Die Zukunft

Die Zukunft des Telebus in Berlin

Rund 100 Gäste diskutierten am 19. März in der Villa Donnersmarck mit dem Landesbehindertenbeauftragten, der Senatsverwaltung, dem Telebus und der BVG über die aktuelle Situation des Telebusfahrdienstes in Berlin. Der Berliner Senat kürzte Mitte Februar seine Zuwendungen um 1,2 Millionen ?. Damit steht das bisherige Angebot für den sogenannten Sonderfahrdienst für mobilitätsbehinderte Menschen nun auf dem Prüfstand.



 
Dr. Jürgen Schneider
Angesichts der finanziellen Gesamtsituation in Berlin und im Hinblick auf die rechtlichen Bedingungen einer länderübergreifenden Finanzhilfe könne der Senat es nicht verantworten, mehr Geld auszugeben als er tatsächlich einnehme. Vor dieser Situation müsse das derzeitige Finanzkonzept des Telebus gesehen werden, so Dr. Jürgen Schneider, Referatsleiter für Behindertenpolitik bei der Berliner Senatsverwaltung. Ihmzufolge bestünden mit dem Telebus und dem ÖPNV zwei nebeneinander existierende Parallelsysteme, die es nun zu vernetzen gilt. Ziel der Senatsverwaltung ist es, an diesem Punkt Synergieeffekte herzustellen. "Niemand hat vor, den Sonderfahrdienst mit allen positiven Aspekten abzuschaffen," beruhigte Schneider das Publikum.
 
Martin Marquard
Auch der Landesbehindertenbeauftragte, Martin Marquard, zielte in diese Richtung. Er appellierte nachdrücklich an den Vertreter der BVG, dass Fahrangebote für mobilitätsbehinderte Menschen keinen unerwünschten Sonderfall für den ÖPNV darstellen dürfen, und an die Nutzer, sich auf das "Abenteuer ÖPNV" einzulassen, "Busse und Bahnen für alle" zu leben.

"Wer in der Lage ist, die BVG zu nutzen, soll das tun. Für alle anderen muss der Telebus erhalten bleiben. Beide Systeme dürfen einander nicht ausschließen", wünschte sich Wilhelm Konsek, Geschäftsführer "Fahrdienst für Behinderte" im Land Berlin. Sämtliche Subunternehmer befänden sich angesichts der Senatskürzungen in "hellem Aufruhr", weitere Kostensenkungen und steigende Benzinpreise bedeuteten zunehmend das "Aus" für die Subunternehmer, ergänzte auch Heinz Gebel, Ehrenvorsitzender der Vereinigten Telebusunternehmer (VTU).


 
Wilhelm Konsek

"Wer in der Lage ist, die BVG zu nutzen, soll das tun. Für alle anderen muss der Telebus erhalten bleiben. Beide Systeme dürfen einander nicht ausschließen", wünschte sich Wilhelm Konsek, Geschäftsführer "Fahrdienst für Behinderte" im Land Berlin. 

 
Heinz Gebel
Sämtliche Subunternehmer befänden sich angesichts der Senatskürzungen in "hellem Aufruhr", weitere Kostensenkungen und steigende Benzinpreise bedeuteten zunehmend das "Aus" für die Subunternehmer, ergänzte auch Heinz Gebel, Ehrenvorsitzender der Vereinigten Telebusunternehmer (VTU).
 
Dr. Ilja Seifert

"Not macht erfinderisch, Not haben wir, es fehlen aber die Erfindungen." Damit kritisierte Dr. Ilja Seifert, Vorsitzender des Berliner Behindertenverbands, den BZA, er habe nicht angemessen auf die Kostensituation reagiert und noch kein bedarfsgerechtes Konzept für mobilitätsbehinderte Menschen zusammen mit der BVG entwickelt. Vielmehr sei für ihn der Telebus bereits ein Teil des ÖPNV, die Senatsverwaltung für Verkehr und nicht für Soziales müsse für die Planung zuständig sein, unterstrich Seifert.

 
Ursula Lehmann
Konsens herrschte darüber, dass selbst ein vollständig barrierefreier ÖPNV der Ergänzung durch einen bedarfsorientierten Fahrdienst bedarf. Wichtige Anmerkungen von den Betroffenen verdeutlichten, dass Mobilität für einige behinderte Menschen nicht an der Haustür enden kann. So schilderte Ursula Lehmann vom "Spontanzusammenschluss Mobilität für Behinderte", dass sie trotz häufiger Nutzung von U- und S-Bahnen in Berlin auf Assistenz vor den Fahrten angewiesen ist.

Betroffene brauchen auch zukünftig Assistenz vor einer Telebusfahrt, forderte insbesondere die Spastikerhilfe, als Michael Grunwald von der Abteilung Angebotsentwicklung bei der BVG an die größtenteils mobilitätsbehinderten Anwesenden seinen Appell richtete, dass sie verstärkt die BVG nutzen sollten. "Wir möchten Ihnen mehr barrierefreie Angebote machen, sie sind uns herzlich willkommen", so Grunwald.


 
Michael Grunwald

Trotz des glaubwürdigen Appells konnte Grunwald keine mittelfristige Lösung anbieten, so dass die rund 37.000 telebusberechtigten Berliner angesichts fehlender Aufzüge in den U-Bahnhöfen und nicht funktionierender Rampen bei den Bussen mit der BVG eine sichere Alternative zum Telebus hätten.

 
Eileen Moritz
Kritisiert wurde weiterhin die im Einzelfall auftretende mangelnde Hilfsbereitschaft und Schulung der BVG-Fahrer. Eindrücklich schilderten Gäste ihre negativen Erfahrungen beim Benutzen des ÖPNV. Die Moderatorin Eileen Moritz bündelte die verschiedenen Aspekte und wies die anwesenden Experten auf die offenkundige Diskrepanz zwischen dem Bemühen des Telebus und der BVG hin, den Bedürfnissen mobilitätsbehinderter Kunden zu entsprechen und ihren realen Erfahrungen. Konsens in dieser Frage wurde an diesem Abend in Einzelgesprächen hergestellt, indem Vertreter von der BVG und dem Telebusfahrdienst mit den anwesenden Gästen in Kontakt traten, um die individuellen Beschwerden aufzunehmen.

Dr. Schneider und Martin Marquard bedauerten, dass sich im Spannungsfeld zwischen Senat, Telebus und den Betroffenen zunehmend Fronten aufgebaut haben, die im Zuge der Kürzungen kontraproduktiv seien. Es gelte, die Differenzen zu beseitigen, um die Existenz des Telebus zu sichern und in Zukunft, insbesondere mit dem flächendeckenden Netz der BVG zu kooperieren, die Spontanfahrten erlaube und Integration pur biete.

Verantwortlich:
Ursula Rebenstorf, Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 030 - 847 187-22 (-23 Fax)
Email: rebenstorf.fbb@fdst.de

19. März 2003 mit Fotos


 

 
Ein Schild des Telebusses