Stolpersteine

Stolpersteine gegen das Vergessen

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung übernahm die Patenschaft für 16 STOLPERSTEINE

Ursula Rebenstorf


Aufmerksame Passanten haben bestimmt schon die kleinen messingfarbenen Metallwürfel vor einigen Hauseingängen in Kreuzberg bemerkt. Diese "Steine" fallen in dem typisch berlinerischen Kopfsteinpflaster nur durch ihre andere Farbe und Größe auf. Der Blick "stolpert" über diese unaufdringlichen Steine, irritiertet bleibt man stehen. Man muss sich weit auf den Gehweg beugen um die Inschrift auf den Steinen zu erkennen: Da steht jeweils ein Name, ein Geburts- und ein Todesdatum. Die Namen klingen oft jüdisch, und immer weist das Todesdatum auf Deportation oder Ermordung hin...



 
Stolperstein für Viktoria Kanafa
 
 

Die Rede ist von Menschen, die während des Nationalsozialismus ermordet worden sind. Da sind die Namen von jüdischen Mitbürgern, von behinderten oder homosexuellen Menschen, von Menschen, die aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, aufgrund ihrer Krankheit oder Behinderung, aufgrund von Lebens- und Partnerentscheidungen nicht in das nationalsozialistische Menschenbild in Deutschland von 1933 bis 1945 passten. Allein an die 55.000 Einwohner aus Berlin wurden 1941 - 1943 verschleppt und ermordet.

Die Fürst Donnersmarck-Stiftung übernahm die Patenschaft für 16 STOLPERSTEINE, 8 für jüdische Opfer und 8 für Opfer der T4-Aktion. Diese STOLPERSTEINE wurden seit dem 2. Juli 2002 am letzten Wohnort der Opfer verlegt.

Grundsätzlich gestaltet sich die Suche nach den historischen Spuren als schwierig. Mit dem "Gedenkbuch Berlin für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus" ist zwar eine Grundlage gegeben, jedoch schwieriger nachzuweisen sind Angaben über Personen anderer Opfergruppen, wie z.B. über Opfer der sog. T4-Aktion.

Über die acht Euthanasieopfer, für die die Fürst Donnersmarck-Stiftung STOLPERSTEINE gespendet hat, liegen der WIR-Redaktion Krankenakten des Bundesarchivs Berlin-Lichterfelde vor, welches uns das Heimatmuseum Kreuzberg-Friedrichshain zur Verfügung stellte.

Mit Verlegung der STOLPERSTEINE werden die Deportationen der 1940er Jahre in eine unmittelbare nachbarschaftliche Nähe gebracht: Menschen wurden aus ihrer Wohnung zum Sammeltransport oder zur Einweisung in eine Heilstätte abgeholt, und kehrten nicht mehr zurück. Es geschah nicht heimlich und unauffällig. Die Deportierten hatten Nachbarn. Dazu schreibt Günter Demnig: "Durch das persönliche Erinnern an diesen Menschen, vor dem Haus, in dem er bis zur Deportation gewohnt hat, wird die Erinnerung an ihn ganz konkret in unseren Alltag geholt."

Die im Februar 2003 erschienene Broschüre berichtet über die Idee und die Vorgeschichte der STOLPERSTEINE. Gleichzeitig enthält das Buch eine Sammlung von Aufsätzen über die Ausgrenzung und Verfolgung, die die jüdische Bevölkerung, Widerstandskämpfer, kranke und behinderte Menschen sowie Homosexuelle in Kreuzberg und Friedrichshain während der Jahre 1933 - 1945 erfahren mussten. Die Broschüre kann im Kreuzberg Museum unter Tel: 030 - 50 58 52 33 bestellt werden.

Eine lange Version des Artikels und Fotos finden Sie in dem Ausschnitt aus der neuesten WIR im pdf-Format (PDF-Dokument, 220.4 KB).

Infos aus Anlaß des 5.Mai, des Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen

 
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