Mobilität in Berlin - BVG und Mobilcab

Immer noch in der Testphase?

Wie gut funktioniert der neue Fahrdienst für Menschen mit Behinderung in Berlin

Podiumsdiskussion in der Villa Donnersmarck mit Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner
Rund 140 Menschen kamen am 2. November in die Villa Donnersmarck, um u.a. mit Dr. Heidi Knake-Werner, Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, mit Bernd Döring, Geschäftsführer von Mobilcab, und Herrmann Wagenaar, Sprecher der Bietergemeinschaft VTU, über die Situation bei Mobilcab, dem neuen Fahrdienstorganisator in Berlin, zu diskutieren. Gleich zu Beginn konnte man die Brisanz des Themas für die Nutzer spüren. Die Stimmung unter den Besuchern der Veranstaltung „Mobilität- ein Grundrecht für Menschen mit Behinderung?“ war z. T. gereizt. Die Umstellung vom Telebus/BZA zu Mobilcab bewegte die Gäste auf dem Podium unter der Moderation von Eileen Moritz, Fürst Donnersmarck-Stiftung, und die interessierten Zuhörer gleichermaßen.

Frau Dr. Knake-Werner betonte ausdrücklich, dass sie selbstverständlich Mobilität als ein Grundrecht ansehe. Ihrer Einschätzung nach, trotz im Raum spürbaren Unzufriedenheit, seien mit der Umstellung der Fahrdienste viele positive Änderungen zu verzeichnen.
So könnten die Nutzer durch das neue System ihre Fahrten flexibler und spontaner planen, als es das alte BZA-System zuließ. Des weiteren betonte die Senatorin nachdrücklich die angespannte finanzielle Lage, unter der das System arbeiten müsse. Doch die Umstellung brachte unvorhersehbare Probleme mit sich. Die Kapazitäten reichen nicht aus und so kommt es bei den Nutzern zu Frust und Enttäuschung.

Bernd Döring von Mobilcab räumte manche Schwierigkeit, die das neue System den Nutzern bereitet, ein. Allerdings befinde sich das System nach wie vor in der Testphase, auch wenn die zuvor angekündigten 90 Tage schon um seien. Besonders rund um den Stichtag der Umstellung am 1. Juli diesen Jahres musste die Zentrale vorwiegend Informationsfragen beantworten, die Last wäre so groß wie der Bestell-Hotline von Quelle. Die Telefonkapazitäten reichten nicht aus und die Mitarbeiter am Telefon sowie die Fahrer könnten nicht alle Fahrwünsche zu vollster Zufriedenheit erfüllen. Aber auch das beste System nutze nichts, wenn einfach nicht genügend Finanz- und Transportmittel vorhanden seien. Doch sei die Beförderleistung pro Fahrzeug im neuen System gestiegen.

Herrmann Wagenaar von der Bietergemeinschaft VTU brachte eine positivere Betrachtungsweise mit ins Spiel. Am Anfang waren alle begeistert über das neue System, doch mit der Zeit wurden die Beschwerden immer größer und adäquate Investitionen wie das Einrichten einer neuen Telefonanlage kann zur Zeit nicht vorgenommen werden. Denn noch ist unklar, welcher Betreiber langfristig den Zuschlag für die Fahrdienste erhält. Doch räumte er Optimierungsbedarf ein, da die Kapazitäten von freien Fahrten nicht völlig ausgeschöpft seien.

Ronald Budach, als aktiver Nutzer des ÖPNV zu Gast auf dem Podium, betonte, wie wichtig es sei, dass die Nutzer so viel ÖPNV wie möglich und so wenig Mobilcab wie nötig in Anspruch nehmen. Doch entscheidend für die Nutzer des Mobilcab ist die Zuverlässigkeit des Fahrdienstes. Gerade Betroffene, die am Stadtrand wohnen oder am Wochenende eine Fahrt buchen möchten, erhalten nur schwer eine Fahrt. Damit sprach Ronald Budach den meisten Zuhörern aus dem Herzen. Die Aspekte Verlässlichkeit und Erreichbarkeit der Fahrdienste ist für Menschen mit Behinderung zentrales Thema bei der Planung ihrer eigenen Mobilität. Diese Beiträge wurden vom Podium interessiert und positiv aufgenommen. Doch betonten Dr. Knake-Werner und Bernd Döring, dass der Fahrdienst den Nutzern keine verbindliche Garantie geben könnte. Verlässlichkeit koste nun mal Geld und der Mobilcab könne nicht für nicht zustande gekommenen Fahrten haften. Diese Antwort stieß bei dem Publikum Ablehnung.

Einzelne Stimmen aus dem Publikum, in dem sich auch Direktorin Susanne Kahl-Passoth, Diakonisches Werk Berlin, und Martin Marquard, Landesbehindertenbeauftragter befanden, nutzten auch die Anwesenheit der Entscheider beim Thema Mobilität von Menschen mit Behinderung in Berlin, um eindrücklich ihre schlechten Erfahrungen zu schildern und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Das Thema Verlässlichkeit des Angebots, ein hoher Wert für Menschen mit Behinderung, durchzog den ganzen Abend. Nachdenkliche Podiumsgäste verließen gegen 21.00 Uhr die Veranstaltung. Allen war klar: Das Thema Mobilität ist eindeutig noch nicht zu Ende diskutiert.

Maike Klinker /Ursula Rebenstorf
 
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