suntrup-Krüger, arbeitet als Oberärztin am Universitätsklinikum Münster. Sie beschrieb verschiedene Verfahren zur Behandlung von Schluckstörungen sowie deren Umsetzung in der Praxis, die sie mit ihrer Forschungsgruppe analysiert hat.

 
Preisträgerin PD Dr. med. Sonja Suntrup-Krüger am Rednerpult.

Foto: Enno Hurlin

 

Wir haben verschiedene neuro-modulatorische Therapieansätze untersucht, die gezielt auf das Schlucknetzwerk einwirken sollen, um die Funktionsübernahme und die Funktionserholung schneller zu forcieren. Das kann entweder direkt durch die transkranielle Gleichstromstimulation erfolgen. Oder auch auf umgekehrten Wege über sensible Nervenenden des Rachens. Und für beide Methoden haben wir sowohl in elektrophysiologischen als auch klinischen Studien Wirksamkeitsnachweise erbringen können.

Für die Zukunft erwarte sie weitere Fortschritte bei der Behandlung von Schluckstörungen.

Natürlich gibt es noch zukünftige Herausforderungen bis diese Verfahren Eingang in die Praxis finden werden. Allen voran wird es eine Aufgabe sein, die Effektstärke weiter zu vergrößern, um diese Therapien noch effizienter zu machen. Aber, da bin ich ganz zuversichtlich, ich glaube, die Dysphagietherapie wird sich in zehn, zwanzig Jahren grundlegend von der aktuellen Situation unterscheiden. Dahingehend, dass wir unseren Patienten mehr effektive Behandlungsansätze anbieten können.

 

Für die Fürst Donnersmarck-Stiftung sind diese Veränderungen alleine deswegen von großer Bedeutung, da sie sowohl im P.A.N. Zentrum für Post-Akute Neurorehabilitation als auch im Bereich Unterstützung bei der Entwöhnung von Beatmung im P.A.N. Ambulant Rehabilitanden mit Schluckstörungen behandelt.

Neben dem Hauptpreis sprach die Jury drei mit 3.000 Euro dotierte Belobigungen aus, die dezidiert der Förderung hoffnungsvoller Nachwuchsarbeiten gewidmet sind. Eine ging an Laura Iden, die in ihrer Masterarbeit am Beispiel Epilepsie ein Verfahren darstellte, mit dessen Hilfe Menschen mit Behinderung direkt an der Auswahl von forschungsrelevanten Fragestellungen beteiligt werden können. Die Jury würdigte diesen partizipativen Ansatz aus dem neueren Feld der Teilhabeforschung. Außerdem wurde Dr. Janina Wilmskoetter für ihre Dissertation über den Zusammenhang von Schluckstörungen mit den durch einen Schlaganfall geschädigten Arealen im Gehirn belobigt. Die dritte Belobigung erhielt Dr. Corinna Gerber für ihre Dissertation über den Einsatz von Virtual Reality in der Neurorehabilitation.

Die Verleihung des Forschungspreises der Fürst Donnersmarck-Stiftung führte allen Anwesenden eindrücklich die Bedeutung von Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Neurorehabilitation vor Augen und ist ein wichtiges Signal in Richtung Wissenschaft und Gesellschaft.

 
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