Die Heide ruft

Sexualbegleitung für Menschen mit Lernschwierigkeiten

Team komplett: Darsteller u Filmemacher posieren für ein Foto für das Internetportal der Stiftung

Premiere im Kino Arsenal am 23.02.2008

“Der Film hat seine Nische gefunden!” So oder ähnlich kann ein erstes Resümee des Dokumentarfilms “Die Heide ruft” von Mirjam Mirwald, Danilo Vetter und Marius Zierold lauten. Dies wäre aber nur unzureichend wiedergegeben.
 
Mit großem Beifall wurde die einstündige Dokumentation mit dem Thema Sexualbegleitung und Sexualassistenz für Menschen mit Lernschwierigkeiten („geistiger Behinderung“) vom fachkundigen Publikum im Arsenal am Potsdamer Platz honoriert. Die rund 230 Besucher im gut gefüllten Kinosaal an der Potsdamer Straße verfolgten mit großem Interesse und Anteilnahme den Bericht über drei Menschen mit Lernschwierigkeiten, die an einem Erotikworkshopwochenende in Trebel teilnahmen.

Die von der Kamera überzeugend in Szene gesetzten und auf Grund ihrer Offenheit sehr sympathisch auftretenden Wohnstättenbewohner und Hauptdarsteller Hardy Hoßbach, Jürgen Jilch und Stefan Butzig schilderten ihre Erfahrungen und Erwartungen über den Umgang mit Sexualität, ihre Beziehung zur Freundin, ihre Wünsche und Hoffnungen. Darüber hinaus kamen Sexualbegleiterinnen und Workshopleiter Dipl. Psych. Lothar Sandfort zu Wort. Sie informierten über ihre Arbeitsweisen und –methoden. Die Gegenüberstellung der Arbeit des Workshops und der fachlichen Auskünfte von Matthias Vernaldi von der Berliner Initiative Sexybilities brachte eine Kontroverse bzgl. der angebotenen Dienstleistungen und der Nähe zur Prostitution auf, die von Vernaldi unterstellt wird.

Bei der sich anschließenden Podiumsdiskussion herrschte Konsens, dass das Thema Sexualität und “geistige Behinderung” auch heute noch in Zeiten von Inklusionsdebatten und Normalisierungsprinzip in nicht ausreichender Form behandelt und in der Realität konkretisiert wird. „Oft hängt es an den Betreuern und Betreuerinnen, ob Menschen mit Lernschwierigkeiten ihre sexuellen Wünsche ausleben können“, so Lothar Sandfort. Kurz bevor die Gäste ins Foyer zu kleinen Snacks und Sekt entlassen wurden, dankte der Workshopleiter dem Filmteam, welches mit großem Einfühlungsvermögen und der angebrachten Sensibilität seine filmische Arbeit in Kooperation mit der Einrichtung durchgeführt hat.

Die von der Fürst Donnersmarck-Stiftung unterstützte Dokumentation bricht mit dem Tabuthema Sexualität und Menschen mit Lernschwierigkeiten und „leistet somit einen Beitrag zur Dekonstruktion des Begriffes Behinderung“, so Danilo Vetter. Die Essenz des Films, dass jeder Mensch das Grundrecht auf Ausübung seiner Sexualität hat, gilt es aus dem Kino in die konkrete Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung und in die professionelle Ausbildung an Bildungseinrichtungen hineinzutragen. Frau Mirwald erklärte, das Thema in ihrer Arbeit weiter zu verfolgen. Die Zuschauer verließen das Kino mit dem Bewusstsein über die Notwendigkeit, ein in Ausbildung und Praxis vernachlässigtes Feld stärker in den Blickpunkt zu rücken.

Michael Nüske

 

 

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Premierenankündigung

Ergänzung zum Thema

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