Mit dem realen Rollstuhl

Mit dem realen Rollstuhl durch die virtuelle Welt

Kobinet-Interview mit Thomas Golka,
die Fragen stellte Franz Schmahl


Kobinet-Nachrichten: Die Fürst Donnersmarck-Stiftung hat an einem Projekt mitgewirkt, bei dem es um die Entwicklung eines Rollstuhlsimulators ging. Wie funktioniert so ein Gerät?
Ein Rollstuhl ist fest auf einer hydraulisch-bewegten Plattform montiert. Die Plattform gibt die horizontalen Bewegungen wieder. Sie neigt sich nach vorne, wenn man über eine Schräge rollt. Durch das Drehen der Räder steuern die Spieler die Richtung innerhalb der Simulation. Wenn z.B. ein Bordstein angesteuert wird, kann dieser mit dem Rollstuhl nicht überwunden werden. Kommt der Teilnehmer auf die Rasenfläche, muss er mehr Kraft aufwenden, um den Rollstuhl vorwärts zu bringen. Der Spieler erlebt die 3D-Welt über eine Cyberspace-Brille und die Zuschauer verfolgen die Tour durch die künstliche Umwelt über einen Flatscreen.
 
Rollstuhl auf hydraulischer Bühne vor Leinwand
 
Die Spielidee ist folgende: Man muss einen Auftrag innerhalb der virtuellen Stadt so schnell wie möglich ausführen, um in die Bestenliste zu kommen. Über eine game-over-Funktion verfügt das Spiel auch. Rollt der Spieler in der virtuellen Stadt auf eine Glasscherbe, ist das Spiel für den Teilnehmer beendet. Also Schnelligkeit allein führt nicht zu Ziel. Denn wie in der realen Welt rollt der kaputte Reifen nicht mehr.

So können die Spieler mit dem realen Rollstuhl eine virtuelle Welt aus der Rollstuhlnutzerperspektive erleben. Der Rollstuhlsimulator wurde zusammen mit der Fa. MUVI Events und Services aus Bayreuth entwickelt. Ein weiterer Partner ist die Zürich Versicherung. Die Fa. Meyra stellte den Rollstuhl.

Kobinet-Nachrichten:
 Wann und wo wird der Rollstuhlsimulator erstmals der Öffentlichkeit präsentiert?
Im Rahmen des Ökumenischen Kirchentags präsentiert sich die Fürst Donnersmarck-Stiftung (www.fdst.de) unter dem Titel "Lebenswelten von Menschen mit Behinderung erlebbar machen - Wege von Mensch zu Mensch ebnen". Auf der Agora in der Halle 1.2 Stand E 16 unter dem Funkturm können die Besucher die Simulation erstmals ausprobieren. Weitere Möglichkeiten zum Spielen gibt es bei zwei riesigen Schülerfesten in Bayern im Laufe des Sommers und auf der Rehacare in Düsseldorf. Vielleicht kommen noch andere Termine hinzu?

Kobinet-Nachrichten:
Welche Zielgruppe soll mit diesem Projekt erreicht werden?
Unsere erste Zielgruppe sind junge Menschen. Wir holen sie dort ab, wo sie heutzutage stehen. Sie kennen diese Spielgeräte. Nach unserer Vorstellung senkt sich dadurch die Schwelle, einen Rollstuhl auszuprobieren. Wir wollen die Lebenswelt von Menschen mit Behinderung für ein junges Publikum zeitgemäß erfahrbar machen. Rollstuhlfahrer können den Simulator auch benutzen und gegen die ungeübten Rollstuhlnutzer antreten.

Mit dem Spiel will die Fürst Donnersmarck-Stiftung im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung auf eine unkonventionelle Art und Weise Wege zu einem besseren Verständnis von Menschen mit Einschränkungen ebnen, was auch ein Ziel der europäischen Kampagne ist.

Rollstuhlsimulation auf der Agora unter dem Funkturm - Halle 1.2 Stand E 16


 
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