Der Kahlau-Tag - ein Nachbericht

Hörbericht und Fotostrecke

Am Sonntag war "Kahlau-Tag", so jedenfalls eröffnete Josefine Stamm von der Zehlendorfer Villa Donnersmarck den Nachmittag des 2. März. Bei dieser Veranstaltung drehte sich alles um Thomas Kahlau, den Mundmaler aus Caputh bei Potsdam und Autor des Buches "Die Kraft in mir".

Zwischen der Vernissage einer Ausstellung mit rund drei Dutzend Werken des Künstlers und einer Lesung aus seinem Buch, stellte der Maler seine Technik den Zuschauern vor und sich den Fragen zu künstlerischen, ästhetischen und technischen Problemen seiner Bilder.
"Für mich ist das Malen ein Medium, um mich ausdrücken zu können", so Kahlau im Hörbericht.

Vieles aus seinem Leben konnten die Besucher aus dem Dokumentarfilm "Den Wind auf der Haut spüren", dessen Regisseurin Gitta Nickel ebenfalls anwesend war, erfahren.

Zusammen mit Schülerinnen und Schülern wird Thomas Kahlau sowohl an Hand seiner Biographie über sein Leben diskutieren als auch mundmalen. Interessierte Schulen können sich bei der Villa Donnersmarck (villadonnersmarck@fdst.de oder Tel: 030 - 847 187 0) melden.  Klassensätze liegen vor.
 

„Aus dem Leben eines Mundmalers“

Beitrag: Thomas Kahlau – Aus dem Leben eines Mundmalers
Länge: 4 min 36
Datum: 03.03.2008

Autor: Sven Scherz-Schade - www.audiolink-online.de
 

Transkription

Bild Kahlau Tangotänzer in Rot und blau
 
Ein Paar tanzt Tango vor einem feuerroten Bühnenvorhang. Daneben die übergroße Grimasse eines Conférenciers, der dem Besucher die Zunge herausstreckt. In seinen Gemälden setzt Thomas Kahlau gerne leuchtende und grelle Farben ein. Zur Ausstellungseröffnung in der Villa Donnersmarck improvisierte die Musikerin Marion Schwan auf dem Sopransaxofon: Das passte, und zwar nicht nur, weil eines von Kahlaus Gemälden Der Saxofonspieler heißt:

Es ist eigentlich mein Lieblinginstrument, also ich spiele es natürlich nicht selbst. Die Idee zu dem Bild ist entstanden nach einem Konzert von Tina Turner, die einen sehr charismatischen Saxofonspieler hatte. Ich hab das Konzert im Fernsehen gesehen und danach ist dann das Bild entstanden.

Thomas Kahlau ist Mundmaler. Er ist querschnittgelähmt. Hände und Arme kann er nicht bewegen. Seinen elektrischen Rollstuhl steuert er über einen kleinen Joystick. Den bedient Thomas Kahlau mit dem Mund. Über drei Dutzend Gemälde hängen in der Ausstellung. Stadtansichten von Berlin, Potsdam, Landschaften, Stilleben. In Öl, in Acryl. Wer es nicht weiß, würde nicht auf die Idee kommen, dass ihr Schöpfer gelähmte Hände hat.

Ich male mit dem Mundstück. Man muss sich das vorstellen wie ein Negativabdruck von meinem Gebiss. Da ist eine Röhre drin eingefasst und in diese Röhre kann man Pinsel oder Stift befestigen.

Erst begann er mit 20, 30 cm langen Pinseln. Damit konnte er postkartengroße Bilder malen. Mittlerweile aber misst die Röhre von Mund bis Pinselspitze etwa 80 cm. Große Leinwand-Formate sind für den Künstler aus Potsdam heute kein Problem mehr.

Ich hab eigentlich das Malen immer als etwas sehr Persönliches angesehen. Ich habe nie versucht, eine große Botschaft reinzulegen. Meine Anfänge waren ja so, dass ich das als eine Therapie angesehen habe, um meinen Alltag zu realisieren. Anfangs war das eine reine Beschäftigungstherapie und daraus hat sich das immer mehr entwickelt. Für mich ist das Malen ein Medium, um mich ausdrücken zu können.

Wer mit Malerei auf dem Kunstmarkt Erfolg haben will, muss kämpfen. Für Künstler mit Behinderung ist es umso schwerer. Josephine Stamm, bei der Fürst Donnersmarck-Stiftung zuständig für das Kultur-Programm, kennt die Probleme.

Unsere Intention ist ja in der Villa Donnersmarck, Künstler mit Behinderung auszustellen, um denen eine Chance zu geben, ihre Bilder erst einmal für alle rollstuhlgerecht, rollstuhlzugängig zu zeigen, und auch ihnen Unterstützung anzubieten beim Zeigen und auch ihnen Unterstützung anzubieten bei Hängen, Transportieren usw.

1976 war es. Als 15-Jähriger sprang Thomas Kahlau kopfüber in einen viel zu flachen Kiesgrubensee. Von diesem Badeunfall und wie er später zur Malerei kam, erzählt sein Buch „Die Kraft in mir“, das die Stiftung jetzt in der zweiten Auflage mit Unterstützung des Verlags Mund und Fußmalender Künstler Stuttgart herausgegeben hat. Eine packende Lektüre für jedermann. Doch vor allem für Jugendliche, sagt Josephine Stamm.

Ja, wir denken, dass dieses Buch ein sehr interessanter Stoff ist, um ihn im Deutschunterricht, aber auch im Ethikunterricht oder auch Sozialkundeunterricht zu behandeln, wir haben einen Klassensatz für Schulen von diesen Büchern, so dass man die nicht kaufen muss, die können an die Schüler ausgeliehen werden, und wir laden alle Schulen, die Interesse haben, herzlich ein, sich an uns zu wenden und wir werden dann sicher einen Termin finden wann Herr Kahlau zu ihnen kommen kann.

Erst hatte Josephine Stamm Bedenken: Etwa ob Thomas Kahlau sich bei solchen Klassenbesuchen benutzt oder vorgeführt fühlen könnte. Doch Kahlau sieht das überhaupt nicht so.

Bei Kindern ist es so, die haben vielleicht noch nie irgendwo Berührung mit Behinderung gehabt, haben kein Voreingenommenheiten, sind unbefangen, stellen Fragen und haben in ihrem Alltag aber wenig Möglichkeiten dazu, und ich nutze dazu die Malerei als kleinen Aufhänger und male dann auch mit den Kindern, die müssen dann auch mal probieren mit dem Mund zu malen, wie das denn so geht und über diese Selbsterfahrung versuche ich dann da Normalität reinzubringen, und die Akzeptanz, dass Menschen mit Behinderung einfach zur Gesellschaft dazugehören.

Außerdem besucht Thomas Kahlau auch Sonderpädagogik-Klassen und zeigt Schülern mit Behinderung seine Maltechnik. Für diese Kinder ist Kahlau dann häufig Vorbild. Sie sagen sich: Was der kann, will ich auch können.

Musik Saxofon ausblenden....
 
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