Persönliches Budget - Audiotranskription

Beitrag Persönliches Budget

Länge: 4 min
Datum: 02.06.2005

O-Töne:
Werner Link, Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz
Birgit Stenger, Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerbehinderter Menschen e.V.


Autor: Beatrix Schulz - www.audiolink-online.de
 

Anmoderation

 Behinderte Menschen können seit Juli vergangenen Jahres das sogenannte Persönliche Budget beantragen. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich Angebote für ihre Bedürfnisse auf dem Sozialmarkt einkaufen zu können. Über Chancen und Risiken dieses Persönlichen Budgets diskutierten namhafte Experten beim Jour Fixe in der Fürst Donnersmarck-Stiftung.
 

Beitrag

Die Politik für Behinderte Menschen stieß bei Betroffenen oft auf Kritik. Von Bevormundung oder gar Entmündigung war die Rede. Das aber soll sich ändern. Künftig soll der Mensch in den Mittelpunkt gestellt werden.
Erklärtes Ziel ist es, den behinderten Menschen ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu ermöglichen. Wichtiger Baustein dieser Politik ist das sogenannte trägerübergreifende Persönliche Budget, das seit Juli 2004 im Sozialgesetzbuch verankert ist. Was dieses Budget überhaupt ist, erklärt Werner Link von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz:

Das trägerübergreifende persönliche Budget ist eine Art Geldtopf, der individuell für einen behinderten Menschen gefüllt wird durch verschiedene Leistungsträger, Rehabilitationsträger, darüber hinaus auch das Integrationsamt, eventuell die Pflegekasse – also die Hilfe zur Pflege. All diese Träger überlegen, welche Leistung können wir erbringen für den behinderten Menschen, münzen dieses in Geld um und geben diese Teilbudgets in einen Geldtopf, der ein Gesamtbudget darstellt und dem behinderten Menschen potentiell zur Verfügung gestellt wird, um seinen Bedarf zu decken.

Um dieses Geld zu bekommen, schließt der Betroffene mit dem beauftragten Leistungsträger eine Zielvereinbarung ab. In der wird konkret festgelegt, wofür die Mittel verwendet werden. Zu budgetfähigen Leistungen gehören zum Beispiel Kosten für die Betreuung beim Wohnen, für das Arbeiten in einer Werkstatt für Behinderte oder für Hilfen im täglichen Leben.

Der Empfänger eines Persönlichen Budgets handelt praktisch wie ein Unternehmer. Zum Beispiel Birgit Stenger von der Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerbehinderter Menschen. Sie sitzt selbst im Rollstuhl und nutzt das Persönliche Budget für die Beschäftigung einer notwendigen persönlichen Assistentin.

Sie kalkulieren selbst die Kosten, der Kostenträger verhandelt mit ihnen darüber, bewilligt letztendlich einen Betrag X, und mit diesem Betrag müssen sie die Assistenz organisieren. Das heißt, sie müssen Anzeigen aufsetzen, sie müssen Bewerbungsgespräche führen, Sie müssen die Leute anlernen, für Urlaubs- und Krankheitsvertretung sorgen, sie müssen den Leuten kündigen, wenn sie die Zusammenarbeit nicht mehr gewährleistet sehen.

Birgit Stenger ist Teilnehmerin an einem von 14 bundesweiten Modellprojekten zum Persönlichen Budget. Ihre Erfahrungen sind ausschließlich positiv. Trotzdem schließt sie sich Kritikern des Gesetzes an und fordert mehr Beratung bzw. Budgetassistenz.

Dass der Gesetzgeber sagt: „Wir möchten, dass ihr Menschen mit Behinderung selbstbestimmt lebt und dass ihr an dem Leben in der Gemeinschaft teilnehmt, und dafür stellen wir euch Gelder in manchmal sehr hohem Maße zur Verfügung“, das ist eine Botschaft, die gerichtet ist an Menschen, die zum großen Teil 10, 20 Jahre oder noch länger vieles erfahren haben, aber nicht, was Selbstbestimmung bedeutet. Das heißt, das ist eine vollkommene Überforderung.

Entsprechend gering ist bisher die Resonanz auf das Angebot. Auch das Vorzeigeprojekt im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg betreut derzeit nur 25 Anträge auf Persönliches Budget. Bis Oktober sollen es immerhin 50 werden. Willkommen ist grundsätzlich jeder. Keine Gruppe von behinderten Menschen wird von vornherein ausgeschlossen.
Trotzdem sollten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, wie Birgit Stenger meint:

Das persönliche Budget macht insbesondere Sinn für Menschen mit einem sehr sehr hohen Assistenzbedarf. Und zwar aus dem einfachen Grund: je höher der Assistenzbedarf ist, desto mehr bin ich darauf angewiesen, dass ich eine personelle Kontinuität habe. Und diese personelle Kontinuität können sie, wenn sie die Assistenz selbst organisieren, viel besser gewährleisten.

Assistenz brauchen behinderte Menschen nicht nur zur Bewältigung des Alltags. Auch der Weg zur Eigenverantwortlichkeit mit Hilfe des persönlichen Budgets braucht vielfach kundige Begleitung. Auskunft geben staatliche Beratungsstellen wie Bezirksämter, aber auch Selbsthilfegruppen und Arbeitsgemeinschaften für Menschen mit Behinderungen.
 

 

Audio

Hören Sie eine Reportage von der Podiumsdiskussion:

(mit freundlicher Unterstützung von audio:link)

 

Fotos gefällig?

Eindrücke von der Veranstaltung in der Villa Donnersmarck
 

"Zaubermittel" persönliches Budget?

Was bringt es?
Wie geht es?