Verabschiedung Richter

Leiter des Fürst Donnersmarck-Hauses verabschiedet

Berlin-Frohnau, 28.09.2001

Über 30 Jahre hat Manfred Richter sich für die Rehabilitation und Integration von Menschen mit Behinderung stark gemacht, 22 Jahre davon als Leiter des Fürst Donnersmarck-Hauses in Frohnau. Heute wird er im Rahmen einer Feierstunde verabschiedet. Wolfgang Schrödter, Geschäftsführer der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin, würdigte das Engagement und die Leistungen des 62-Jährigen:
"Herr Richter hat das Haus von seinen Anfängen als Heim für körperbehinderte Kinder zu einem heute anerkannten Zentrum für neurologische Langzeitrehabilitation aufgebaut. Dabei hat er sich immer zuerst an den Anforderungen und Bedürfnissen der Menschen mit Behinderungen orientiert und sich davon leiten lassen. Der Arbeitsbereich Rehabilitation in der Fürst Donnersmarck-Stiftung mit seinen vielfältigen Angeboten hat hier im Fürst Donnersmarck Haus seinen Ursprung. Dafür gilt ihm heute unsere große Anerkennung und unser herzlicher Dank. Wir sind glücklich auf diesem Fundament die Arbeiten der Stiftung fortzuführen und weiterzuentwickeln".

Der staatlich anerkannte Erzieher war bereits im "Heim für schwerkörperbehinderte Kinder" in Frohnau angestellt als die Fürst Donnersmarck-Stiftung 1964 die Trägerschaft des Hauses übernahm. Ab 1968 wurde ihm die pädagogische Leitung übertragen, seit 1979 leitete Richter das Fürst Donnersmarck-Haus. Seine Arbeit folgte der Prämisse "Hilfe zur Selbsthilfe". Die Selbstständigkeit und Lebensqualität von Menschen mit Behinderung lagen im dabei besonders am Herz.

Unter seiner Regie wurde das Haus mehrmals um- und ausgebaut: 1972, um die Gruppengrößen von 16 Plätzen auf acht verkleinern zu können, 1979 folgte der Ausbau zum Reha-Zentrum. In diesem Jahr konnten Foyer und öffentliche Bereiche grundlegend modernisiert und neugestaltet werden.

Der Aufbau von gemischtgeschlechtlichen Trainingswohngruppen für Jugendliche mit Körperbehinderungen, die Wohnanlage nach dem Muster eines Service-Hauses und die Einrichtung von Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung zeigen Richters innovative Arbeitsweise.

Seine Aktivitäten führten dazu, dass die Fürst Donnersmarck-Stiftung 1987 einen neuen, eigenständigen Arbeitsbereich das "Betreute Wohnen" anbieten konnte, der beständig erweitert wird.

Manfred Richter hat außerdem viele weitere Projekte verwirklicht, wie das Reparaturmobil, durch das Arbeitsplätze für Jugendliche mit Behinderungen geschaffen wurden. Die kleine Druckerei im Fürst Donnersmarck-Haus war Vorläufer der heutigen modernen Druckerei im benachbarten Schönfließ, WfB Nordbahn, heute eine 50 prozentige Tochtergesellschaft der Stiftung.

Auch ehrenamtlich setzte sich Richter aktiv für Menschen mit Behinderung ein. Als Mitbegründer der Deutschen Behinderten Sportjugend und Trainer für Rollstuhlbasketball entwickelte er das Konzept für ein paralympisches Jugendlager. Im letzten Jahr war er verantwortliches Mitglied der deutschen Olympiadelegation in Sydney. Im Rückblick auf seine Arbeit im Fürst Donnersmarck-Haus hebt Manfred Richter vor allem die Gestaltungsmöglichkeiten und den Teamgeist hervor.

Im Fürst Donnersmarck-Haus arbeiten rund 250 Mitarbeiter. Das Haus gliedert sich in drei getrennte Wohnbereiche, in denen die 124 Bewohner in Wohngruppen leben:
Das Befristete Wohnen / Rehabilitation ist ein Nachfolgeangebot zu Rehabilitationskliniken. Alle Maßnahmen sind auf die alltagsbezogene und soziale Verselbständigung für ein Leben außerhalb einer stationären Einrichtung gerichtet.
Der Bereich Dauerwohnen bietet zeitlich unbefristet ein beschütztes soziales Umfeld. Ziel ist die am Normalisierungsprinzip orientierte bestmögliche Absicherung der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.
Das Kinder- und Jugendheim ist - unter Berücksichtigung von Körperbehinderungen, Verhaltensauffälligkeiten und ungünstigen Milieueinflüssen - auf eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet.
In der Praxis für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können Menschen mit Behinderungen, die nicht im Fürst Donnersmarck-Haus leben, von den interdisziplinär abgestimmten Rehabilitationsangeboten profitieren.
Der Gästebereich mit 13 Plätzen ist ein Angebot vorrangig für betreute Gruppen von Menschen mit Behinderungen.

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung ist in den Arbeitsbereichen Rehabilitation, Touristik und Bildung für Menschen mit Behinderungen tätig. Sie betreibt in Berlin neben dem Fürst Donnersmarck-Haus, Einrichtungen zur Freizeitgestaltung, Bildung und Beratung, u. a. das Café Blisse sowie betreute Wohnformen für körperbehinderte Menschen und seit 1972 in Bad Bevensen ein behindertengerechtes Gästehaus. Im Sommer d. J. hat die Tochtergesellschaft der Stiftung ein neues ambitioniertes und großzügig ausgestattetes Hotel in Rheinsberg mit 108 Zimmern eröffnet.

Helga Hofinger