Offener Brief: Menschen mit Behinderung und der "Teepott" in Warnemünde

Ein Füllfederhalter liegt auf weißem Papier, daneben ein Tintenfass.
 
 

Berlin, 29.07. 2019: Am Mittwoch, den 17. Juli 2019, machte eine Gruppe von Klientinnen und Klienten des stationären Wohnangebots der Fürst Donnersmarck-Stiftung gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Ausflug an die Ostsee nach Warnemünde. Die Gruppe kehrte auch in das Lokal "Teepott" ein, weil man dort im Vorjahr bereits gute Erfahrungen gemacht hatte. In diesem Jahr sehen die Erfahrungen jedoch anders aus, was uns Anlass gibt, einen offenen Brief an die Betreiber des Restaurants zu veröffentlichen:

 

Offener Brief an den "Teepott" Warnemünde

Sehr geehrte Betreiber des Restaurants "Teepott",

ich wende mich im Namen der Fürst Donnersmarck-Stiftung an Sie, einer Berliner Stiftung für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung. Vergangenen Mittwoch, den 17. Juli 2019, besuchten einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung gemeinsam mit vier Klienten aus unserem stationären Wohnangebot den „Teepott“ in Warnemünde. Sie waren bereits im letzten Jahr bei Ihnen und hatten dabei gute Erfahrungen gemacht. In diesem Jahr verhielt es sich jedoch anders.

Das Essen eines der Klienten muss aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen püriert werden. Was im vergangenen Jahr problemlos möglich war, wurde in diesem Jahr erst auf konkrete Nachfrage möglich gemacht. Beim Verlassen Ihres Restaurants wurde unsere Mitarbeiterin von einer Ihrer Servicekräfte angesprochen und darauf hingewiesen, dass bei einem nächsten Besuch das Pürieren nicht mehr möglich sei. Bei genauerer Nachfrage nach den Gründen hierfür erklärte Ihre Mitarbeiterin, es habe „Blick- und Gastbeschwerden“ gegeben.

Aus unserer Sicht ist dieses Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderung unangemessen und herabwürdigend. Nicht erst seit der Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention ist der Anspruch von Menschen mit Behinderung auf volle und umfassende Teilhabe ein wichtiges politisches und gesellschaftliches Recht.

Es ist uns bewusst, dass einige Menschen Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung haben und dies auch im Falle der Klienten zutraf, die am 17. Juli bei Ihnen zu Gast waren. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen auf diese Gefühle jederzeit Rücksicht. Diese individuellen Berührungsängste können jedoch nicht Grundlage einer benachteiligenden Geschäftspolitik werden. Dies entspricht nicht der Grundlage unserer Staatsverfassung und dem gesellschaftlich geforderten Umgang mit Menschen mit Behinderung, für den die Fürst Donnersmarck-Stiftung täglich eintritt.

Wir bitten deswegen eindringlich, dieses Vorgehen zu überdenken und auch zukünftig Menschen mit Behinderung als Gäste zu empfangen und in einer respektvollen Art und Weise zu bedienen. Alles andere steht einem Restaurant wie dem „Teepott“ schlecht zu Gesicht, ist auf Dauer geschäftsschädigend und grundsätzlich nicht akzeptabel.

Wir freuen uns über eine Stellungnahme. Am Montag, den 29.7.2019, möchten wir den Vorfall auf unserer Webseite publik machen. Eine Kopie dieses Schreibens erhält Petra Kröger als Beauftragte für Menschen mit Behinderung der Stadt Rostock.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Sebastian Weinert

Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Fürst Donnersmarck-Stiftung

 
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